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sm
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Post Sun, 12.Feb.06, 15:14      Re: Während Therapiestunde ausgerastet Reply with quoteBack to top

Teil 2

Philipp wrote:
Verstehe deine Aussage nicht, Sternemeer. Glaubst du wirklich, dass es dabei nur um die Kritik an der Arbeitsweise des Therapeuten geht?
An der Stelle mit dem Telefon manifestieren sich einige Probleme von Micky. Ein Problem hat im Grunde immer mehrere, unterschiedlich tief angesiedelte Ebenen, die alle zusammenwirken.

Sorry, da habe ich mich undeutlich ausgedrückt. Ich meinte das genau so, wie von dir beschrieben. Das mit der Kritik an der Arbeitsweise des Therapeuten bezog ich auf die Aussagen von Jelka, welche meinte: "Ich beginne die Stunde oft damit, dass ich erzähle, was die letzte Stunde für Auswirkungen auf mich hatte, was für Gedanken oder so ich daraus mitgenommen habe."

Emotional aufwühlende Gedanken seit der vorangegangen Stunde gehören natürlich sinnvollerweise an den Stundenanfang. Aber bei Kritikpunkten sehe ich das eben - vielleicht als Ausnahmeerscheinung Rolling Eyes - anders. Oder wie handhabt ihr das (ganz allgemein), wenn ihr störende Punkte ansprecht? Agiert ihr (möglichst angemessen) aus der Situation heraus oder greift ihr das Thema erst an späterer Stelle auf, nachdem ihr die Störung zunächst hingenommen habt?

Aber natürlich sehe ich es genauso, das, die dahinter liegenden Schwierigkeiten von Micky ausreichend thematisiert werden sollten, welche an Beispielen wie Telefonaten deutlich werden.

Liebe Grüsse
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philipp
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Post Sun, 12.Feb.06, 15:36      Re: Während Therapiestunde ausgerastet Reply with quoteBack to top

sternenmeer wrote:
... so würde ich mit ihm diesbezüglich nicht anders umgehen, als in "normalen" zwischenmenschlichen Beziehung. Und wenn mich etwas stört, dann bringe ich das (wenn möglich) in der passenden Situation an, weil es dorthin gehört.

Angenommen mein Therapeut macht ständig Notizen (s.o.), und das in jeder Therapiestunde, was ich als störend empfinden Ich habe das monatelang hingenommen und kaum dazu etwas gesagt, z.B. weil ich mich bisher nicht so recht traute. Soll ich dann in eine Sitzung gehen und anfangen: Also mich beschäftigt schon sehr lange, dass es mich stört, wenn sie ständig Notizen machen und mir währenddessen nicht zuhören? Ein berechtigter Einwand wäre sicherlich, warum ich das nicht eher angesprochen habe.

Sternenmeer, ich denke, ich habe ein sehr anderes Verständnis davon, was Therapie bedeutet als du. Das Ziel von Therapie ist Veränderung. Das therapeutische Setting erlaubt es mir, neue Verhaltensweisen auszuprobieren, bevor ich sie in der "normalen" Welt anwende. Es erlaubt mir auch, mich all meinen Gefühlen hinzugeben, ohne dass ich diese kontrolliere oder die passende Situation abwarten muß. Therapie ist die passende Situation.

Du scheinst in dem Beispielen mit dem Telefon oder den Notizen nur eine mögliche Reaktion deines Gegenübers zu erwarten (vielleicht wäre dies auch deine eigene Reaktion im umgekehrten Fall). Nämlich den Vorwurf, warum der andere dies nicht früher gesagt hat. Ich empfinde diesen Vorwurf nicht wie du als berechtigten Einwand - nicht in einer Therapie! Ein vernünftiger Therapeut würde den auch nicht machen. Wozu auch? Angenommen ich bin sehr angepaßt und ängstlich. Ich würde es dann als großen Erfolg sehen, mich endlich zu trauen, das auszusprechen, was mich stört. Vielleicht hat der Patient 87 Therapiestunden benötigt, um den Mut zu haben, dies zu tun. Oder 99 Stunden, in denen er erlebt hat, dass die Beziehung zum Therapeuten so tragfähig ist, dass dieser auch einen Vorwurf aushält. Vielleicht hat der Patient 120 Stunden gebraucht, um zu wachsen, weil er früher es sich nicht erlaubt hätte so etwas zu sagen.
Der Therapeut könnte beispielsweise auch so reagieren: Was ermöglicht es Ihnen, diesen Vorwurf an mich heute auszusprechen? Was hat sich verändert? Schön, dass Sie den Mut gefunden haben, mir das mitzuteilen, wie fühlen Sie sich jetzt? Wie nehmen Sie mich nun wahr, nachdem Sie mir das mitgeteilt haben? Was haben Sie nun für Phantasien wie ich (der Therapeut) darauf reagiere....

