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Zarin2005
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Post Sat, 11.Feb.06, 11:23      Re: Während Therapiestunde ausgerastet Reply with quoteBack to top

Hallo, Mickey,ich denke,wenn Du mal ehrlich zu die selbst bist,ist jede Störung in deiner Stunde völlig unangebracht. Es geht da nur um dich. Exclamation Mehr gibts da nicht zu sagen .Ende.Es ist völlig in Ordnung,das auch einzufordern.Ich finde das Verhalten deines Therapeuten nicht sehr professionell.Habe ich selbst so auch nie erlebt.

Liebe Grüße Zarin2005
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Micky
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Post Sat, 11.Feb.06, 11:37      Re: Während Therapiestunde ausgerastet Reply with quoteBack to top

Hallo syvoh

Deine Meinung kann ich gut nachvollziehen, bei lediglich einer Therapiestunde alle zwei bis drei Wochen wäre meine Toleranzgrenze auch bei null Anfrufen pro Stunde.

Ich habe zwei Sitzungen pro Woche und mit einem Anruf pro Stunde käme ich auch heute noch gut zurecht. Aber sie haben sich eben in den letzten paar Wochen extrem gehäuft (keine Ahnung weshalb, vielleicht sind meine Therapiezeiten besonders "anfällig" für Anrufe gworden) und damit bekunde ich Mühe. Diese Woche waren es in zwei Stunden sieben, letzte Woche sechs Anrufe und die Wochen zuvor ähnlich viele und das ist auf Dauer wirklich mühsam.

Ich finde auch, dass man mal für eine Stunde nicht erreichbar zu sein braucht, deshalb schalte ich mein Handy während den Sitzungen normalerweise auch aus, aber manchmal vergesse ich es halt einfach Embarassed .

Liebe Grüsse

Micky
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Micky
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Post Sat, 11.Feb.06, 11:55      Re: Während Therapiestunde ausgerastet Reply with quoteBack to top

Hallo Meeresrauschen

Die Erfahrung, dass eine kurze "Abwesenheit" des Therapeuten zum Telefonieren manchmal auch hilfreich sein kann, in dem Sinne, dass man seine Gedanken neu bündeln kann, habe ich besonders am Anfang der Therapie auch öfters gemacht. Aber drei bis viermal pro Stunde ist das nicht nötig....

Die Meinungen hier im Forum zeigen mir deutlich, dass es nicht unverschämt wäre, meinen Therapeuten zu bitten, das Telefon während meinen Stunden lautlos zu stellen. Wovor ich aber Angst habe, ist, dass ich denke, dass es nicht reichen würde, ihn darum zu bitten, sondern dass ich es von ihm fordern müsste und das kann ich schlecht. Ich käme mir intolerant und egoistisch vor und hätte auch ein schlechtes Gewissen, weil ich selbst , wenn es mir sehr schlecht ging, auch ab und an mal angerufen habe und schon mehrmals froh gewesen bin, dass er sofort erreichbar war.

Liebe Grüsse
Micky
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philipp
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Post Sat, 11.Feb.06, 12:54      Re: Während Therapiestunde ausgerastet Reply with quoteBack to top

Micky wrote:
Ich denke, dass ich einen unangebrachten Wunsch äussern und eine unangebrachte Forderungen stellen zu sehr miteindander vermischt habe. Denn da gibt es meiner Meinung nach schon entscheidende Unterschiede.

Worin besteht für dich der Unterschied zwischen dem Äußern eines Wunsches und dem Äußern einer Forderung?

Ich verstehe unter einer Forderung einen Wunsch, der in bestimmter Art und Weise kommuniziert wird, mit Nachdruck, mit Anteilen von Aggression und mit Handlungsvorgaben für den Adressaten.
Es ist abhängig von der Situation, ob ich etwas als Wunsch oder als Forderung formuliere.

Micky wrote:
Wovor ich aber Angst habe, ist, dass ich denke, dass es nicht reichen würde, ihn darum zu bitten, sondern dass ich es von ihm fordern müsste und das kann ich schlecht.

Meinst du, dass es eine erfolgsversprechende Strategie ist, zuerst einen Wunsch auszusprechen und dann im Falle der Ablehnung diesen als Forderung zu äußern? So habe ich deine obigen Zeilen zumindest interpretiert. Oder hast du gemeint, dass du direkt dein Anliegen als Forderung formulierst?
Was machst du, falls er auf deine Forderung nicht eingeht?


