Ich habe mich soeben hier angemeldet und hoffe auf einen respektvollen, wertschätzenden Austausch.
Mein Thema aktuell ist meine Partnerschaft. Wir sind seit anderthalb Jahren zusammen und leben aktuell in einer Fernbeziehung (ca. 400km Distanz). Wir sind beide Mitte 30 und haben trotz dessen noch nicht viel Beziehungserfahrung, ich mehr als sie.
Meistens oder zumindest oft ist es schwierig zwischen uns, besonders wenn wir längere Zeit (mehr als eine Woche) zusammen verbringen. Das wird nur dadurch getoppt, wie schwierig es ist, wenn wir uns längere Zeit nicht sehen. Es ist irgendwie ein sehr heftiges Auf und Ab. Häufig gibt es Kleinigkeiten, weswegen wir uns in die Haare geraten und uns streiten. Das kannte ich vorher nicht mit Freunden oder meiner vorherigen Partnerschaft. Es ist mir völlig neu. Dazu muss man sagen, dass sie über ihre Eltern gesagt hat, dass sie sich ständig heftigst gestritten haben und sie eigentlich nur noch deswegen nicht geschieden sind, weil ihr ganzes Umfeld streng katholisch ist und besonders die Eltern. Das ist für mich eine Erklärung, warum es mit ihr so schwer ist, Konflikte anzusprechen und zu lösen.
Nun, ich bin immer wieder am Zweifeln bzgl. dieser Beziehung. Dann bin ich aber total überwältigt, wenn sie mir unter Tränen ihre Liebe gesteht und sie möchte, dass wir kämpfen. Sie wird auf jeden Fall nicht aufgeben. Ihre anderen Dating Erfahrungen vor mir waren schlimm, weil sie so viel Ablehnung erfahren hat. Also denke ich mir, vielleicht ist es das wert, zu versuchen, dass wir unsere Kommunikationsmuster verbessern. Vielleicht haben wir eine Chance, langfristig glücklich zu werden.
Nun geht sie aber inzwischen Streit fast komplett aus dem Weg. Sie verbiegt sich oft, damit ich zufrieden sein kann und die Harmonie erhalten bleibt. Ich merke das in der Art, wie sie spricht. Dazu muss ich erwähnen, dass ich ihr oft gesagt habe, wie wichtig ich Authentizität finde und dass jeder für seine Bedürfnisse einsteht und offen Gedanken ausdrückt. Sie hat am Anfang der Beziehung mal gesagt, sie will aber nur mit mir zusammen sein. Das funktioniert aber nicht gut, weil ich feststelle, dass mich das total abtörnt und ich des Öfteren an andere Frauen denke. Manchmal träume ich sogar von anderen. Ihr Wunsch, diese Partnerschaft zu erhalten ist scheinbar so stark, dass sie willig ist, sich selbst darin zu verlieren.
Die Geschichte ist irgendwie so tragisch, weil sie alles für andere gibt und trotzdem Ablehnung erfährt und das ist ein Muster, das sie zu haben scheint. Kann ich irgendetwas tun, damit die Anziehung zwischen uns wieder neu entsteht? Bin ich nicht vielleicht genauso verantwortlich dafür? Oder was kann ich ihr kommunizieren? Einerseits denke ich mir manchmal: Ok, wenn diese Partnerschaft kaputt geht, was solls. Das ist kein gutes Zeichen und doch sind wir noch zusammen und am kämpfen. Andererseits gibt es immer wieder Momente, wo ich mich ihr stark verbunden fühle. Z.B. ist es immer dann, wenn wir uns gestritten haben und danach gemeinsam weinen können. Ich befürchte, dass sie Streits inzwischen vermeidet, weil ich immer wieder klar gemacht habe, wie schlimm ich unsere Streits finde. Vielleicht ist es aber am Ende doch besser, wenn wir uns öfter mal streiten - zumindest kann ich sie dann besser fühlen.
Was sagt ihr dazu? Kennt jemand so eine Situation?
Vielen Dank für’s Lesen

glaubehoffnung