Ich fühle mich einfach so fremd auf der Welt

Nicht jedem fällt es leicht, mit anderen Menschen in Kontakt zu treten, "einfach" mal jemanden kennenzulernen oder sich in Gruppen selbstsicher zu verhalten. Hier können Sie Erfahrungen dazu (sowie auch allgemein zum Thema "Selbstsicherheit") austauschen.
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Blossom92
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Ich fühle mich einfach so fremd auf der Welt

Beitrag Mi., 05.02.2025, 22:03

Hallo,

ich möchte mir einfach mal von der Seele reden, wie es mir geht, da ich sonst niemanden in meinem Leben habe, den das irgendwie interessiert. Mein Leben lang hab ich schon das Gefühl fremd auf der Welt zu sein. Ich fühle mich unter anderen Menschen immer angespannt und habe das Gefühl, dass jeder nur über oberflächlichen Kram redet, lästert, grausam ist und nur leere Worte herauslässt, die er dann am Ende doch nicht hält. Ich versuche mir immer nichts anmerken zu lassen, bin stets freundlich und empathisch.

Insgeheim wünsche ich mir ja eine innige Beziehung zu einem Menschen und, dass ich für jemanden wichtig bin. In meiner Familie gab es dieses Gefühl von Liebe nie, jeder war sehr kühl zueinander und hat sein eigenes Ding gemacht. So konnte ich nie jemandem meine Gefühle anvertrauen oder wenn ich es doch mal tat, hat es niemanden interessiert. Ich habe mich immer in meine eigene kleine Welt geflüchtet, in der ich mir vorgestellt habe die große Liebe zu finden und eine Familie zu gründen und einfach glücklich zu sein. So hab ich es irgendwie geschafft die Welt zu ertragen, konnte aber gleichzeitig mit keinem realen Menschen wirklich eine innige Bindung aufbauen.

Bis ich dann endlich mit 29 einen Mann kennenlernte, bei dem ich sofort merkte, da ist eine ganz besondere Bindung da. Wir kamen recht schnell zusammen und zum ersten Mal fühlte ich mich doch nicht mehr so fremd auf der Welt. Er war so einfühlsam, lieb, tiefgründig und hat mir das Gefühl gegeben geliebt und verstanden zu werden. Wir haben sehr viele schöne Zeiten zusammen verbracht und ich dachte es würde für immer halten. Es war wie ein Traum, bis er dann nach 3 Jahren aus dem Nichts heraus Schluss machte und mir damit den Boden unter den Füßen wegriss. Ab da ging alles sehr schnell. Nach einer Woche war die Kündigung unserer Wohnung, ich verlor meinen Job, weil ich nicht mehr klar kam und ich dort noch in der Probezeit war und der Kontakt zu ihm brach komplett weg. Er sagte mir bei der Trennung noch, dass wir Seelenverwandte wären und er mich in seinem Leben behalten möchte, aber ich lehnte in dem Moment verletzt ab. An dem Tag sah ich ihn zum letzten Mal. Ich hatte mir erhofft, dass er wenigstens nochmal fragt, wo ich hingezogen bin oder irgendwie kämpft, da wir so eine starke Verbindung hatten und er wusste, dass ich außer ihm ja sonst niemanden in meinem Leben habe, aber von heute auf morgen war einfach komplett alles vorbei.

Ich komme einfach nicht mehr zurecht. Ich liebe ihn einfach so sehr. Er war der einzige Mensch in meinem Leben, der mir was bedeutet hat und bei dem ich komplett ich selbst sein konnte. Ich verstehe nicht, wie er mich so leicht vergessen kann, wenn er doch sagt ich bin seine Seelenverwandte. Ich kann einfach nicht abschließen, weil ich auch nie eine Erklärung bekommen habe und es vorher keine Anzeichen gab. Wir bestellten sogar am Vorabend noch ein neues Bett für uns und dann konnte er gar nicht schnell genug weg von mir. Ich weiß nicht, was ich jetzt vom Leben will, wie es weitergehen soll, für mich fühlt sich alles trist an. Ich finde nichts was mich ausfüllt und habe niemanden, dem ich etwas bedeute und kein Vertrauen mehr zu Menschen. Ich existiere zwar, aber lebe nicht mehr. Ich hab das Gefühl nie genug zu sein und nie jemanden zu finden, der bei mir bleibt. Kennt jemand sowas?

Dann ist da noch die Sache, dass ich das Gefühl habe vom Pech verfolgt zu sein. Egal was ich anpacke, es geht in die Hose und ich muss mich für alles immer extrem anstrengen und meistens klappt es doch nicht. Andere Leute sagen immer ich soll einfach positiv denken, aber langsam geht das nicht mehr. Ich fühle einfach nur einen riesigen Lebensschmerz in mir.

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Nili
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Beitrag Fr., 07.02.2025, 13:54

Liebe Blossom,

ich kann dich verstehen. Und es tut mir sehr leid, wies dir gerade geht und schon so lange ging. Es gibt viel mehr Menschen als du denkst, die dich verstehen können. Menschen die Tiefe schätzen und ihrem Leben haben wollen usw. und herzenswarm sind usw., Menschen die sich total allein fühlen und zu anders für die Welt. Mehr geht das auch so oft so.
Hast du schon mal eine Therapie gemacht? Ist nicht das Allheilmittel in deiner Situation. Es braucht noch viel mehr. Braucht Menschen die zu dir passen, außerhalb von Therapie. Wenn du magst schreib mir eine PN. Wenn du wirklich in Essen wohnst, hätte ich einen Theratipp für dich und kenn mich im Umkreis auch etwas aus (2, 3 Städte weiter von Essen), mit Möglichkeiten Leute zu finden eventuell die mehr passen könnten.