Philipp
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syvoh
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Post Sat, 11.Feb.06, 13:38      Re: Während Therapiestunde ausgerastet Reply with quoteBack to top

Hallo Micky!

Mir geht es oft so...

dass ich mich nicht traue, Dinge, die mich stören, oder die ich als unangenehm empfinde nicht rechtzeitig ansprechen kann. Ich traue mich oft nicht, oder meine, dass mich das einfach nicht zu stören hat. Das hat dann auf meiner Seite auch zu Wutausbrüchen oder ungeduldigem Verhalten anderen gegenüber geführt. Häufiges Resultat war, wenn ich dann endlich den Mund aufgemacht habe, die Antwort meines Gegenübers: "Ja Mensch, warum hast du das denn nicht schon viel früher gesagt?"

Nun, warum nicht? Weil ich es auch einfach zu oft erlebt habe, ob in meiner Kindheit oder auch später im Erwachsenenalter, dass man mich einfach nicht ernst genommen hat, mit dem was ich fühle und wie es mir dabei geht.

Daran arbeit ich momentan. Mich mehr mit meinen Bedürfnissen wahrzunehmen. Wo meine Grenzen sind. Aber auch dabei mein Gegenüber mit ein zu beziehen. Andere haben ja auch Gefühle und Grenzen Wink

Auch unternehme ich erste Schritte dahingehend, etwas freundlich aber bestimmt anzusprechen, wenn ich meine, das müsste sein.
So gibt man sich und den anderen dann ja die Möglichkeit, gemeinsam eine Lösung zu finden.
Manchmal endet das auch darin, dass ich mich in diesem Prozeß von einigen Menschen trennen musste, da man einfach keinen gemeinsamen Konsens gefunden hat, gemeinsam Konflikte nicht gut bewältigen konnte.
Am Anfang fiel mir es mir unheimlich schwer....Gehen zu lassen, was mir nicht gut tat. Ich habe versucht auszuhalten. Das endete aber in Aggressionen und Chaos und führte zu Verletzungen auf beiden Seiten.

Ich befinde mich noch immer in diesem Prozeß und es wird wohl noch eine Weile dauern, doch ich gebe die Hoffnung nicht auf und arbeite daran.
Je mehr ich mir meine Gefühle erlaube.....auch die, die sich nicht immer so toll anfühlen, desto besser wird auch meine Stimmung insgesamt.

Und wenn ich es mal wieder geschafft habe, jemandem freundlich zu sagen, dass mir dieses oder jenes nicht passt, bin ich stolz auf mich selbst. Es macht mir nicht mehr ganz so viel Angst.

Micky...Du kannst doch für Dich ganz klar benennen, dass es Dich schon stört, wenn Dein Therapeut dermaßen häufig an sein Telefon geht.
Ich möchte Dir nicht zu nahe treten, doch es sollten ganz andere Themen für Dich wichtiger sein, als das, ob es für einen Therapeuten zulässig ist, dass er das so oft tut. Wenn es für Dich ein "zu viel" ist, dann ist das so. Und wenn Du dann in die Situation gerätst, nur noch Verständnis für ihn aufzubringen, er das vielleicht gar von Dir erwartet, dann habe ich da einfach den Eindruck, dass die Rollen vertauscht werden. Es ist nicht Deine Aufgabe, Verständnis für ihn zu haben Wink

Ich wünsche Dir die Kraft und den Mut, Dich aus dieser Therapeutenbeziehung zu lösen und aufzustehen und zu gehen, wenn es Dir nicht gut geht damit.

Alles Liebe!
Syvoh
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sm
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Post Sat, 11.Feb.06, 14:07      Re: Während Therapiestunde ausgerastet Reply with quoteBack to top

Liebe Micky,

Micky wrote:
Wovor ich aber Angst habe, ist, dass ich denke, dass es nicht reichen würde, ihn darum zu bitten, sondern dass ich es von ihm fordern müsste und das kann ich schlecht. Ich käme mir intolerant und egoistisch vor und hätte auch ein schlechtes Gewissen, weil ich selbst , wenn es mir sehr schlecht ging, auch ab und an mal angerufen habe und schon mehrmals froh gewesen bin, dass er sofort erreichbar war.


