Probleme eines Muttersöhnchen

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Jo_Hannes
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Probleme eines Muttersöhnchen

Beitrag Di., 25.03.2025, 01:30

Moin zusammen,

ich hoffe, dieses Unterforum ist richtig für mein Problem.

Ich wohne mit meiner Partnerin (mit der ich ehrlich gesagt seit 4 Jahren nicht mehr zusammen bin) und meinen zwei Kindern (5,5 und 2,5 Jahre) zusammen.
Mit meiner Partnerin bin ich seit 10 Jahren zusammen bzw. lebe mit ihr.
Sie ist das krasse Gegenteil von mir: Stark, selbstbewusst, selbstreflektierend, mutig, abenteurlustig, Grenzen aufweisend, zielgerichtet.
Ich arbeite normal und lebe ein doch relativ einfaches unspektakuläres Leben.

Nur habe ich das Problem, dass ich ein Muttersöhnchen bin.

Das macht sich wie folgt bemerkbar:

- Ich verhalte mich wie ein (geschätzt) 14 jähriger Junge.
- Ich kann keine Grenzen setzen (speziell in der partnerschaftlichen Beziehung)
- Ich weiß nicht wann Schluss ist (beim Naschen, beim Alkohol trinken, beim Konsumieren von Filmen, Serien)
- Ich kann keine Entscheidungen treffen, die wirklich relevant sind (möchte ich Kinder? Möchte ich doch ein Haus kaufen oder nur zur Miete wohnen? ... Lebensentscheidende Entscheidungen halt)
- Wenn meine Mutter (oder auch Vater) etwas sagt, ist es schon fast Gesetz bei mir.
- Mir wird vieles einfach so geschenkt von meinen Eltern (Unterstützung speziell in finanzieller Art)
-- Wenn ich z.B. in finanziellen Nöten bin, bekomme ich relativ einfach Geld von meinen Eltern.
--- So konnte ich nie wirklich selbstständig werden - bzw. ich WOLLTE es auch nie... Mama war ja da
- Meine Sexualität ist mehr als schlecht - meine Partnerin litt stark daran, obwohl sie mir anfangs wirklich helfen wollte.
-- wenn mir mal Hilfe angeboten wurde, habe ich sie nicht wirklich angenommen (meine Freundin hat mich anfangs wirklich unterstützt).
- Ich habe Probleme mit Pornos schauen (dazu habe ich auch hier ein kleines Thema schon gestartet)
- Ich bin faul und träge.
- Ich habe keine Ziele.
- usw. usw. usw.

Das sind nur ein paar Probleme, auf die ich sehr gerne mehr eingehe, wenn entsprechende Rückfragen kommen.
Ich möchte ehrlich sein... auch oder gerade weil das hier anonym ist.

Das klingt jetzt total schrecklich und hoffnungslos - was es zum Teil vielleicht auch ist.
Das hat aber eher damit zu tun, dass mir das alles bewusst ist (durch meine jetzige Freundin).
Ich weiß, wo die Probleme sind und ich weiß eigentlich auch was zu tun ist.

Doch ich tue nichts dagegen. Entweder, weil ich einfach zu faul bin oder zu primitiv im Denken, sodass ich keine Lösungen erörtern kann oder einfach weil ich nicht will.
Ich denke das Letzte trifft es am Besten.

Und mittlerweile glaube ich, dass das am meisten damit zusammen hängt, dass ich einfach ein Muttersöhnchen bin.
Mir wurde ALLES geschenkt.
Es wurde ALLES übernommen.
Ich hatte nie wirklich Probleme.
Habe mich nie geprügelt, musste mich nie beweisen.
Wenn ich als Jugendlicher mit Problemen ankam, wurden diese von meiner Mutter (oder auch Vater) erkedigt,
Ich war überbehütet.

Das rächt sich nun... wie gesagt, seit knapp 9-10 Jahren weiß ich davon.
Ich hatte 2 Therapeuten am Wickel... doch wirklich was daraus gemacht habe ich nicht.
Heute habe ich den 3. Therapeuten angeschrieben...

Aber ich suche parallel hier noch Hilfe. Vielleicht von "Gleichgesinnten", die auch in diesem Loch gefangen sind und/oder schon raus sind.

So, mal wieder viel Text... ich hoffe es kann jemand was damit anfangen und vielleicht seinen "Senf" dazu geben.
Ich würde mich sehr freuen.

Liebe Grüße

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candle.
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Beitrag Di., 25.03.2025, 08:55

Hallo,

du hast, meine ich, mindestens dreimal geschrieben, dass du nicht willst. Wie kann denn da eine Hilfe wohl aussehen? Sonst stehe doch einfach dazu, dass du so bist du bist, denn für dich scheint ja nichts wirklich ein Problem zu sein.

Bedenke aber deine Kinder. Sollen die wie du später über dich klagen?

Viele Grüße
candle
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münchnerkindl
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Beitrag Di., 25.03.2025, 10:47

Ich habe dafür zwar keine schnelle Lösung, aber willkommen, und ich finde es schon mal mutig und reflektiert dass du deine Probleme so klar sehen kannst.