Es geht bei so einem Vorwurf doch um viel mehr als den reinen Inhalt, an dem du dich verbeißt. An so einem Beispiel lernt man, übt man, versteht man mehr über sich selbst, wenn man bereit ist, sich darauf einzulassen.

sternenmeer wrote:
Ich denke, eine solche Aggressivität in Form von Vorwürfen ist hier vermeidbar, wenn man seine subjektiven Emotionen einbringt. Meint: Wenn ich argumentiere, dass mich die Telefonate aus dem Konzept bringen, meine Gedanken zerhackstückeln, ich das Gefühl habe, man widmet mir nich mehr volle Aufmerksamkeit, oder Ähnliches, und ich daher darum bitte, Telefonate zu unterbinden... so kommt man in meinen Augen "beziehungsfreundlicher" auf einen Nenner.

Was sind denn subjektive Emotionen? Gibt es auch objektive?
Warum sollte ich nicht meine Aggressionen mitteilen, sondern sie, wie du vorschlägst, vermeiden? Ich mache in der Therapie keinen Kuschelkurs, sondern setze mich mit mir und meinen Emotionen auseinander. Da gehört die gesamte Gefühlspalette dazu.

Ich fange auch Stunden damit an, dass ich sage, was die letzte Stunde bei mir bewirkt hat. Wenn ich dabei etwas zu kritisieren habe oder ich wütend bin/war oder etwas schei**e finde, sage ich das auch. In der Stunde teile ich auch immer wieder mit, was die Situation gerade mit mir macht, welche Gefühle ich habe und welche ich meinem Analytiker gegenüber empfinde. Da selektiere ich die negativen nicht aus.

Philipp
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Post Sun, 12.Feb.06, 16:36      Re: Während Therapiestunde ausgerastet Reply with quoteBack to top

Hallo Philipp,

Philipp wrote:
Was sind denn subjektive Emotionen? Gibt es auch objektive?

Nein, gibt es nicht. Das war ein Pleonasmus Wink .

Philipp wrote:
Warum sollte ich nicht meine Aggressionen mitteilen, sondern sie, wie du vorschlägst, vermeiden? ... In der Stunde teile ich auch immer wieder mit, was die Situation gerade mit mir macht, welche Gefühle ich habe und welche ich meinem Analytiker gegenüber empfinde. Da selektiere ich die negativen nicht aus.

Vorweg: Ich glaube gar nicht mal, dass wir so eine grundsätzlich anderes Therapieverständnis haben. Dass du negative Gefühle in der Therapie nicht ausselektierst, ist ja richtig. Und ich wollte das sicherlich auch nicht Micky vorschlagen, daher sprach ich eigentlich nicht von Emotionsvermeidung, im Gegenteil. Aber es macht einen Unterschied WIE man etwas verklickert. Und so macht es für mich einen Unterschied, ob ich beispielsweise jemanden sage: "Mir passt dein Verhalten nicht - unterlasse es"... oder ob ich versuche zu verdeutlichen, was das Verhalten des Gegenüber in mir auslöst: Z.B. dass mich Störungen aus dem Konzept bringen, oder auch, dass ich in mir gewisser Ärger darüber verspüre. Letzteres bietet in meinen Augen eher die Möglichkeit zu einer konstruktiven Klärung, weil ich versuche, den anderen möglichst nicht direkt ("du") anzugreifen, sondern von mir ausgehe.

Und Ziel einer Therapie ist doch, von negativen Gefühlen wegzukommen, z.B. dass man eine legitime Bitte nicht mit der Gefahr einer möglichen Zurückweisung verbindet; eine Bitte/berechtigte Forderung nicht als egoistisches oder intolerantes Verhalten wertet. Und auch, dass man Bitten/Forderungen lernt überhaupt zu äußern - aber im Optimalfall frei von (ungesunden) Aggressionsanteilen/Überreaktionen/negativen Emotionsanteilen, etc.

Das meint: Ich muss doch nicht in der Sitzung mit - mit negativen Gefühlen behaftet - überreagieren, wenn ich bereits vorab weiß, dass dieses Verhalten im "real life" auf (berechtigte) Widerstände stoßen wird. Also teste ich mein Zielverhalten aus.
Um dort hinzukommen, muss man in einer Therapie sicherlich die in einem aufsteigenden Emotionen bearbeiten. Aber dazu ist es in meinen Augen nicht notwendig, dem Therapeuten sozusagen die negative Emotionenspalette hautnah vor den "Latz zu knallen" - soweit man sich dabei nicht unnötig unter Druck setzen/verstellen muss. Das meint: Ich kann in einer Therapie auch Gefühle thematisieren, welche ich nicht unbedingt hautnah am Therapeuten "austesten" muss - insbesondere, wenn sie ohnehin nicht meinem Zielverhalten entsprechen.

Liebe Grüsse
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Post Sun, 12.Feb.06, 17:15      Re: Während Therapiestunde ausgerastet Reply with quoteBack to top

sternenmeer wrote:

Hallo Jelka Very Happy ,

is' klar, dass ich das nich kommentarlos stehen lassen kann Wink Wink .


Na, dann. Image


Bei einem freundschaftlichen Verhältnis mag man da geteilter Meinung sein, was den richtigen Zeitpunkt betrifft, aus meiner Sicht aber nicht in einer Therapie. zwinkernd..

