Erfahrung mit Therapeuten öffentlich teilen?

Haben Sie bereits Erfahrungen mit Psychotherapie (von der es ja eine Vielzahl von Methoden gibt) gesammelt? Dieses Forum dient zum Austausch über die diversen Psychotherapieformen sowie Ihre Erfahrungen und Erlebnisse in der Therapie.
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PialaNorf
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Erfahrung mit Therapeuten öffentlich teilen?

Beitrag Mo., 31.03.2025, 16:13

Hallo zusammen,
ich überlege, meine Erfahrungen mit einem früheren Therapeuten öffentlich zu teilen, zum Beispiel Instagram. Es handelt sich um eine schwierige, belastende Erfahrung, die mich geprägt hat.
Ich frage mich, ob es hilfreich sein könnte, meine Geschichte zu teilen, sowohl für mich, um das Erlebte weiter zu verarbeiten, als auch für andere, die vielleicht Ähnliches erlebt haben oder gerade in einer ähnlichen Situation sind.
Gleichzeitig habe ich Bedenken, da ich momentan dabei bin, einen Kindergarten zu gründen und dadurch zunehmend in der Öffentlichkeit stehe. Zudem gibt es Menschen in meinem Umfeld, wie zum Beispiel ein Mädchen an der Schule meiner Tochter, die meine Posts sehen könnten, was mich etwas verunsichert.

Daher würde mich interessieren:
Was denkt ihr darüber, persönliche, potenziell belastende Erfahrungen öffentlich zu teilen?

Habt ihr selbst schon einmal so etwas gemacht, und wie war es für euch?

Gibt es Dinge, auf die man achten sollte, wenn man so eine Geschichte formuliert und veröffentlicht?

Wie würdet ihr damit umgehen, wenn Menschen aus eurem Umfeld die Beiträge lesen könnten?

Ich freue mich auf eure Gedanken und Erfahrungen.

Noch als zusätzliche Information. Ich habe mich nach ca 10 Jahren getraut mit einer weiteren betroffenen Frau ihn anzuzeigen, doch leider wurde die Anklage fallengelassen. Ich hoffe, dass es ihm zumindest nachdenklich gemacht hat und er nicht weiter macht.

Liebe Grüße, PialaNorf

Hier einmal der Text den ich teilen würde:
Trigger Warnung: In diesem Beitrag geht es um grenzüberschreitende Erfahrungen in einer therapeutischen Beziehung. Falls dich diese Themen belasten, überlege bitte, ob du weiterlesen möchtest, und sorge gut für dich.

Manchmal verschwinden Grenzen still und unbemerkt.
Was als therapeutische Beziehung begann, wurde zu etwas, das mich gleichzeitig anzog und verletzte.
Mit Themen wie Selbstfindung, der Suche nach Klarheit und auch Sexualität bin ich zu ihm gegangen und suchte nach Orientierung.
Am Anfang fühlte es sich an wie ein sicherer Ort, an dem ich gesehen und gehalten wurde. Seine Worte und Berührungen schufen eine Verbindung, die mich tief berührte und nicht losließ. Die Nähe, die er schuf, hatte etwas Berauschendes – eine Mischung aus Geborgenheit und Lust. Doch sie war begleitet von einem unangenehmen Gefühl, das immer wieder auftauchte, verschwand und mich in einem ständigen Wechselspiel aus Anziehung und Unbehagen gefangen hielt.

Ich spürte, wie die Linien zwischen Vertrauen und Beeinflussung verschwammen. In mir wuchs ein leiser Zweifel: War das wirklich richtig? Sollte sich Heilung so anfühlen? Obwohl diese Fragen in mir aufkamen, verblassten sie schnell wieder, überlagert von der Vertrautheit der Nähe, die mich immer wieder zu ihm hinzog. Bei einer Sitzung überrumpelte er mich, sodass ich wusste: Es reicht. Ich muss gehen.

Doch auch Jahre später fiel es mir schwer, die Erfahrung wirklich zu verstehen. Erst die Begegnung mit einer anderen Frau, die Ähnliches mit ihm erlebte, ließ mich genauer hinsehen und die Dynamik in ihrer ganzen Tragweite erfassen. In vielen Umarmungen steckt die Erinnerung an das, was war, und die Grenze zwischen Nähe und Sicherheit bleibt unscharf. Schon früher habe ich emotional gegessen, doch nach dieser Erfahrung kam noch ein weiterer Aspekt hinzu: die Verwirrung zwischen Nähe und Attraktivität. Es war, als ob sich eine neue Schicht des Selbstschutzes und der Verdrängung darüber legte.

Ich teile meine Geschichte, weil ich weiß, wie schwer es ist, solche Erfahrungen zu erkennen, geschweige denn auszusprechen. Niemand sollte erleben, dass seine Grenzen überschritten werden – besonders nicht in einer therapeutischen Beziehung.
Du hast ein Recht auf sichere Räume. Auf Respekt. Auf Heilung, die keine neuen Wunden hinterlässt.
Und wenn du dich in meiner Geschichte wiedererkennst: Du bist nicht allein. Es ist nie zu spät, Unterstützung zu suchen und Schritte in Richtung Heilung zu gehen.