Ich würde an deiner Stelle ihn zunächst fragend bitten, das Telefon lautlos zu stellen, wobei ich Gründe nennen würde, warum mich das Telefon stört. Dazu wird er dann wohl etwas sagen müssen. Kommt er der Bitte nicht nach, würde ich vermutlich nochmals mit mehr Nachdruck betonen, dass es mir aus folgenden Gründen wirklich wichtig ist. Dazu wird er vermutlich wieder Stellung beziehen müssen.

Und ich denke einfach, dass seine Argumente pro Telefon viel schwächer ins Gewicht fallen. Du kriegst (zumindest ansatzweise) mit, worum es in den Gesprächen geht. Und es werden wohl in den wenigstens Fällen solche Notfälle sein, in denen es wichtig ist, den Therapeuten sofort an der Strippe zu haben. Und wie du bereits sagtest: Bei voraussichtlich längeren Gesprächen ruft er ohnehin zurück.

Bei mir war es kürzlich sogar so, dass mein Therapeut es von sich aus spürte und fragte, ob er mich mal anrufen soll - er bestand sogar fast darauf... Und wenn etwas wichtig war, dann war es im Vorfeld abgesprochen.

Mit Intoleranz und Egoismus hat deine Bitte in meinen Augen wenig zu tun. Er hat (implizit) die Regel aufgestellt, dass er auch während Sitzungen erreichbar ist (obwohl das vermutlich die wenigsten Therapeuten sind, wie auch dieser Thread deutlich zeigt). Da die Patienten dies wissen, rufen sie halt an - und so kann sich dies verselbständigen, weil man als Patient ja weiß, dass er während den Sitzungen am besten erreichbar ist. Und für den Therapeuten ist das insofern praktisch, als er nicht im Anschluss an die Sitzungen sämtlich Rückrufe tätigen muss. Und da sich seine anderen patienten anscheindend nicht daran stören, wird er es wohl verkraften können, wenn er während deinen Sitzungen mal das Telefon lautlos stellt und den AB anschaltet.

Für meinen Teil wäre es mir hingegen unangenehmer eine laufende Sitzung zu stören. Und ich würde es bereits aus diesem Grund nicht machen, weil ich im Gegenzug wünschte, dass meine Sitzungen auch nicht gestört wird - Notfälle und ungeplante Störungen sind natürlich eine Ausnahme. Ich habe auch schon mal angerufen, aber ich wusste ja, dass der AB anspringt, und habe eben meine Nachricht hinterlassen.

Klar kann man ein Telefonat auch dazu nutzen sich zu sammeln. Aber 3-4 mal die Stunde ist schon sehr oft. Wenn man sich sammeln möchte, bin ich nicht auf eine externe Störung angewiesen, sondern ich erhalte dann schon Zeit, nachzudenken, wenn es in mir rattert...

Mal dir am besten nicht vorher zuu bildlich aus, dass er deine Bitte abschlägt, und dass die intolerant und egoistisch bist Wink , denn meistens kommt es anders als man denkt Wink Smile . Und vielleicht ist das ja ein willkommener Anlass, mal über das Thema "Forderungen stellen" zu sprechen...

Alles Gute und Liebe!!!
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Micky
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Post Sat, 11.Feb.06, 16:25      Re: Während Therapiestunde ausgerastet Reply with quoteBack to top

Hallo syvoh, hallo sternenmeer

Danke für eure aufwändigen Beiträge. Ihr habt beide Recht und ich stimme euch in allem, was ihr geschrieben habt, vollumfänglich zu. Ich finde es auch nicht in Ordnung, dass mein Therapeut während den Sitzungen so viele Anrufe entgegennimmt und eigentlich ist alles ganz einfach Smile Kann ich dies trotzdem akzeptieren und mit den häufigen Störungen umgehen, brauche ich nichts zu sagen, vermag ich dies aber nicht, muss ich mich wehren, egal wie er reagiert (wie einfach doch die Theorie immer ist....). Es war schon immer und ist (manchmal) immer noch ein grosses Problem von mir, stets darauf bedacht zu sein, anderen Menschen möglichst nicht zur Last zu fallen und sie auf gar keinen Fall zu verletzen und wenn es Menschen betrifft, die ich besonders gerne mag oder die mir, wie mein Therapeut, auch in vielem entgegenkommend und wohlwollend gesinnt sind, wird es noch schwieriger.