Da gehört alles zur Stunde und es ist wichtig, es anzusprechen. Auch das Klingeln eines Telefons ist dann Bestandteil der Stunde und kann (wie man ja auch hier sieht) dafür sorgen, dass man daraus Gefühle mit aus der Therapie nimmt. Es handelt sich hier nicht um eine Freundschaft, in der es darum geht, mit dem anderen gemeinsam etwas zu klären, sondern es handelt sich um eine Therapie, in der man bespricht, was welche Auswirkungen auf einen hat, wie man sich fühlt, was man aus der letzten Stunde mitgenommen hat und so weiter. Und auch das Telefon fällt eindeutig in diesen Rahmen - denn das ist der einzige Rahmen der Therapie.

Micky und ihr Therapeut sind für meinen Geschmack schon viel zu freundschaftlich und um so wichtiger finde ich es, dass therapiebezogen gehandelt wird und nicht freundschaftlich.

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thorn
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Post Sun, 12.Feb.06, 17:19      Re: Während Therapiestunde ausgerastet Reply with quoteBack to top

sternenmeer wrote:
Das meint: Ich kann in einer Therapie auch Gefühle thematisieren, welche ich nicht unbedingt hautnah am Therapeuten "austesten" muss - insbesondere, wenn sie ohnehin nicht meinem Zielverhalten entsprechen.


Entschuldige, wenn ich hier mal so reinplatze, aber das da klingt für mich wie den dritten Schritt vorm ersten zu machen. Du sagst, darum, Gefühle zu vermeiden, ginge es dir nicht, aber ich bin mir irgendwie sicher, dass bei deiner "Methode" genau das herauskommt.

Zumal

Micky wrote:
Ich bin ein äusserst aggressionsgehemmter Mensch und mir fehlt in den allermeisten Situationen jegliche Energie, um aus mir heraus (gesunde) Aggressionen aufzubauen.


Wäre es da nicht sogar unbedingt nötig, dass Micky mal aggressiv wird? Und wo kann sie das besser lernen, als zusammen mit einem Therapeuten, der das nicht persönlich nimmt (nehmen sollte)?

Mit Gefühlen umgehen zu lernen, indem man sie zu umgehen lernt, ohne sie auch mal auszuleben und dann direkt in der Situation zu gucken, welche Möglichkeiten man hat oder was überhaupt falsch läuft (wenn! etwas falsch läuft - ich fände ja Aggressionen gegen Mickys Therapeuten äußerst gesund und angebracht Rolling Eyes), klingt für mich nicht so praktisch.


Ansonsten kann ich Philipp komplett zustimmen.
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Jelka
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Post Sun, 12.Feb.06, 17:27      Re: Während Therapiestunde ausgerastet Reply with quoteBack to top

sternenmeer wrote:

Emotional aufwühlende Gedanken seit der vorangegangen Stunde gehören natürlich sinnvollerweise an den Stundenanfang.


Aber auch das ist ein emotional aufwühlender Gedanke. zwinkernd..
Überleg nur mal, wie lange Micky sich damit schon herumschlägt.

Quote:

Aber bei Kritikpunkten sehe ich das eben - vielleicht als Ausnahmeerscheinung Rolling Eyes - anders. Oder wie handhabt ihr das (ganz allgemein), wenn ihr störende Punkte ansprecht? Agiert ihr (möglichst angemessen) aus der Situation heraus oder greift ihr das Thema erst an späterer Stelle auf, nachdem ihr die Störung zunächst hingenommen habt?


Ich greife es dann auf, wenn ich in der Lage bin, es zu formulieren. Und das bin ich oft am Anfang einer Stunde, wenn ich darüber nachgedacht habe. Dann noch zu warten, bis es wieder passiert, finde ich völig überflüssig und taktierend. Das passt nicht in eine Therapie, in der es darum geht, Gefühle und Gedanken auszusprechen. Wenn man sowas bewusst zurückhält, schadet man damit nur der eigenen Therapie.

Direkt kann ich es oft nicht ansprechen, weil ich es dann noch nicht so wahrnehme. Es gab zum Beispiel mal eine Stunde, in der ich maximal 5-10 Sätze gesagt habe, den Rest der Zeit hat mein Therapeut geredet.
Direkt zu Beginn der nächsten Stunde konnte ich ihm dann sagen, dass ich mich davon erschlagen gefühlt habe und es mich auch nicht weitergebracht hat. Auch das ist Kritik an seiner Stunde, aber warum sollte ich mir die aufsparen, bis es mal wieder so weit ist? Wichtig ist doch, sich selber wahrzunehmen und das auch zu äußern.

In einer Therapie gehört alles zur Therapie, auch die Wirkung der Arbeitsweise des Therapeuten auf einen selbst, oft sogar besonders die.

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Post Sun, 12.Feb.06, 19:05      Re: Während Therapiestunde ausgerastet Reply with quoteBack to top

Hallo ihr alle,

Jelka wrote:
Auch das ist Kritik an seiner Stunde, aber warum sollte ich mir die aufsparen, bis es mal wieder so weit ist?


Zum Beispiel deswegen:
Micky wrote:
Ich denke, ich werde mal während der oder den nächsten Stunde(n) besonders sorgfältig in mich hineinzufühlen und zu spüren versuchen, welche Gefühle in mir aufkommen, wenn das Telefon wieder (mehrmals) klingelt und dann spontan aus dem eventuell aufkommenden Frust und der Gereizheit heraus zu reagieren versuchen. Das fällt mir bestimmt leichter und wirkt authentischer, als wenn ich das Thema am Anfang der Stunde hervorzuwürgen versuche...


