Depression und Corona
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Depression und Corona
Ich habe seit über zwei Jahrzehnten Depressionen und genau so lange nehme ich schon Medikamente. Seit einer Woche geht es mir plötzlich so schlecht (u. a. motorische Unruhe, wie ich sie lange schon nicht mehr hatte), dass ich mich sogar auf eine Kombibehandlung (also zwei Medikamente) eingelassen habe. Das habe ich bisher immer vermieden.
Frage mich gerade, ob die Bedrohung durch Corona möglicherweise da auch eine Rolle spielt, obwohl ich bisher immer dachte, das ficht mich jetzt neben allem Anderen auch nicht mehr groß an.
Wie geht es euch damit? Habt ihr das Gefühl, dass sich Corona auf eure psychische Verfasstheit oder Erkrankung auswirkt?
Frage mich gerade, ob die Bedrohung durch Corona möglicherweise da auch eine Rolle spielt, obwohl ich bisher immer dachte, das ficht mich jetzt neben allem Anderen auch nicht mehr groß an.
Wie geht es euch damit? Habt ihr das Gefühl, dass sich Corona auf eure psychische Verfasstheit oder Erkrankung auswirkt?
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Auf meine zumindest bis jetzt absolut nicht. Ich lebe mein Leben weiter, mit den Einschränkungen die es gibt ja, aber es macht mir sonst nichts
Träume nicht Dein Leben, lebe Deinen Traum
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Das ist schön zu lesen. Bislang hab ich es ähnlich erlebt. Komme mir langsam selbst auf die Spur, dass es vermutlich mehr mit der tödlichen Bedrohung, für die Corona ja stehen kann, zusammenhängt als mit den Einschränkungen, die ich wegen des Virus erfahre. Gegenüber Menschen, die sich über staatlich aufoktroyierte Beschränkungen aufregen, habe ich auch immer so argumentiert, dass ich die "Regeln" bis dato als nicht so gravierend empfinde. Es ist natürlich alles relativ, hätte ich einen Gastronomiebetrieb, würde ich das mit Sicherheit anders sehen.
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Ich dachte auch lange Zeit, dass Corona (bis auf die paar Einschränkungen und die Sorge um Angehörige) total an mir vorbei geht.
Ich muss aber sagen, dass jetzt, wo die Zahlen so nach oben schnellen und mein Landkreis zum Risikogebiet erklärt wurde, mich das durchaus mitnimmt. Ich habe wirklich Angst vor einem neuen Lockdown und immer ein schlechtes Gefühl, wenn ich mich mit anderen Menschen treffe. Da kommt keine richtige Entspannung mehr auf. Irgendwie finde ich dieses Virus gerade sehr bedrohlich, weil es darauf hinausläuft, dass man sich wieder nicht mehr frei bewegen kann, ständig Sorge haben muss, dass man sich und damit dann vielleicht andere, Risikopatienten, etc. ansteckt.
Also, ja, ich denke, dass Corona durchaus bedrohlich auf einen wirken kann und das dann auch Einfluss auf die Stimmung hat.
Gerade wünsche ich mir einfach nur schnellstmöglich einen Impfstoff.
Ich muss aber sagen, dass jetzt, wo die Zahlen so nach oben schnellen und mein Landkreis zum Risikogebiet erklärt wurde, mich das durchaus mitnimmt. Ich habe wirklich Angst vor einem neuen Lockdown und immer ein schlechtes Gefühl, wenn ich mich mit anderen Menschen treffe. Da kommt keine richtige Entspannung mehr auf. Irgendwie finde ich dieses Virus gerade sehr bedrohlich, weil es darauf hinausläuft, dass man sich wieder nicht mehr frei bewegen kann, ständig Sorge haben muss, dass man sich und damit dann vielleicht andere, Risikopatienten, etc. ansteckt.
Also, ja, ich denke, dass Corona durchaus bedrohlich auf einen wirken kann und das dann auch Einfluss auf die Stimmung hat.
Gerade wünsche ich mir einfach nur schnellstmöglich einen Impfstoff.
Ich bin wie einer, der blindlings sucht, nicht wissend wonach noch wo er es finden könnte. (Pessoa)
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Klar beeinflusst Corona jeden Menschen, egal ob Coronaleugner oder Coronapaniker und egal ob depressiv oder nicht depressiv.
Mich beeinflusst es in meinem Handeln aber nicht in meiner Stimmung.
Ich mache jetzt so einiges nicht was ich ohne Corona öfter u gerne machen würde, aber dafür habe ich anderes entdeckt was Spaß macht und was ich ohne Corona nicht versucht hätte.
Man könnte auch Anpassungsfähigkeit nennen glaube ich
Mich beeinflusst es in meinem Handeln aber nicht in meiner Stimmung.
Ich mache jetzt so einiges nicht was ich ohne Corona öfter u gerne machen würde, aber dafür habe ich anderes entdeckt was Spaß macht und was ich ohne Corona nicht versucht hätte.