Ich denke, ich werde mal während der oder den nächsten Stunde(n) besonders sorgfältig in mich hineinzufühlen und zu spüren versuchen, welche Gefühle in mir aufkommen, wenn das Telefon wieder (mehrmals) klingelt und dann spontan aus dem eventuell aufkommenden Frust und der Gereizheit heraus zu reagieren versuchen. Das fällt mir bestimmt leichter und wirkt authentischer, als wenn ich das Thema am Anfang der Stunde hervorzuwürgen versuche Wink .

Alles Gute für euch!

Micky


Last edited by Micky on Sat, 11.Feb.06, 16:57; edited 1 time in total
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Post Sat, 11.Feb.06, 16:52      Re: Während Therapiestunde ausgerastet Reply with quoteBack to top

Hallo philipp

Habe deinen Beitag erst jetzt gesehen, danke. Ja, für mich besteht der Unterschied zwischen einem Wunsch äussern und einer Forderung äussern eindeutig in den unterschiedlichen Aggressionsanteilen und genau dort liegt mein Problem. Einen Wunsch zu äussern, fällt mir in der Regel nicht wirklich schwer, eine Forderung dagegen sehr. Ich bin ein äusserst aggressionsgehemmter Mensch und mir fehlt in den allermeisten Situationen jegliche Energie, um aus mir heraus (gesunde) Aggressionen aufzubauen.

Nein, ich sehe es in keinster Weise als erfolgsversprechende Strategie, mein Anliegen zuerst als Wunsch zu äussern, weil ich denke, dass mein Therapeut "nur" auf einen Wunsch nicht eingehen würde. Er meinte ja lediglich, als ich ihm in der letzten Stunde nach dem vierten Anruf gesagt habe, dass mich die vielen Unterbrechungen langsam nerven, dass ich ihn ja trotzdem jedesmal "frei gebe", um die Anrufe annehmen zu können. Ich müsste von Anfang an mit mehr Aggressivität an die Sache ran und das traue ich mir aus den obenerwähnten Gründen nicht wirklich zu.

Wie würde ich reagieren, wenn er meiner Bitte nicht nachkommen würde? Ich denke, dass ich dann schon sehr hässig werden und Klartext reden könnte. Ich würde wohl sagen, dass es zwar legitim sei, dass er sich durch diese Handhabung gewaltige Vorteile verschaffe, dass dies aber meiner Meinung nach nicht zu Lasten der Patienten gehen dürfe (oder so ähnlich). Aber eine solche Aggressivität bringe ich eben nur nach entsprechenden Provokationen von aussen auf, das ist mein Problem.

Liebe Grüsse
Micky
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Post Sat, 11.Feb.06, 22:44      Re: Während Therapiestunde ausgerastet Reply with quoteBack to top

Liebe Micky,

Micky wrote:
Ihr habt beide Recht und ich stimme euch in allem, was ihr geschrieben habt, vollumfänglich zu.

Du darfst mir auch gerne widersprechen - kein Problem, meine Meinung ist ohnehin nicht maßgeblich Wink Wink .

Während meine Putzorgie habe ich kurz darüber nachgedacht, was der Unterschied zwischen einer Bitte und einer Forderung ist. Ich bin zu dem Ergebnis gekommen, dass sich eine Bitte und eine Forderung dadurch unterscheiden, inwieweit man auf den anderen einen gewissen Druck ausübt bzw. ausüben kann. Mit Aggression im engeren Sinne (also einem "Angriff") muss eine Forderung nicht unbedingt etwas zu tun haben - aber ich will jetzt eigentlich nicht Wortklauberei betreiben.

Sicherlich kannst du auf deinen Therapeuten einen gewissen Druck dahingend ausüben, dass er das Telefon leise stellt - denn er wird ja für seine Tätigkeit bezahlt und u.a. dafür, dass er dir volle Aufmerksamkeit entgegenbringt. Sicherlich lässt sich eine Forderung aus einem Affekt heraus leichter stellen ("aus dem eventuell aufkommenden Frust und der Gereizheit heraus", wie du schriebst).

Nur kenne ich das dann (manchmal) von mir so: Wenn mich etwas stört, sage ich auch nicht in jedem Fall sofort etwas. Manchmal staut sich das dann etwas an. Und bei der nächsten Kleinigkeit reagiere ich dann etwas über, weil ich dem nicht sofort Luft gemacht habe. In nachhinein, tut mir meine Reaktion dann fast wieder leid und der andere denkt womöglich die Sternenmeer hat doch 'nen Schuss Wink . Das ist dann eben nicht mehr die günstigste Ausgangsbasis, um durchaus legitime Forderungen anzubringen...