Wenn Micky das Thema nicht am Stundenanfang anreißt, dann ohnehin spätestens 30 min. später in der nächsten Sitzungen, wenn das Telefon (der Wahrscheinlichkeit nach) wieder mehrmals klingelt Wink Wink. Wegen dreißig Minuten früher oder später brauchen wir uns daher aus den beiden Gründen vermutlich nicht all zu viele Gedanken machen...

Jelka wrote:
Ich greife es dann auf, wenn ich in der Lage bin, es zu formulieren. Und das bin ich oft am Anfang einer Stunde, wenn ich darüber nachgedacht habe.

Da unterscheiden wir uns vielleicht ein wenig... Wenn ich mich über etwas ärgere oder mich etwas stört, dann nehme ich das sofort wahr. Wenn ich in dieser Situation zeitnah und möglichst angemessen darüber rede (sei es in einer "normalen" oder in einer therapeutischen Beziehung), so gebe ich mir die Möglichkeit, das Thema für mich abzuhaken, so dass der Vorfall mich dann meist nicht weiter "belastet".

Wenn ich stattdessen beginne (länger) darüber nachzudenken, was mich eigentlich genau gestört hat, so schaukele ich mich manchmal hoch und ärgere mich, warum ich das zunächst kommentarlos hingenommen habe. Das tut mir natürlich selbst nicht gut.

Jelka wrote:
Aber auch das ist ein emotional aufwühlender Gedanke.
Überleg nur mal, wie lange Micky sich damit schon herumschlägt.

Ich glaube nicht, dass die Tatsache der (in meinen Augen unangebrachten) Telefonate als solche das aufwühlende Element sind. Nein, es ist vermutlich die Schwierigkeit mit den mit Bitten/Forderungen verbundenen Emotionen umzugehen und diese überhaupt anzubringen. Und diese Schwierigkeiten wären vorhanden egal ob es sich um eine Telefonat, eine Türklingel, ständige Notizen des Therapeuten oder was weiß ich handeln würde. Und genau darum geht es hier:
Micky wrote:
- Es war schon immer und ist (manchmal) immer noch ein grosses Problem von mir, stets darauf bedacht zu sein, anderen Menschen möglichst nicht zur Last zu fallen und sie auf gar keinen Fall zu verletzen
- Ich käme mir intolerant und egoistisch vor und hätte auch ein schlechtes Gewissen
- und es übertrieben und zu intolerant ist
- Ja, es ist ganz klar meine Angst vor einer eventuellen Zurückweisung, die mich zögern lässt und mein grosses, als Kind gelerntes Anpassungsbedürfnis.

Diese Themen sind in der Therapie zu bearbeiten - falls noch nicht geschehen. Was das Thema Aggressionen angeht, so arbeitet Micky sicherlich schon hart daran, denn sie schriebt: "Ein guter Umgang mit Aggressionen ist auch ein wichtiges Thema in meiner Therapie."

Unsicher werde ich (nach den vielen Kontrastimmen Wink ), ob man wirklich jede Emotion herauslassen muss, um diese bearbeiten zu können gruebel . Im Unterschied z.B. zu Philipp mache ich keine Analyse, in der Gefühlsübertragungen wohl mit die größte Rolle spielen. Wie soll ich das sagen: Bisher handhabte ich es so, dass ich nach innen wahrgenommen Gefühle mit dem Therapeuten (soweit mir möglich) besprach. Da ich keine Maschine bin, registiert der Therapeut sicherlich auch meine nicht verbalisierten Gefühle. Wenn ich ein Problem mit Aggressionen hätte, würde ich es jedoch nicht als nötig empfinden, meinem Thera gegenüber aggressiv auftreten zu müssen, um das Thema bearbeiten zu können.

Lg
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Post Sun, 12.Feb.06, 19:10      Re: Während Therapiestunde ausgerastet Reply with quoteBack to top

sternenmeer wrote:
Dass du negative Gefühle in der Therapie nicht ausselektierst, ist ja richtig. Und ich wollte das sicherlich auch nicht Micky vorschlagen, daher sprach ich eigentlich nicht von Emotionsvermeidung, im Gegenteil. Aber es macht einen Unterschied WIE man etwas verklickert.

sternenmeer wrote:
Ich denke, eine solche Aggressivität in Form von Vorwürfen ist hier vermeidbar, wenn man seine subjektiven Emotionen einbringt.

Das ist für mich Emotionsvermeidung, wenn ich mir genau überlege wie ich etwas sage. Klar, wenn du im Büro einen Konflikt hast, wirst du in Ichbotschaften sprechen. In der Therapie dagegen kann ich reden wie mir der Schnabel gewachsen ist und es ist sogar erwünscht, die Emotionen in der Form zuzulassen, wie sie sich zeigen.

sternenmeer wrote:
Ich kann in einer Therapie auch Gefühle thematisieren, welche ich nicht unbedingt hautnah am Therapeuten "austesten" muss - insbesondere, wenn sie ohnehin nicht meinem Zielverhalten entsprechen.