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chrysokoll
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Beitrag Mo., 31.03.2025, 17:51

Also ich würde es nicht machen, aber ich bin nicht du.
Dir muss klar sein: Wenn du das machst, dann lässt sich das nicht mehr zurückholen. Das ist dann ewig mit dir verbunden und du kannst nicht steuern wer das dann liest, wer die Info kriegt. Das ist dann auch in zehn Jahren noch auffindbar.
Es kann sein dass es eher ungünstig ist wenn du jetzt einen Kindergarten gründen willst.

Andererseits hast du ja nichts getan, also wenn es für dich gut ist dann mach es. Aber mach es für dich, ob das anderen irgendwie hilft ist nicht Thema. Und ganz ehrlich, das ist ja leider eher abschreckend: Der wurde nicht verurteilt.

Ich habe ähnliches erlebt und teile das nicht, aber das ist meine persönliche Entscheidung.

Wenn du es teilst müsstest du auch sicher stellen dass du keine Persönlichkeitsrechte anderer (seiner!!) verletzt, so übel sich das anhört. Sonst kann das leider böse nach hinten losgehen.

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candle.
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Beitrag Mo., 31.03.2025, 17:51

Hallo,
ich würde es nicht tun. Du hast ja schon selbst abgewogen was dagegen spricht.

Viele Grüße
candle
Now I know how the bunny runs! Bild

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Sydney-b
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Beitrag Mo., 31.03.2025, 22:21

Ich vermute, mit dem Text können die meisten Leute nicht wirklich was anfangen.
Weil er sehr vage und abstrakt geschrieben ist.

Könntest du damit umgehen, wenn dir anschließend sehr viele Leute Fragen zu deinem Text stellen würden?
Nicht nur Fremde im Internet, sondern eventuell auch Bekannte, Freunde oder Familienmitglieder, die auf deinen Post aufmerksam wurden/bzw gemacht wurden durch andere Bekannte?

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PialaNorf
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Beitrag Mo., 31.03.2025, 22:24

Danke euch.

Ja, das ist eine gute Frage.

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Montana
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Beitrag Di., 01.04.2025, 20:02

Ich habe nicht alles gelesen, aber zur Frage der Veröffentlichung möchte ich etwas schreiben. Ich weiß nicht, um welchen Umfang es geht, aber wenn jetzt ein Buch dabei herauskommen würde, dann könntest du das im Selbstverlag veröffentlichen. Es gibt verschiedene Anbieter dafür. Das kannst du unter einem Pseudonym tun, also ohne deinen Namen bekannt zu machen. Beim Verfassen deines Buches könntest du alles, was dich erkennbar machen würde, leicht verändern, so dass auch Bekannte, Verwandte, wer auch immer dich nicht zufällig erkennen.

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lisbeth
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Beitrag Di., 01.04.2025, 20:53

Worum geht es dir mit der Veröffentlichung?

Verarbeiten über Instagram wäre jetzt nicht unbedingt mein persönlicher Weg, aber da ist jede*r anders.

Wenn du dort unter deinem Klarnamen unterwegs bist und das Profil mit deinen Kindergartenaktivitäten verknüpft ist, dann würde ich es auf keinen Fall machen.

Social Media ist ein Haifischbecken, es wird garantiert Menschen geben, die dich angreifen, die Täter-Opfer-Umkehr betreiben, die dich frauenverachtend beschimpfen, die deine berufliche Kompetenz in Frage stellen, zb weil du eine Therapie gemacht hast.
Wenn es einmal in der Welt ist, kannst du es nicht zurückholen und in Zukunft werden immer mehr Institutionen, Versicherungen, Arbeitgeber mit Datenprofilen arbeiten und diese Daten in ihre Entscheidungen mit einbeziehen.

Gleichgesinnte und Menschen mit denen du das Erlebte gemeinsam verarbeiten kannst triffst du auch woanders, zb in Selbsthilfegruppen oder in Foren wie diesem, wo du weitgehend anonym bleiben kannst.
Hat halt nicht den magischen Glitzer des Meta-versums und nicht die Verheißung, dass man mit seinen Veröffentlichungen die ganz große Bühne betritt. Lieber klein anfangen, den Radius ausdehnen kannst du später immer noch.
When hope is not pinned wriggling onto a shiny image or expectation, it sometimes floats forth and opens.
― Anne Lamott

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Shukria
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Beitrag Mi., 02.04.2025, 10:46

Ich würde mir auch die Intension gut überlegen.

Du veröffentlichst es und dann?

Was denkst du ändert sich dadurch für Dichtung deinem Erleben , Gefühlen, Gedanken … das es dir damit besser geht.

Der Anspruch andere zu warnen oder zu schützen ist meiner Meinung nach Teil eunes unvollständigen Verarbeitungsprozesses. Erst wenn dieser für dich wirklich abgeschlossen ist, kannst du an andere denken und vielleicht… vielleicht willst du das dann gar nicht mehr?

