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Di., 11.05.2021, 09:28
Wurstel
Es kommt natürlich sehr darauf an, was man da kauft. Mit 80 Euro in der Woche würde ich kaum auskommen, da kosten mich ja schon die Einkäufe von Lebensmitteln und das Essen in Gasthäusern mehr.
Die frühere Lebensgefährtin eines meiner Freunde hatte ein ähnliches Problem, wie Ihr da beschreibt. Sie war Sozialhilfeempfängerin und hat ihre monatliche Sozialhilfe gleich am ersten oder zweiten Tag für unnötige Sachen ausgegeben und sich z. B. eine sehr teure Videokamera gekauft (die kosteten damals, also in den 1990ern, noch sehr viel) und hatte dann kein Geld mehr, um sich Milch und Brot kaufen zu können. Daher ist sie dann meinem Freund (der ebenfalls Sozialhilfeempfänger war) auf der Tasche gelegen. Da die beiden dann kein Geld mehr für Essen hatten, hat sie ihn dann genötigt, die von ihr eingekauften Sachen am Flohmarkt zu verkaufen; da mußte er dann mit ihr dort stehen, obwohl er das nicht wollte. Dann kam auch noch die Polizei, und er mußte eine Strafe zahlen, weil die beiden ja keine Standgebühr bezahlt hatten - die Strafe konnte er nicht bezahlen und hätte eine Ersatzfreiheitsstrafe antreten müssen, was ihm letztlich aber zum Glück erspart geblieben ist, da seine Mutter die Strafe bezahlt hat.
Später wurde dieser Freund dann entmündigt, was aufgrund des Todes seiner Mutter passiert ist. Er hatte dann einen Sachwalter in allen Belangen und bekam von diesem 100 Euro (später 120 Euro) in der Woche auf ein Abhebekonto überwiesen. Dann gab es ziemlichen Streit zwischen ihm und seiner Lebensgefährtin wegen dem Geld - schließlich konnte er sie ja nicht mehr versorgen, wenn sie wieder am ersten Tag ihre monatliche Sozialhilfe ausgegeben hatte. Letztlich dürfte das der Grund dafür gewesen sein, daß sie sich von ihm getrennt hat. Noch später ist sie gestorben.
Mich hat ja gewundert, daß mein Freund besachwaltet ist (er hatte von seiner Mutter Einiges an Bargeld geerbt) und nicht seine Lebensgefährtin (die ja mit dem Geld viel weniger umgehen konnte als er). Wahrscheinlich deshalb, weil bei ihr ja überhaupt kein Geld vorhanden war - da hat sicher kein Rechtsanwalt ein Interesse, die Sachwalterschaft zu übernehmen.
Die Sachwalterschaft meines Freundes wurde zu jenem Zeitpunkt beendet, als die Sachwalterschaft in die Erwachsenenvertretung umgewandelt wurde. (Wahrscheinlich sind die Bedingungen für eine Erwachsenenvertretung strenger als es die für die frühere Sachwalterschaft waren.) Seitdem ist er wieder Herr über seine finanziellen und organisatorischen Angelegenheiten.
Ich kann mich erinnern, daß es einmal eine Streiterei zwischen dieser Frau und einem Marktstandler gegeben hat: Sie wollte irgendein Kleidungsstück kaufen, hatte aber lang nicht soviel Geld. Da keiner aus unserer Freizeitrunde bereit war, ihr Geld zu borgen, versuchte sie, den Preis zu drücken. Nun kann man zwar mit den Marktstandlern verhandeln, und Feilschen ist da an der Tagesordnung, aber alles hat seine Grenzen. Man kann den Preis vielleicht auf die Hälfte herunterhandeln, aber für ein Kleid, das 70 Euro kostet, nur 5 Euro bezahlen zu wollen (genauer: nicht mehr Geld zu haben), ist von vornherein zum Scheitern verurteilt. Die Frau war der Ansicht, der Händler müsse ihr das Kleid um fünf Euro verkaufen, weil sie nicht mehr Geld hat. Da er das nicht einsah, kam es zuerst zu einem Geschimpfe ihrerseits, dann auch noch zu Handgreiflichkeiten. Letztlich zog mein Freund seine Lebensgefährtin vom Stand weg, bevor sie noch den Stand demoliert und er dafür bezahlen mußte.
Ich weiß nicht, ob man das Verhalten dieser Frau unter "Kaufsucht" zusammenfassen kann. Was die Hintergründe für ihr Verhalten waren, weiß ich ebenfalls nicht. Fragen kann man sie ja nicht mehr, weil sie ja schon lange nicht mehr lebt.
Wurstel