Das heißt dann aber auch, dass du nicht bereit bist, anderes als das dir vorschwebende Zielverhalten auszuprobieren. Da schränkst du deine potentiellen Handlungsspielräume gewaltig ein.

sternenmeer wrote:
Und Ziel einer Therapie ist doch, von negativen Gefühlen wegzukommen, z.B. dass man eine legitime Bitte nicht mit der Gefahr einer möglichen Zurückweisung verbindet; eine Bitte/berechtigte Forderung nicht als egoistisches oder intolerantes Verhalten wertet. Und auch, dass man Bitten/Forderungen lernt überhaupt zu äußern - aber im Optimalfall frei von (ungesunden) Aggressionsanteilen/Überreaktionen/negativen Emotionsanteilen, etc.

Würde ich ein wenig anders sehen. Bei einer Bitte besteht immer die Gefahr einer Zurückweisung. Ich kann sicherlich lernen mit der Zurückweisung, falls diese eintritt, unmzugehen und diese z.B nicht als Entwertung meiner Person zu sehen.
Weiß auch nicht so genau, was du unter negativen Emotionsanteilen verstehst. Ich weiß, dass ich das Wort negativ in den anderen Beiträgen auch verwendet habe. Ich hätte es besser unter "." setzen sollen. Denn Angst, Wut, diverse aggressive Gefühle etc. sind nicht einfach negativ. Ich würde es vielmehr als Ziel ansehen, diese Gefühle zuzulassen, mir zu erlauben, solche Gefühle zu haben, ohne mich dafür als schlechter Mensch zu fühlen, mit diesen Gefühlen innerlich angemessen umzugehen, nicht von ihnen überschwemmt zu werden, jedoch nicht von negativen Gefühlen wezukommen, zumindest nicht so allgemein forumliert.
Denn was nützt es mir, wenn ich nach außen in hübschen, moderaten Ichbotschaften kommuniziere, aber innerlich fast platze?

Philipp
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Post Sun, 12.Feb.06, 20:37      Re: Während Therapiestunde ausgerastet Reply with quoteBack to top

Hallo ihr,

Philipp wrote:
Denn Angst, Wut, diverse aggressive Gefühle etc. sind nicht einfach negativ. Ich würde es vielmehr als Ziel ansehen, diese Gefühle zuzulassen, mir zu erlauben, solche Gefühle zu haben, ohne mich dafür als schlechter Mensch zu fühlen, mit diesen Gefühlen angemessen umzugehen, nicht von ihnen überschwemmt zu werden, jedoch nicht von negativen Gefühlen wezukommen, zumindest nicht so allgemein forumliert.

Das finde ich eine schöne Aussage. Mit negativen Emotionsanteilen meinte ich durchaus Gefühle wie Angst, Ärger, Wut, Frust, Neid, Aggressionen, etc. Aber es stimmt, hier muss man wohl differenzieren. Das Gefühl ist nicht per se negativ (z.B. Angst als Schutzfunktion, gesunde Aggression, um sich durchzusetzen, etc.). Das negative daran kann sein, wie diese Gefühle auf einen selbst wirken. Und hier geht es darum, dass man ggf. lernt, diese Gefühle wahrzunehmen, mit diesen umgehen kann und sich nicht davon überschwemmen lässt.

Mit "negativen Emotionsanteilen" meine ich aber auch unangemessene und unangebrachte Emotionen. Beispiel: Jemand ärgert sich bereits über die Fliege an die Wand oder man ist tief frustriert weil der Nachbar wieder mal nicht gegrüsst hat, etc. Hier ist es in der Therapie wohl schon angebracht, wenn man daran arbeitet die Ärger- oder Frustrationstoleranz zu erhöhen. Jedenfalls sehe ich persönlich nicht, was es für einen Sinn machen sollte unangemessene und unangebrachte Gefühle zuzulassen, denn im unangemessenen Ausmaß ist alles auf irgeneine Art schädlich.

Quote:
sternenmeer schrieb:
Ich denke, eine solche Aggressivität in Form von Vorwürfen ist hier vermeidbar, wenn man seine subjektiven Emotionen einbringt.

Das ist für mich Emotionsvermeidung, wenn ich mir genau überlege wie ich etwas sage.

Ja, vielleicht ist das eine gewisse Emotionsvermeidung, wenn ich mir überlege, wie ich etwas sage. Aber ist es wirklich nötig, jemandem beispielsweise vorwurfsvoll oder aggressiv zu begegnen, wenn es auch anders ginge? Ich glaube nicht, dass man JEDE Emotion herauslassen muss - auch in einer Therapie nicht. Aber vielleicht werde ich eines besseren belehrt, wenn es demnächst auch bei mir verstärkt um Emotionen geht Rolling Eyes gruebel ...

Philipp wrote:
Das heißt dann aber auch, dass du nicht bereit bist, anderes als das dir vorschwebende Zielverhalten auszuprobieren. Da schränkst du deine potentiellen Handlungsspielräume gewaltig ein.