Gut finde ich auf auch, dass du die nächste Gelegenheit abwartest, denn das am Anfang der Stunde hervorzuwürgen ist wirklich quatsch. Vielleicht wäre es auch gut, wenn ihr auch mal das Thema Forderungen stellen thematisiert - vielleicht weiß dein Therapeut aber ohnehin, dass du dir damit schwer tust und weiß das zuzuordnen.
Micky wrote:
Ich denke, dass ich dann schon sehr hässig werden und Klartext reden könnte. Ich würde wohl sagen, dass es zwar legitim sei, dass er sich durch diese Handhabung gewaltige Vorteile verschaffe, dass dies aber meiner Meinung nach nicht zu Lasten der Patienten gehen dürfe (oder so ähnlich). Aber eine solche Aggressivität bringe ich eben nur nach entsprechenden Provokationen von aussen auf, das ist mein Problem.

Als Aggressivität würde ich das nicht bezeichnen, aber das kann vielleicht etwas vorwurfsvoll rüber kommen - wenn man nicht weiß, dass du genau damit Schwierigkeiten hast.

Micky wrote:
als ich ihm in der letzten Stunde nach dem vierten Anruf gesagt habe, dass mich die vielen Unterbrechungen langsam nerven, dass ich ihn ja trotzdem jedesmal "frei gebe", um die Anrufe annehmen zu können.

Auf der anderen Seite, finde ich diese Reaktion schon etwas bescheiden. Denn was willst du in einer solchen Situation machen? Sollst du (etwas überspitzt formuliert) zum Telefon hechten und dich schützend davor stellen: Nein, da gehen Sie jetzt nicht schon wieder hin??? Das geht ja nicht...

Fazit: Natürlich steht dir absolut frei wie du dich verhältst. An deiner Stelle würde ich nach wie vor weniger mit "Vorwürfen" argumtentieren als mit Gründen, warum mich das stört. Dass hat den psychologischen positiven Effekt, dass der Therapeut (oder im "real life" jeder andere) sich nicht angegriffen fühlt, die Stimmung auf entspannendem Niveau bleiben kann und man dem wenig entgegensetzen kann (du schilderst ja deine subjektiven Empfindungen).

Liebe Grüsse
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Micky
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Post Sun, 12.Feb.06, 1:01      Re: Während Therapiestunde ausgerastet Reply with quoteBack to top

liebe sternenmeer

Putzorgie - kommt mir irgendwie bekannt vor....

Weisst du, eine Aggression braucht nicht zwangsläufig negativ zu sein und mit "Angriff" gleichgesetzt zu werden. Aggressionen können durchaus auch nur positiv behaftet und/oder hilfreich sein, um Energien frei zu setzen (so ähnlich hat mir dies mein Therapeut mal erklärt). Eine Putzorgie zum Beispiel ist auch eine Aggression. Wenn du nicht immer sofort sagst, wenn dich etwas stört, sind das Aggressionshemmungen und wenn diese zu gross werden, kann es dann zu Ueberreaktionen, zu Aggressionsdurchbrüchen kommen, das kenne ich selbst sehr gut. Ein guter Umgang mit Aggressionen ist auch ein wichtiges Thema in meiner Therapie.

Nein, Druck auf meinen Therapeuten ausüben mag ich nicht. Wenn ich wirklich will, dass sein Telefon in meinen Stunden stumm bleibt, würde er meinem Wunsch wohl auch nachkommen, aber es mir von sich aus anbieten, das glaube ich, tut er nicht. Zu meinen bereits erwähnten Schwierigkeiten, ihm dies kund zu tun, kommen auch noch zusätzliche Hemmungen, weil ich weiss, weshalb er es so handhabt und wieso er so viel arbeiten will/muss, aber das gehört nicht hier hin.

Ach ja, ich habe ohnehin vor, ab dem Frühling meine Therapie auf eine Stunde pro Woche zu reduzieren und die zweite, die ich von meiner KK zugesprochen erhalte, nur noch in eventuell aufkommenden Krisensituationen zu beanspruchen und ich denke, dass ich spätestens dann den Anspruch auf eine ungestörte eine Stunde Therapie zu stellen vermag. Mal schauen, wie es während den nächsten Stunden weitergeht, vielleicht reduzieren sich die Anrufe ja von selbst wieder etwas, früher war es auch nicht so krass.