Alles Liebe erstmal

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Nili
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Beitrag Fr., 07.02.2025, 18:28

Wo wohnst du denn jetzt? Hast du wieder Arbeit gefunden? Es liest sich irgendwie auch suzizidal was du schreibst. Mich macht ein bisschen betroffen, dass du erst jetzt Antwort bekommen hast. Ich hoffe, du schaust noch mal hier rein. Du bist nicht allein!

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rainman33
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Beitrag Fr., 28.03.2025, 00:05

Der Threadtitel hat mich spontan angesprochen. Ich kenne das mein ganzes Leben lang..fühle mich komplett als Außerirdischer und Fremdling in der Gesellschaft. Hab mein ganzes Leben nie solche tiefen Bindungen erlebt. Gibt natürlich tausende Gründe dafür, die ich hier gar nicht anführen könnte. Aber Tatsache ist, dass es Menschen gibt, die soweit von der statistischen Normalverteilung entfernt sind, dass es praktisch nie wirklich gelingt, sich gesellschaftlich bzw. sozial jemals integrieren zu können. Ich weiß aus zahlreichen Gesprächen in Foren, dass es Menschen wie mich gibt, aber sie sind extrem selten, so selten wie ich, und es gibt im Grunde keine Lösung dafür. Ich war schon immer ein vielschichtiger Gesellschaftskritiker und Misanthrop, weil ich praktisch täglich so endlose viel negative Energie, Empathielosigkeit, Unmenschlichkeit, Konformismus, Heuchelei, mangelnde Authentizität, Opportunismus, usw. bei anderen Menschen beobachte, dass ich es kaum jemals lange irgendwo aushalte. Mir wurde auch oft zugesagt, dass ich ein besonderer Mensch wäre, was ich persönlich (natürlich) überhaupt nicht so sehe, denn nur Narren und krankhafte Egomanen oder Narzissten würden sich selbst als etwas Besonderes betrachten (Selbstwertgefühl ist etwas ganz anderes). Authentische Menschen hingegen streben ihr ganzes Leben lang nach Entwicklung, innerer Klarheit und Selbstverbesserung, in meinem Fall zum Teil zwar auch einer äußerst traumatischen Kindheit geschuldet, und aber hat auch viele andere Gründe..ich denke einfach allgemein, dass wir Menschen grundsätzlich in unserer (Bewusstseins)Entwicklung noch in den Kinderschuhen stecken. Und ich für meinen Teil hab es nie so weit geschafft, mir etwas einzureden oder eine Rolle zu spielen, nur um mich (vermeintlich) zwischendurch besser zu fühlen, und damit meine Authentizität aufs Spiel zu setzen, das entspricht einfach nicht meiner Natur..

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Weltengänger
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Beitrag Fr., 28.03.2025, 12:11

rainman33 hat geschrieben: Fr., 28.03.2025, 00:05 ... ich denke einfach allgemein, dass wir Menschen grundsätzlich in unserer (Bewusstseins)Entwicklung noch in den Kinderschuhen stecken. Und ich für meinen Teil hab es nie so weit geschafft, mir etwas einzureden oder eine Rolle zu spielen, nur um mich (vermeintlich) zwischendurch besser zu fühlen, und damit meine Authentizität aufs Spiel zu setzen, das entspricht einfach nicht meiner Natur..
Die Menschheit und jeder einzelne Mensch befindet sich in einer Entwicklung seines Bewusstseins, auch wenn es einem subjektiv nicht so erscheinen mag, auch wenn man verzweifeln könnte. Was aber macht man, wenn man sich der Entwicklung bewusst ist? Ich würde sagen, man macht ganz wie von selbst was daraus und sucht nach geeigneten Möglichkeiten, um bewusst auf den Zug nicht nur allein für sich, sondern auch für die Menschheit aufzuspringen.

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Sinarellas
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Beitrag Fr., 28.03.2025, 16:15

"Ich komme einfach nicht mehr zurecht. Ich liebe ihn einfach so sehr. Er war der einzige Mensch in meinem Leben, der mir was bedeutet hat und bei dem ich komplett ich selbst sein konnte. Ich verstehe nicht, wie er mich so leicht vergessen kann, wenn er doch sagt ich bin seine Seelenverwandte."
Das drama habe ich selbst durch, also kann ich dir aus der zukunft sagen: weiter machen, weiter gehen, auch wenn er vielleicht dein seelenverwandte war, ist er nicht dein Lebensgefährte gewesen, sondern nur ein kurzes Flackern.

druchhalten, Derealisation / Depersonalisation in GRiff kriegen, Ursprünge anschauen, Reflektieren und ab zu neuen guten Erfahrungen
..:..

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Weltengänger
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Beitrag Fr., 28.03.2025, 20:37

Seelengefährte heißt nicht Lebensgefährte! Er hat keinen Grund für die Trennung angegeben, während er mit "Seelengefährte" andeuten will, in anderer Beziehung zu dir stehen zu wollen und vielleicht auch nur so zu können. Ich denke, es wird dir nicht anderes übrig bleiben, als sich von ihm als Lebensgefährte emotional zu lösen.

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