Jein. Ein Zielverhalten braucht nicht unbedingt nur eine Handlungsalternative zu sein. Überspitzt formuliert: Ich muss nicht ausprobieren, wie mein Therapeut reagiert, wenn ich in abschelle, weil er schon wieder ein Telefonat annimmt - auch wenn das meinen potenziellen Handlungsspielraum einschränkt. Und es ist auch nicht gesagt, dass ich es a) auf Anhieb schaffe, mich so zu verhalten, wie von mir gewünscht und b) diese Verhaltensweise in den Augen des Therapeuten ebenfalls adäquat ist.

Und ganz ehrlich: Von einem Therapeuten wünsche ich mir persönlich, dass ich nicht ständig gelobt, bestätigt werde oder mir gesagt wird: Ach wie toll, dass sie alle ihre Gefühle herauslassen, etc. Wenn ich für mich oder anderen gegenüber ein ungünstiges Verhalten an den Tag lege, so ist es mir hilfreicher, wenn ich behutsam auf den richtigen Weg gebracht werde.

Liebe Grüsse
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syvoh
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Post Sun, 12.Feb.06, 22:12      Re: Während Therapiestunde ausgerastet Reply with quoteBack to top

Hallo!

Auf den Punkt gebracht:

Die Sache dreht sich im Kreis, nicht wahr? Es geht nicht um die Telefonate....

Ich kann nur meinem Gefühl nach gehen, welches entsteht, wenn ich den Thread lese....

Die Sache steckt fest, besser gesagt, denke ich, dass Micky feststeckt...
Das tut mir für Micky leid, doch es liegt nicht in ihrer Verantwortung...

Die liegt ganz allein bei diesem Therapeuten, der meinem Gefühl nach, diese Sache nämlich auszunutzen scheint.

Ich war heute im Kino und habe den Film: "Eine zauberhafte Nanny" gesehen....

In diesem Film brauchte die tobende Rasselbande dringend Hilfe und diese Hilfe kam in Form von Nanny Mc Phee....(Emma Thompson)

Sie sagte zu den Kindern:

"Über meine Arbeit müsst ihr etwas wissen....

Wenn ihr mich braucht, aber nicht wollt, dann muss ich bleiben...wenn ihr mich wollt, aber nicht mehr braucht, dann muss ich gehen"

Ein Film, den jeder gesehen haben sollte, der hilfebedürftige Menschen begleitet, betreut und therapiert.
Den können sich nämlich nicht alle Therapeuten auf die eigenen Fahne schreiben.

Dir Micky wünsche ich, dass Du den Mut aufbringst, einfach mal einen anderen Therapeuten (vielleicht in Deinem Fall mal eine Therpeutin) ausprobierst.

Entschuldige...doch die Sache stinkt, meines Erachtens nach, bis zum Himmel.

Ich kann mich irren, doch das ist ja bekanntlich menschlich Wink

Und mal andere Wege gehen, anderes ausprobieren kann Licht ins Dunkel bringen.

Viel Glück!!!

LG
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Post Mon, 13.Feb.06, 0:10      Re: Während Therapiestunde ausgerastet Reply with quoteBack to top

Hallo ihr

Da hat sich ja, während ich in den Bergen den Schnee und die Sonne genossen habe Smile , eine interessante Grundsatzdiskussion entwickelt in "meinem" Thread Wink . Finde ich toll, aber es ist mir grad alles zu viel, um etwas dazu sagen zu können.

Es braucht sich jedoch niemand Sorgen zu machen um meine Therapie - sie läuft trotz aller Schwierigkeiten besser als je zuvor und nur ich weiss, wie sehr sie mir geholfen und mich weitergebracht hat. Vor vier Jahren beging ich zwei Suizidversuche, heute bin ich daran, mir ein neues Leben aufzubauen. Ich habe zusammen mit meinem Therapeuten schon sooo viele Probleme gelöst, therapiebezogene und andere, dass ich mir eigentlich zutrauen sollte, dasjenige mit den Telefonanrufen und viele andere, noch zu bearbeitende, auch noch in den Griff zu kriegen. Wie und wann ist letztendlich nicht so wichtig (ich habe ja keinen Druck in Bezug auf die Anzahl Therapiestunden). Die meisten eurer Beiträge haben mir viel Mut gemacht, das Telefonproblem in Angriff zu nehmen und ich möchte allen, die sich bemüht haben, danke sagen. Sobald es gelöst sein wird, werde ich es Interessierte gerne wissen lassen.

Liebe Grüsse
Micky
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Post Mon, 13.Feb.06, 22:15      Re: Während Therapiestunde ausgerastet Reply with quoteBack to top

Liebe Micky,

Quote:
während ich in den Bergen den Schnee und die Sonne genossen habe

Oh, schööön - ich beneide dich fast ein wenig darum, die schönen Berge fast vor der Haustür zu haben. Gönne es dir!!!

Quote:
eine interessante Grundsatzdiskussion entwickelt in "meinem" Thread Wink . Finde ich toll

Da war ich mir nicht soo sicher Wink Wink Smile , da ich für meinen Teil nicht sicher war, ob ich ab und an vom Thema abgekommen bin - zumal ich dazu sagen will, dass die letzten Postings von mir nicht unbedingt auf dich bezogen waren, sondern eben eine Grundsatzdiskussion darstellten Wink .
Also nicht alles persönlich nehmen...