Ich wünsche dir auf alle Fälle einen schönen (putzfreien Wink) Sonntag

Micky
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Jelka
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Post Sun, 12.Feb.06, 10:20      Re: Während Therapiestunde ausgerastet Reply with quoteBack to top

sternenmeer wrote:

Gut finde ich auf auch, dass du die nächste Gelegenheit abwartest, denn das am Anfang der Stunde hervorzuwürgen ist wirklich quatsch.


Das finde ich überhaupt nicht. Ich beginne die Stunde oft damit, dass ich erzähle, was die letzte Stunde für Auswirkungen auf mich hatte, was für Gedanken oder so ich daraus mitgenommen habe. In diesem Fall wäre es eben das Telefon.

_________________
Irgendwie wird das alles schon funktionieren...
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Post Sun, 12.Feb.06, 12:34      Re: Während Therapiestunde ausgerastet Reply with quoteBack to top

Hallo Jelka Very Happy ,

is' klar, dass ich das nich kommentarlos stehen lassen kann Wink Wink .

Jelka wrote:
Das finde ich überhaupt nicht. Ich beginne die Stunde oft damit, dass ich erzähle, was die letzte Stunde für Auswirkungen auf mich hatte, was für Gedanken oder so ich daraus mitgenommen habe. In diesem Fall wäre es eben das Telefon.

Ja, das ist im Prinzip sehr sinnvoll, so vorzugehen!!! Jedoch: Abgesehen davon das das tiefer liegende Problem von Micky vermutlich nicht das Telefon als solches ist, liegt das hier in meinen Augen etwas anders. Hier geht es um ein (berechtigte) Kritik an der Arbeitsweise des Therapeuten verbunden mit der Bitte um Unterlassung derartiger Störungen.

Bisher hat Micky die Telefonate mehr oder weniger toleriert - vermutlich wegen großen Verständnisses und der Schwierigkeit solche Punkte anzubringen (wobei ich die Reaktionen des Therapeuten schon etwas merkwürdig finde: "... dass ich ihn ja trotzdem jedesmal "frei gebe", um die Anrufe annehmen zu können").

Ich versetze mich jetzt mal in meine Person: Wenn ich (nachdem ich bisher etwas toleriert habe, wobei es mich nun zunehmend stört) den anderen vielleicht aus heiterem Himmel darauf anspreche, dass ich ein Verhalten jetzt als störend empfinde, so wirkt das für den anderen vielleicht etwas aufgebläht und künstlich hervorgewürgt. (So in der Art: Was ich Ihnen/dir schon immer mal sagen wollte...). Und das kann daher beim anderen leicht in den "falschen Hals" geraten... Daher finde ich es geschickter, eine passende Situation abzuwarten und darauf aufbauend das Gespräch zu beginnen. Denn man hat nun einen konkreten Auslöser, an dem man etwas fest machen kann - wobei man natürlich potenzielle Überreaktionen vermeiden sollte.

Liebe Grüsse
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Post Sun, 12.Feb.06, 13:17      Re: Während Therapiestunde ausgerastet Reply with quoteBack to top

liebe micky,

meiner überzeugung nach ist nicht hilfreich zu taktieren... nicht in der therapiesituation zumindest. .. du lernst nicht, dass du deine wünsche oder forderungen mit druck oder mit großer schüchternheit, ganz egal wie, hervorbringen kannst und dich mal der reaktion des anderen aussetzt. wie auch immer dein therapeut reagiert, er würde auf die echte micky reagieren können und nicht auf eine micky, die z.B. den rechten zeitpunkt abpasst. wenn es dir schwerfällt zu fordern, zu verlangen, agressiv zu sein oder was sonst noch, dann sind das aber alles gefühle die im wahren leben eine große rolle spielen können und es bringt einen doch nicht weiter, wenn man ein sanftes spielchen mit dem therapeuten spielt. meine meinung!

sei so direkt wie möglich und wenn es nicht geht, dann sprich darüber was in dir los ist in dem moment, warum es nicht geht... aber spielchen spielen bringt einen nicht weiter. ich sage bewußt "spielchen", auch wenn du es sicher nicht so empfindest...

entschuldige, wenn das hart klingt ich meine es nicht hart, sondern ich weiss einfach nicht, wie ich sonst meine gedanken auf den punkt bringen soll..