Ich würde auch in mich reinspüren warum du Öffentlichkeit suchst … weil zb der Gerichtsprozess nicht zu einem befriedigenden Ergebnis geführt hat und Instagram und co diesen jetzt ersetzen soll?

Kannst du das auch anders abdecken dieses Bedürfnis ohne dir damit selber zu schaden?

Ich würde nie über Instagram oder TikTok gehen. Was einmal im Netz ist bleibt im Netz und…
Arbeitgeber als auch Eltern schauen inzwischen sehr genau auch im Netz , mit welchen Personen sie zu tun haben. Auch Angestellte und Kolleginnen googeln aus meiner Erfahrung heraus wer da neues ins Unternehmen kommt.

Wenn das für dich passt und dir klar ist das du damit nicht nur Zustimmung, sondern auch Anfeundungen gleichermaßen auslösen wirst… okay. Wenn dir das zu heikel ist würde ich nach anderen bzw. anonymeren Möglichkeiten suchen.

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Salome_1972
Helferlein
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Beitrag Mi., 02.04.2025, 11:39

Hallo!

Auch ich habe mir beim lesen deines Posts gleich gedacht: Sowas hab ich bisher immer bereut. Sobald es draußen ist, ist es unkontrollierbar.
Ich möchte das hier von Lisbeth nochmal hervorheben:
lisbeth hat geschrieben: Di., 01.04.2025, 20:53Social Media ist ein Haifischbecken, es wird garantiert Menschen geben, die dich angreifen, die Täter-Opfer-Umkehr betreiben, die dich frauenverachtend beschimpfen, die deine berufliche Kompetenz in Frage stellen, zb weil du eine Therapie gemacht hast.
Überlege dir gut, ob und wie du damit klarkämst. Meiner Erfahrung nach kann einen z. B. Täter-Opfer-Umkehr innerlich kaputtmachen oder zumindest sehr umtreiben, auch wenn sie nur von wildfremden Menschen im Internet kommt und es einem eigentlich egal sein könnte.

Ich habe es bisher immer bereut, sehr sensible Themen öffentlich zu posten, zumindest, solange ich identifizierbar bin.
Lieber im privaten Umfeld offen damit umgehen, dann hast du mehr Kontrolle darüber, wem du das erzählst und wem nicht.
Es ist ein Thema, bei dem ich mir vorstellen könnte, dass manche Victim Blaming betreiben oder eine Meinung haben, auch wenn sie keine Ahnung haben, was eigentlich passiert ist - ist auf Social Media ja gang und gäbe. Leider werde patriarchale Muster immer noch mit voller Macht rausgehauen bei sowas, also Frau als Verführerin usw.

Aber trotz alledem gibt es ja auch Menschen, die es heilsam finden, so öffentlich mit einem solchen Thema umzugehen.

Hoffe, du triffst für dich die richtige Entscheidung!

LG
Salome


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PialaNorf
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Beitrag Mi., 02.04.2025, 11:43

Ich bin euch sehr dankbar für die vielen klaren Worte.

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Charlie Foxtrott
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Beitrag Do., 03.04.2025, 16:36

Hallo Piala,

auch belegbare Tatsachenbehauptungen können meines Wissens als üble Nachrede sanktioniert werden (bin keine Juristin). Bringt jede Menge Stress, könnte teuer werden und bringt keine satisfaction. Nur über Dinge, die in der Zeitung stehen, darf jede/r öffentlich reden.
Eine Idee, die ich von Yoko Ono habe: Personen darf man nicht benennen, aber Orte! In ihrer Ausstellung standen mehrere Bände, in die jede/r Besucher/in den Tatort mit Tat und Datum reinschreiben konnte.
Ich habe dann am Ort mal ein Täterzitat + "Schämt euch!" hinterlassen. Tat gut.

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Beitrag Do., 03.04.2025, 21:56

PialaNorf hat geschrieben: Mo., 31.03.2025, 16:13 Daher würde mich interessieren:
Was denkt ihr darüber, persönliche, potenziell belastende Erfahrungen öffentlich zu teilen?
PialaNorf hat geschrieben: Mo., 31.03.2025, 16:13 öffentlich zu teilen, zum Beispiel Instagram.
Ich würde niemals irgendetwas auf Instagram etc. pp. veröffentlichen. Ich kenne ein paar Leute mit so ner mittleren Reichweite. Einem solllte bewusst sein, dass du dort je nach Reichweite irgendwann Nachrichten von Menschen erhälst, die dich absichtlich emotional runter machen und verletzen wollen, ihren Frust bei dir abladen, dich beleidigen, fertig machen wollen etc. pp. Man kann sich gar nicht vorstellen, was es für Mensche gibt. Das ist schon krass
Klar, gibts da viele positive Sachen und nur einzelne negative Dinge. Aber ich hätte absolut keine Lus drauf so Nachrichten, Kommentare zu bekommen. Allein schon deshalb würde ich auf solchen Plattformen nicht veröffentlichen.
Also ich habe nicht gegen Kritik. Aber z. B. Insta ist echt anders wild teileweise.
"You cannot find peace by avoiding life."
Virginia Woolf

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