Quote:
Vor vier Jahren beging ich zwei Suizidversuche, heute bin ich daran, mir ein neues Leben aufzubauen.

Freut mich für dich, dass du es geschafft hast, wieder aufzustehen, wenngleich das sicherlich nicht immer leicht ist. Nach meiner vergangenen Therapiestunde muss sich einiges auch erst mal setzen. Aber: Fallen darf man, man muss nur wieder aufstehen können...

Quote:
Ich habe zusammen mit meinem Therapeuten schon sooo viele Probleme gelöst, therapiebezogene und andere, dass ich mir eigentlich zutrauen sollte, dasjenige mit den Telefonanrufen und viele andere, noch zu bearbeitende, auch noch in den Griff zu kriegen.

Ja klar, das schaffst du auch noch. Wenn du keinen Zeitdruck hast, dann um so besser... Sehe es so: Es ist ein Bitte, die im schlimmsten Fall abgelehnt werden kann. WENN es so kommt, hat es aber rein gar nichts mit deiner Person zu tun. Und die damit verbunden Schwierigkeiten kannst du ja bei gegebener Zeit angehen - sofern und soweit du willst...

Quote:
Sobald es gelöst sein wird, werde ich es Interessierte gerne wissen lassen.

Wenn's ok für dich ist, erkundige ich mich irgendwann mal via PN. Würde mich nämlich schon interessieren, was dabei herausgekommen ist - wenngleich ich glaube, dass es halb so wild ist, wie du dir das ausmalst Wink ...

Quote:
Weisst du, eine Aggression braucht nicht zwangsläufig negativ zu sein und mit "Angriff" gleichgesetzt zu werden. Aggressionen können durchaus auch nur positiv behaftet und/oder hilfreich sein, um Energien frei zu setzen ... Wenn du nicht immer sofort sagst, wenn dich etwas stört, sind das Aggressionshemmungen und wenn diese zu gross werden, kann es dann zu Ueberreaktionen, zu Aggressionsdurchbrüchen kommen, das kenne ich selbst sehr gut.

Daran ist wohl sehr viel - wahrscheinlich schlage ich das Thema im Zuge meiner "Wunschsammlung", welche ich gerade für mich erarbeitete, ebenfalls vor - die Liste wird lang... na ja, er Therapeut kann ja dann selektieren Very Happy

Liebe Grüsse
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Post Mon, 13.Feb.06, 23:39      Re: Während Therapiestunde ausgerastet Reply with quoteBack to top

Liebe sternenmeer

Danke dir für deine lieben Zeilen. Nein, hier im Forum nehme ich nichts mehr persönlich, das mir nicht gut tun würde. Da vermag ich mich mittlerweile sehr gut abzugrenzen Smile ; (habe ich auch in der Therapie gelernt) leider klappt dies bei Menschen, die mir nahe stehen, noch nicht in gleichem Masse, aber ich arbeite daran.

Ich glaube auch, dass ein guter Umgang mit Aggressionen in vielen schwierigen Situationen hilfreich sein kann und es sich lohnt, daran zu arbeiten. Als mir mein Therapeut das erste Mal sagte, dass ich ein sehr aggressionsgehemmter Mensch sei, emfpand ich das als einen Vorwurf. Mittlerweile weiss ich, dass dies absolut nichts Negatives ist und in vielen Lebenssituationen auch hilfreich sein kann. Nur dürfen die Hemmungen nicht so gross sein, dass sie sich irgendwann mit schlimmen Folgen entladen. Mein Therapeut erzählte mir, dass Männer, die für ihr Umfeld völlig unverständlich, ihre ganze Familie auslöschen, häufig solche Menschen sind. Gegen aussen wirken sie stets freundlich, nett, ausgeglichen und hilfsbereit, was aber in ihrem Inneren abgeht, bemerkt niemand, weil sie sich in ihrer Aggressionsgehemmtheit nicht ablesbar machen können.

Du schreibst, dass dein Therapeut aus deiner langen "Wunschsammlung" selektionieren könne. Möchtest du nicht lieber für dich Prioritäten setzen und selbst bestimmen, welche Probleme du zuerst in Angriff nehmen willst?

Mir geht es grad gleich wie dir, ich hatte heute auch eine sehr intensive und anstrengende Theapiestunde, die wieder mächtig an meinen Kräften zehrt und ich finde dein Motto mit dem Fallen-dürfen und wieder Aufstehen-können-müssen super. Aber es ist etwas Sonderbares geschehen, das Telefon klingelte während der ganzen Stunde kein einziges Mal....das passiert nur etwa alle drei oder vier Monate einmal! Dabei hatte ich mir genau zurecht gelegt, was ich sagen möchte, sobald es das zweite Mal klingeln würde Wink . Na ja, die nächste Stunde habe ich bereits wieder in drei Tagen.

Eine PN ist immer ok Smile und alles Liebe für dich!

Micky
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Post Tue, 14.Feb.06, 16:03      Re: Während Therapiestunde ausgerastet Reply with quoteBack to top

Liebe Micky,

danke auch dir für die lieben Zeilen Very Happy . Bin immer noch dabei, meinen "Wunschzettel" auszuarbeiten... Confused Wink , welcher anstrengender ist, als ich dachte...