für mich liest sich das hier so: zunächst fragst du hier, ob deine wünsche oder forderungen berechtigt sind. dann bestätigen dich hier viele. vielleicht bist du erleichtert darüber. du kommst darauf zu sprechen, dass du aber eigentlich keine forderungen stellen kannst... um zu enden damit, dass du doch lieber den rechten zeitpunkt abwartest oder den zeitpunkt, wo sich das problem von selbst erledigt, weil du eh nicht mehr so oft in therapie gehts.

warum hast du hier gefragt ? ist mir nicht klar. wolltest du dich bestätigen lassen, dass du fragen darfst? dann würde jeder sagen: ja du darfst ? aber ist das die frage, um die es wirklich geht?

das hör sich für mich ehrlich danach an, als solltest du bei allernächster gelegenheit sofort mich der tür ins haus fallen Wink weil nicht das klingeln ist das problem, sondern all das was du hier angedeutet hast und das dringend in die thera gehört... sagst du nichts, wirst du weiter auf den gefühlen sitzen bleiben.

wünsche dir alles gute!

liebe grüße von

caroline

_________________
Der Kopf ist rund, damit die Gedanken die Richtung ändern können.

Last edited by carö on Sun, 12.Feb.06, 13:34; edited 2 times in total
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philipp
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Post Sun, 12.Feb.06, 13:20      Re: Während Therapiestunde ausgerastet Reply with quoteBack to top

Hallo Sternenmeer,
sternenmeer wrote:
Ich versetze mich jetzt mal in meine Person: Wenn ich (nachdem ich bisher etwas toleriert habe, wobei es mich nun zunehmend stört) den anderen vielleicht aus heiterem Himmel darauf anspreche, dass ich ein Verhalten jetzt als störend empfinde, so wirkt das für den anderen vielleicht etwas aufgebläht und künstlich hervorgewürgt. (So in der Art: Was ich Ihnen/dir schon immer mal sagen wollte...). Und das kann daher beim anderen leicht in den "falschen Hals" geraten... Daher finde ich es geschickter, eine passende Situation abzuwarten und darauf aufbauend das Gespräch zu beginnen. Denn man hat nun einen konkreten Auslöser, an dem man etwas fest machen kann - wobei man natürlich potenzielle Überreaktionen vermeiden sollte.

Ich sehe das mit dem Ansprechen von Themen genauso wie Jelka. Gerade eine Therapie bietet mir die Möglichkeit etwas (egal was) aus heiterem Himmel anzusprechen. Genau in der Art, was ich Ihnen, Herr/Frau Therapeut X schon immer sagen wollte... heute traue ich mich endlich.

Ich verstehe Therapie nicht als geschickte Gesprächsführung, wo es darum geht Überreaktionen zu vermeiden, sondern als eine Beziehung, in der ich als Patient/Analysand über alles sprechen kann, was mich betrifft, ohne Rücksicht auf den Therapeuten und dessen Gefühle nehmen zu müssen.
Wenn meinem Therapeuten etwas in den falschen Hals gerät, ist das sein Problem, nicht meines. Ein Therapeut, der ein Gespräch zur Klärung der Beziehung in falschen Hals bekommt, ist falsch in seinem Job.

sternenmeer wrote:
Jedoch: Abgesehen davon das das tiefer liegende Problem von Micky vermutlich nicht das Telefon als solches ist, liegt das hier in meinen Augen etwas anders. Hier geht es um ein (berechtigte) Kritik an der Arbeitsweise des Therapeuten verbunden mit der Bitte um Unterlassung derartiger Störungen.

Verstehe deine Aussage nicht, Sternemeer. Glaubst du wirklich, dass es dabei nur um die Kritik an der Arbeitsweise des Therapeuten geht?
An der Stelle mit dem Telefon manifestieren sich einige Probleme von Micky. Ein Problem hat im Grunde immer mehrere, unterschiedlich tief angesiedelte Ebenen, die alle zusammenwirken.

Ich würde so einem ursächlichen Konflikt mindestens eine ganze Stunde widmen. Ich würde das Thema auch dann oder gerade dann auch ansprechen, wenn es sich um eine nichtbrechtigte Kritik handeln würde. Denn wenn es mich irritiert, dann steckt da etwas für mich dahinter und zu verstehen, was das ist, lohnt sich immer.

