inga007 hat geschrieben: Di., 01.04.2025, 05:24
Nun zu der Mehrdimenionalität der Therapie: ich meinte gar nicht so, dass 1 Person/Therapeut wirklich alles anbieten muss (das habe ich auch an einer Stelle so geschrieben, viele lesen aber nicht gut, sondern greifen gleich an ...)
aber wenn ich als verzweifelte, kraftlose Person in die Therapie gehe und ein Therapeut merkt, er kann nicht alles geben und bieten, was derjenige brauchen würde .... könnte er doch auch weiterverweisen, er könnte noch Anderes WO anders miteinbeziehen ... und zwar aber konkret .... angeleitet .... zbs. er macht weiter Gesprächstherapie, schickt mich aber noch zusätzlich wohin, wo ich eine andere Behandlung bekomme, und zwar vielleicht noch 3 andere verschiedene Behandlungen ... ist das für Euch so eine unvorstellbar unmögliche VARIANTE?
Man kann doch nicht erwarten, dass ein kraftloser, ausgebrannter Klient sich alles selber sucht, plötzlich die Initiative ergreift, sich Yoga usw. selber aneignet und und und .... Mir wurde zbs. gesagt, ich könnte mir ja im YouTube Meditation aneignen ... und ich dachte mir dabei - ja, aber ich bin doch hier, zu Dir wegen Hilfe gekommen ... warum macht er das nicht hier gleich selber mit mir ? Und ähnlich ....
Wenn ich so handlungssicher, kraftvoll und planvoll wäre, bräuchte ich die Therapie doch gar nicht ....
Ich kann dein Ansinnen nachvollziehen, sehe da aber ganz einfach viele praktische Probleme. Therapiezeit ist teuer und (zumindest in D) begrenzt. Diese Zeit mit dem gemeinsamen Anschauen von Youtube-Meditationen zu nutzen finde ich ganz einfach nicht zielführend, denn das kannst du wirklich ganz gut alleine machen. Der Therapeut hatte dir das ja sogar schon vorgeschlagen. Wenn das alleine nicht machbar ist, zumindest mal ausprobieren, dann braucht es vielleicht was anderes als Therapie (zB tagesstrukturierende Maßnahmen).
Das andere ist die Koordination ZWISCHEN diesen ganzen Therapien und Ansätzen. In D findet sowas normalerweise im Rahmen von stationären Aufenthalten statt. Und da ist es dann so, dass sich (im Idealfall) die Therapeut:innen auch untereinander austauschen und in eine gemeinsame Richtung gehen. Wie soll das ambulant koordiniert werden? Therapeut A will Traumaexposition machen, während Therapeutin B lieber an ganz konkreten stützenden Maßnahmen arbeiten will? Wer hat den Hut auf? Wer achtet darauf, dass du als Patientin da das bekommst, was du brauchst, wenn du schon im Rahmen der "normalen" Therapie nicht in der Lage bist, die Initiative zu ergreifen und aktiv zu werden?
Zudem solche "Begleittherapien" immer sehr individuell sind. Was mir hilft, ist für die nächste Person vielleicht sinnlos, weil sie damit nichts anfangen können. Auch hier wieder das Problem: Was soll dir denn vorgeschlagen werden? Erstmal alles durchprobieren? Wie lange? Und vieles, was mir persönlich geholfen hat, erreicht gar nicht "Therapie-Niveau" - zB war Feldenkrais für mich sehr hilfreich, das gibt es nicht auf Krankenkasse, ich habe mir einen Kurs gesucht.
Ich sehe auch die Gefahr, dass Dinge zu "aufgeladen" werden, wenn sie vom Therapeuten kommen. Nach dem Motto: Wenn der Therapeut es vorschlägt, dann "muss" ich es machen, dann "muss" es helfen usw. Das ist aber bei diesen Verfahren sehr individuell und mit viel trial and error verbunden. Viele der Anregungen für solche Extra-Aktivitäten kamen für mich aus einem stationären Aufenthalt, wo ich solche Dinge ausprobieren konnte und gemerkt habe: das bringt mir was. Oder von anderen Betroffenen wie zB durch den Austausch hier im Forum.
Ich habe lange Zeit parallel zur Gesprächstherapie auch Kunsttherapie gemacht. Und habe davon sehr profitiert. Grundsätzlich bin ich schon dabei, dass sowas sinnvoll ist und sein kann. Das passierte aber auf meine Inititiative und in Absprache mit meiner "normalen" Therapeutin. Ich hatte eine Ärztin, die mir das verordnet hat - dh auch das bedeutet Aufwand und Koordination und Initiative (Kunsttherapie-Platz suchen). Das wird dir kein ambulanter Therapeut oder Therapeutin übernehmen.
Und letztlich kann eine ambulante Therapie keine Rundum-Versorgung bieten. Das ist Hilfe zur Selbsthilfe, die Veränderung liegt in deiner Hand. Ziel soll ja sein, dass du deine Probleme irgendwann selbst in den Griff bekommst. Und wenn du ("man") nicht weiterkommt, dann ist es genauso in der Verantwortung des Patienten und der Patientin, das zu thematisieren und dann gemeinsam mit der Therapeutin/Therapeut zu überlegen, was hilfreich sein könnte. Und doch, man kann erwarten, dass auch ein kraftloser, ausgebrannter Patient anfängt, eigene Schritte zu unternehmen. Die müssen nicht riesig groß sein, aber sollten aus ihm selbst heraus kommen. Ansonsten würde ich sagen, ist dieser Patient aktuell nciht wirklich therapiefähig.