Sehn-Sucht
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Beitrag Di., 25.03.2025, 19:33

Was machst du denn beruflich, Jo?

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Nili
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Beitrag Di., 25.03.2025, 20:26

Also ob "Muttersöhnchen" sein und Überbehütet sein wirklich der Grund für deine Probleme ist, keine Ahnung.
Ich halte davon eher nicht so viel. Also von solchen Definitionen. Aber wenn es sich für dich sinnig anfühlt und du diese Erkenntnis hast, es könnte daran liegen, hey dann ist das ja schonmal ein erster guter Schritt.
Wie im anderen Faden schon geschrieben, Therapie liegt hier nahe. Auch eine reguläre Psychotherapie und nicht nur Sexualtherapie, wenn man das jetzt hier noch weiter so liest.
Ich drück dir die Daumen, dass du jemand findest, und cool, dass du hier schreibst, dich traust und mitteilst!

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Jo_Hannes
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Beitrag Do., 27.03.2025, 00:15

Hallo zusammen,

danke schon mal für den Input.

Tatsächlich habe ich gestern ein Termin für eine Therapie nächste Woche erhalten.
Bin da tatsächlich sehr gespannt.
Sehn-Sucht hat geschrieben: Di., 25.03.2025, 19:33 Was machst du denn beruflich, Jo?
Ich arbeite im Büro als Nachhaltigkeitsbeauftragter.
candle. hat geschrieben: Di., 25.03.2025, 08:55 du hast, meine ich, mindestens dreimal geschrieben, dass du nicht willst. Wie kann denn da eine Hilfe wohl aussehen?
Ja, da hast Du komplett Recht. Das Ding ist wirklich, dass ein Teil von mir (der bewusste Teil) eine Veränderung möchte, einfach auch weil ich am täglichen Beispiel meiner Partnerin sehe, wie es auch anders gehen kann.
Der andere, doch leider größere und unbewusste Teil, sträubt sich. "Ist zu anstrengend. Du schaffst es doch eh nicht. Sei einfach so wie Du bist."
Nur hat der letzte Teil natürlich gravierende Auswirkungen für mich. Familie ist dann weg und ich bin alleine.
Mir ist bewusst, dass dies total egoistisch ist. Aber so denke ich halt.

Dennoch arbeite ich daran, dass mein erster bewusste Teil einfach größer und stärker sein soll.
Im Endeffekt bin ich nicht glücklich so. Ich habe wenig bis gar nichts erreicht im Leben.

Wie sage ich immer (Spruch habe ich geklaut): "Mit 80 schaust Du auf Dein Leben zurück und siehst, was Du erreicht hast oder auch nicht."

Ich denke der beste Weg ist erst einmal auch bewusster und mit mehr Achtsamkeit durchs Leben zu gehen.
Sodass ich fühle und merke, wenn sich alte Muster und negative Gedanken auftun á la "Du schaffst es eh nicht", sobald eine Herausforderung vor mir steht. Dann muss ich mutig sein.
Es war auch ein mutiger Schritt eine Therapeutin aufzusuchen.
Ich war schon bei 2 Therapeuten - habe nur nichts daraus gemacht... es waren auch nicht viele Sitzungen.

Tatsächlich wäre eine Selbshilfegruppe am Besten für mich, wo ich mit Gleichgesinnten von Angesicht zu Angesicht diskutieren kann. Ich glaube immer wieder, dass ich mit meinen Problemen komplett alleine bin... was totaler Schwachsinn ist.

Ihr seht also: Die Gedanken sind da... die Durchsetzung fehlt nur...

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Sinarellas
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Beitrag Do., 27.03.2025, 09:02

Für mich liest sich das alles so, als würde da jemand aus lauter Bras auf wen anderes das über denjenigen schreiben, aber aus der ich-Perspektive. Total kurios.

Das was dir helfen könnte wäre bspw in einer VT wie du mit Achtung, Respekt und Wertschätzung über dein Leben / Dich sprichst um schritt für schritt dein negatives Selbstbild zu (ver)bearbeiten. Es wirkt so, als würde sich da jemand fürchterlich mit anderen vergleichen und dabei richtig mies wegkommen (wie in den allermeisten Fällen von Vegrleichen).
Statt Achtsamkeit und blub, würde ich wohl eher an der Selbstwirksamkeit arbeiten und mit radikaler Akzeptanz ehrlich zu mir sein, was "ich" schon alles geleistet und geschaftf habe.
..:..