Philipp
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Post Sun, 12.Feb.06, 14:45      Re: Während Therapiestunde ausgerastet Reply with quoteBack to top

Hallo Philipp,

Philipp wrote:
Ich verstehe Therapie nicht als geschickte Gesprächsführung, wo es darum geht Überreaktionen zu vermeiden, sondern als eine Beziehung, in der ich als Patient/Analysand über alles sprechen kann, was mich betrifft, ohne Rücksicht auf den Therapeuten und dessen Gefühle nehmen zu müssen.
Wenn bei meinem Therapeuten etwas in den falschen Hals gerät, ist das sein Problem, nicht meines. Ein Therapeut, der ein Gespräch zur Klärung der Beziehung in falschen Hals bekommt, ist falsch in seinem Job.

Jein, ich sehe das teilweise etwas anders. Lass mich versuchen, das zu erklären: Sicherlich ist es wichtig als Patient/Analysand über alles sprechen sprechen zu können, was denjenigen betrifft, ohne Rücksicht auf den Therapeuten und dessen Gefühle nehmen zu müssen. Trotzdem sehe ich meinen Therapeuten auch als Person, die ihren Job (sogar sehr gut) macht. Wenn ich einen Kritikpunkt an der Arbeitsweise hätte (z.B. fiktiv: der Therapeut macht dauernd Notizen und hört mir deswegen eingeschränkt zu; oder dauernde Gesprächsunterbrechungen aufgrund von externen Störungen), so würde ich mit ihm diesbezüglich nicht anders umgehen, als in "normalen" zwischenmenschlichen Beziehung. Und wenn mich etwas stört, dann bringe ich das (wenn möglich) in der passenden Situation an, weil es dorthin gehört.

Angenommen mein Therapeut macht ständig Notizen (s.o.), und das in jeder Therapiestunde, was ich als störend empfinden Ich habe das monatelang hingenommen und kaum dazu etwas gesagt, z.B. weil ich mich bisher nicht so recht traute. Soll ich dann in eine Sitzung gehen und anfangen: Also mich beschäftigt schon sehr lange, dass es mich stört, wenn sie ständig Notizen machen und mir währenddessen nicht zuhören? Ein berechtigter Einwand wäre sicherlich, warum ich das nicht eher angesprochen habe. Wenn ich im Laufe des Gesprächs zusätzlich überreagiere (weil ich dem nicht eher Luft gemacht habe), ist es dann "fair", zu denken, dass es nicht mein Problem ist, wenn er mit meinen Überreaktionen nicht umgehen kann. Ja sicherlich, ein Therapeut wird dies einzuordnen wissen und kann damit umgehen - aber diesen geschützen Rahmen verlasse ich nach 50 min. wieder und treffe auf "normale" Mitmenschen.

Natürlich begreife ich meine Therpie auch nicht als Erprobung der geschickten Gesprächsführung... Aber ein Therapeut ist auch nur ein Mensch, dem ich so oder so entgegen treten kann. Wenn ich etwas wünsche, ist es jedoch zielführender, wenn ich mir nicht durch Vorwürfe Luft mache, denn das führt bestenfalls zur Verlagerung des ursprünglichen Problems, wenn das Hölzchen auf Stöckchen folgt. (Durch Vorwürfe bringt man den Gegenüber in Rechtfertigungsnot). Und ich finde schon, dass folgendes evtl. als Vorwurf aufgefasst werden kann - wenngleich der Therapeut von Micky, das sicherlich einordnen kann:

Micky wrote:
Wie würde ich reagieren, wenn er meiner Bitte nicht nachkommen würde? Ich denke, dass ich dann schon sehr hässig werden und Klartext reden könnte. Ich würde wohl sagen, dass es zwar legitim sei, dass er sich durch diese Handhabung gewaltige Vorteile verschaffe, dass dies aber meiner Meinung nach nicht zu Lasten der Patienten gehen dürfe (oder so ähnlich). Aber eine solche Aggressivität bringe ich eben nur nach entsprechenden Provokationen von aussen auf, das ist mein Problem.

Ich denke, eine solche Aggressivität in Form von Vorwürfen ist hier vermeidbar, wenn man seine subjektiven Emotionen einbringt. Meint: Wenn ich argumentiere, dass mich die Telefonate aus dem Konzept bringen, meine Gedanken zerhackstückeln, ich das Gefühl habe, man widmet mir nich mehr volle Aufmerksamkeit, oder Ähnliches, und ich daher darum bitte, Telefonate zu unterbinden... so kommt man in meinen Augen "beziehungsfreundlicher" auf einen Nenner.

Falsch wäre es natürlich, die Störung gar nicht anzusprechen...

- Ende Teil 1 -
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