Micky wrote:
Du schreibst, dass dein Therapeut aus deiner langen "Wunschsammlung" selektionieren könne. Möchtest du nicht lieber für dich Prioritäten setzen und selbst bestimmen, welche Probleme du zuerst in Angriff nehmen willst?

An sich setze ich meine eigenen Prioritäten immer gerne selbst... Um eine Auswahl, werde ich jedoch nicht kommen. Und ich vertraue hier z.T. auch gerne meinem Thera, weil ich im Moment stark daran zweifele, ob ich dzt. gut abschätzen kann, was für mich wichtig und gut ist. Confused.

Zudem wird die Liste zu lang und dank eines beschränktem Stundenkontigents, werde ich/wir nicht um die Auswahl von Prioritäten kommen. Erschwerend kommt hinzu, dass mein Thera bei meiner letzten Priorität nicht mehr soo mitzieht Wink (was mir aber bereits selbst deutlich wurde, und womit er zugegebenermaßen Recht hat). Er schlägt wieder stark in die Kerbe "Erholung/Entspannung", etc. ... Na ja, ich denke, zu Auseinandersetzungen wird es wohl nicht kommen Wink Wink , aber seit letzter Sitzung wird mir stark deutlich, dass ein paar wichtige Punkte zu klären sind - weil ich im Moment etwas stagniere...

Micky wrote:
Als mir mein Therapeut das erste Mal sagte, dass ich ein sehr aggressionsgehemmter Mensch sei, emfpand ich das als einen Vorwurf.

Ich habe dzt. auch etwas, dass Gefühl, dass mir ein paar Punkte in den "falschen Hals" gerutscht sind... nichts was ich als Vorwurf empfunden hätte... aber mich verunsichert, dass ich in manchen Punkten dzt. abweichende Einschätzungen habe als mein Therapeut. Na ja, ein Klärung wird gut tun und Abhilfe schaffen - ich strukturiere meine Gedanken jedenfalls seit gestern wieder mal schriftlich... und muss mir wohl auch ein paar Worte zurecht legen, um besser aus mir heraus zu kommen...

Micky wrote:
Nur dürfen die Hemmungen nicht so gross sein, dass sie sich irgendwann mit schlimmen Folgen entladen. Mein Therapeut erzählte mir, dass Männer, die für ihr Umfeld völlig unverständlich, ihre ganze Familie auslöschen, häufig solche Menschen sind. Gegen aussen wirken sie stets freundlich, nett, ausgeglichen und hilfsbereit, was aber in ihrem Inneren abgeht, bemerkt niemand, weil sie sich in ihrer Aggressionsgehemmtheit nicht ablesbar machen können.

Was im Inneren eines Menschen vorgeht, kehrt sich wahrscheinlich oft nicht nach außen... Weiß nicht (natürlich bin ich kein Psychologe), aber solche Menschen, welche Familien auslöschen, würde ich als Laie nicht als aggressionsgehemmt umschreiben, sondern eher als aggressionsgesteuert, in dem Sinn, dass sie ihre innere Aggressivität (welche in der Tat ein nützlicher Motor sein kann), nicht beherrschen und in positive Bahnen umlenken können.

Ich denke, dass Mittelmaß macht's. Als "aggressiv" wurde ich noch nie beschrieben Rolling Eyes . Bei mir ist ein wenig das Problem (habe ich habe mich hier schon deutlich gebessert), dass ich dazu neige, dass eine oder andere in mich hineinzufressen, das anstauen zu lassen, etc. Dann kommt ein Tröpfchen, was das Fass zum Überlaufen bringt, und ich reagiere im Verhältnis zu dem Tröpfchen zu heftig, weil nun das übergelaufene Fass an die Oberfläche befördert wurde und Einfluss auf meine Emotionen und Reaktionen ausübt. Eins meiner "Probleme" in diesem Zusammenhang hat Philipp recht gut erkannt, nämlich das hier:

Philipp wrote:
Du scheinst in dem Beispielen mit dem Telefon oder den Notizen nur eine mögliche Reaktion deines Gegenübers zu erwarten...

Nämlich: Wie reagiert, der andere, wenn ich "widerspreche", und nehme mir dabei manches oft zu sehr zu Herzen... Und so fallen mir recht viele "Bruchstücke" ein, welche ein lange "Wunschliste" bescheren... Smile

Liebe Grüsse
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Micky
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Post Mon, 20.Feb.06, 17:07      Re: Während Therapiestunde ausgerastet Reply with quoteBack to top

Na also, es geht doch Micky Laughing !

Ich stellte mich zwar wohl ein wenig umständlich an und war auch ein bisschen feige (habe es meinem Therapeuten heute am Telefon, das er vom Spitalbett aus zwecks einer Terminverschiebung tätigte, gesagt). Begeistert tönte er nicht, aber er meinte, dass es ok wäre, das Telefon während meinen Stunden auf lautlos zu stellen, ich ihn aber zu Beginn jeder Stunde daran erinnern müsste, da er es von sich aus wohl - wenigstens die erste Zeit - vergessen würde Rolling Eyes.

@ sternenmeer: PN folgt bestimmt bald.

Liebe Grüsse
Micky
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