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candle.
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Beitrag Do., 27.03.2025, 22:12

Hallo!
Jo_Hannes hat geschrieben: Do., 27.03.2025, 00:15 Der andere, doch leider größere und unbewusste Teil, sträubt sich. "Ist zu anstrengend. Du schaffst es doch eh nicht. Sei einfach so wie Du bist."
Nur hat der letzte Teil natürlich gravierende Auswirkungen für mich. Familie ist dann weg und ich bin alleine.
Mir ist bewusst, dass dies total egoistisch ist. Aber so denke ich halt.
Ich habe noch nicht ganz verstanden was es bei dir ist? Aber Teile davon sind sicher Dinge, die du als Kind mitbekommen hast wie die Zweifel es nicht zu schaffen.
Wenn die Familie gehen will, ist dann nicht auch ein massiver Druck da? Das kann einen auch dazu bewegen sich noch mehr einzuigeln auf der Schiene, dass alles keinen Sinn zu machen scheint.
Wo siehst du denn einen Punkt, den du am ehesten anpacken wollen würdest? Ich würde nicht gleich mit einem Komplettpaket anfangen, sondern damit wo du wirklich sagst, dass du etwas ändern willst- für dich. (!)
Im Endeffekt bin ich nicht glücklich so. Ich habe wenig bis gar nichts erreicht im Leben.
Was hättest du erreichen wollen? Rockefeller wirst du nicht mehr, das kann ich dir versichern!
Wie sage ich immer (Spruch habe ich geklaut): "Mit 80 schaust Du auf Dein Leben zurück und siehst, was Du erreicht hast oder auch nicht."
Ja, so mache ich es auch ab und an, aber da geht es gar nicht um das Erreichen von Dingen, sondern darum das Leben genossen zu haben.
Ich denke der beste Weg ist erst einmal auch bewusster und mit mehr Achtsamkeit durchs Leben zu gehen.
Kann sein, kann auch nicht sein. Ich denke je mehr du verkopfst, desto schlimmer. Vielleicht stellst du dir vor du seist ein Hund oder so als Beispiel, der einfach vor sich hin lebt. Ich hoffe das Beispiel ist jetzt verständlich, denn klar hast du ja deine Verpflichtungen, aber du hast sicher deine Zeitoasen, die du nutzen kannst. Also auf den Punkt gebracht: Mehr machen als denken.
Es war auch ein mutiger Schritt eine Therapeutin aufzusuchen.
Interessant, dass du das so schreibst! Das klang für mich vorher eher fast abfällig. Was ist der Mut?
Tatsächlich wäre eine Selbshilfegruppe am Besten für mich, wo ich mit Gleichgesinnten von Angesicht zu Angesicht diskutieren kann.
Ähm, nee also dikutieren ist eher nicht Sinn der Selbsthilfegruppe, das ist ja kein Debattierclub. Was sicher stimmt, dass du Menschen mit ähnlichen Problemen finden kannst und wenn die Gruppe gut angeleitet wird, dann ist das eine super Ergänzung zur Therapie. Und du bist nicht allein!

candle
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Jo_Hannes
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Beitrag Do., 03.04.2025, 00:13

So, nun schreibe ich mal wieder was nach unserem Kurzurlaub. :-)

Ich möchte gar nicht auf all eure Punkte einzeln eingehen, die mich aber teilweise nachdenklich machen.

Das was Sinarellas geschrieben hat, ist tatsächlich ein guter Ansatz. Ich sehe mich selbst viel zu negativ.
Dass ich (in meinen Augen) bisher wenig im Leben erreicht habe, ist ja kein Grund, es für die nächsten 40 Jahre besser zu machen.
Ein Punkt ist dabei aber das fehlende Selbstwertgefühl, denn (und da komme ich auf meine Überschrift zurück) mir wurde in meiner (prägenden) Kindheit fast alles übernommen. Ich musste nicht durch Probleme durch, weil meine Mutter diese dann beseitigt hat.
Wenn ich mal Mist gebaut habe, war es nicht so schlimm. Die typischen Helikopter-, Rasenmäher- oder wie sie sonst noch heißen Mütter halt.
ABER! Ich sehe nicht in ihr die Schuld. Ich sehe sie in mir. Ich hätte was dagegen tun müssen. Spätestens vor 10 Jahren als meine jetzige Partnerin mich darauf aufmerksam gemacht und mir auch Hilfe angeboten hat.

Ich muss mich auf das besinnen, was schön ist und dann Kraft daraus ziehen, um an Stärke zu gelangen.
Mein letzter Therapeut hat mir die Aufgabe gestellt ihm jeden Tag 5 schöne Dinge vom Vortag aufzuschreiben. Das habe ich fast 60 Tage täglich gemacht.

Da möchte ich wieder ansetzen... (ich habe mal von diesem "6 Minuten Tagebuch" gelesen - denke das hole ich mir mal als Unterstützung).

Denn was ich nicht kann ist mir treu zu bleiben und für MICH zu kämpfen. Zu sehr knicke ich bei Streitigkeiten und Diskussionen ein mit meiner Partnerin... das wiederum macht sie unbewusst zu einem "Arschloch", die mich dann ausnutzt, obwohl sie es nicht will. Doch sie kann ja alles mit mir machen.

Gut, ich schweife ab... Ich hoffe, dass das der erste Schritt sein kann: Selbstwertgefühl und Selbstbewusstsein tanken

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Sinarellas
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Beitrag Do., 03.04.2025, 06:39

"das wiederum macht sie unbewusst zu einem "Arschloch", die mich dann ausnutzt, obwohl sie es nicht will. "

was ne, Arsch sein macht einen zum Arsch sein, sich zu entscheiden jemanden Auszunutzen macht einen zum "Ausnutzer".
Lass mal schön die Verantwortung da wo sie hinadressiert gehört!
..:..

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