Man könnte auch Anpassungsfähigkeit nennen glaube ich
Nicht das schwarze Schaf ist anders, sondern die weißen Schafe sind alle gleich 

Im Frühjahr hat mir die damals ja neue Situation mehr zu schaffen gemacht. Also nicht die Einschränkungen, sondern die Pandemie an sich. Irgendwann kam ein gewisser Gewöhnungseffekt (mit nach wie vor großer Vorsicht), auch, weil die Zahlen im Sommer so runtergegangen sind.
Ich merke, wie ich aktuell durch den starken Anstieg wieder ein wenig angespannter werde, besonders da uns der Winter bevorsteht. Versuche aber möglichst pragmatisch ranzugehen - also aufpassen und tun was nur geht, um die eigene und die Gesundheit anderer zu schützen. Die Maßnahmen stören mich nicht weiter.
Ich merke, wie ich aktuell durch den starken Anstieg wieder ein wenig angespannter werde, besonders da uns der Winter bevorsteht. Versuche aber möglichst pragmatisch ranzugehen - also aufpassen und tun was nur geht, um die eigene und die Gesundheit anderer zu schützen. Die Maßnahmen stören mich nicht weiter.
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Danke für eure Antworten.
@Nico: Das ist sicher eine gute Strategie, flexibel sein und die Dinge, auf die man verzichten sollte, durch neue andere zu ersetzen. Zum Teil versuche ich das auch. Ich hätte bspw. nie gedacht, dass mir ein Zoom-Meeting Spaß macht. Da ist bei mir in manchen Bereichen aber auch noch Luft nach oben. Ich gehe jetzt nicht mehr schwimmen, dass sollte ich dringend durch andere körperliche Aktivitäten ersetzen.
@ Joa: Mir ging es da ähnlich, im Sommer gab es etwas Entspannung. Ich gehöre zudem zur Risikogruppe und muss mich jedes Jahr im Januar einem Kontroll-CT unterziehen. Ich finde es reicht auch schon so, wobei mir klar ist, dass ich meine Situation einfach annehmen muss, aber eine Corona-Infektion obendrauf wäre echt ein Supergau für mich.
@Nico: Das ist sicher eine gute Strategie, flexibel sein und die Dinge, auf die man verzichten sollte, durch neue andere zu ersetzen. Zum Teil versuche ich das auch. Ich hätte bspw. nie gedacht, dass mir ein Zoom-Meeting Spaß macht. Da ist bei mir in manchen Bereichen aber auch noch Luft nach oben. Ich gehe jetzt nicht mehr schwimmen, dass sollte ich dringend durch andere körperliche Aktivitäten ersetzen.
@ Joa: Mir ging es da ähnlich, im Sommer gab es etwas Entspannung. Ich gehöre zudem zur Risikogruppe und muss mich jedes Jahr im Januar einem Kontroll-CT unterziehen. Ich finde es reicht auch schon so, wobei mir klar ist, dass ich meine Situation einfach annehmen muss, aber eine Corona-Infektion obendrauf wäre echt ein Supergau für mich.
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Hi,
natürlich beeinflusst mich Corona in meiner psychischen Gesundheit. Das ist für mich so selbstverständlich geworden, dass ich fast... (aber nur fast)... ein wenig verärgert war, hier die eine oder andere abwinkende, relativierende Antwort zu lesen. Doch dann hielt ich nochmal inne. Ja, aus Sicht eines halbwegs NORMAL (im Sinne von psychisch gesunden) Menschen in einer NORMALEN Situation, da kann man das Ganze vielleicht aussitzen. Trifft allerdings hier wohl eher auf die Wenigstens zu.
Um für mich zu sprechen:
Ich bin aus verschiedenen Gründen ein Risiko-Patient für Depressionen. Kindheit. Traumatische Ehe bzw. Scheidung. Schilddrüsenproblematik.Und so weiter.Mal abgesehen davon, dass ich als Frau Ü40 mit Schilddrüsenproblemen eh ...nun ja... selbst ohne meine blöde Vergangenheit... DIE Risikopatienten für Depris schlechthin bin.
Aber da ich ja nicht dumm bin, und diese Rodeo nicht zum ersten Mal mitmache, habe ich mir natürlich wie aus dem Verhaltenstherapeutischen Bilderbuch im Laufe der Jahre eine gewisse Resilenz angeeignet, genauer gesagt: Verhaltensmuster, die mir helfen, eben NICHT in Depressionen abzurutschen.
Dieses Jahr habe ich akut mit einer Trennung zu kämpfen, also eh schon sehr gefährdet. Und was soll ich sagen? Dank Corona fielen v.a. im Lockdown, teilweise immer noch, sämtliche Strategien weg, die ich mir in jahrelanger Arbeit mit und ohne therapeutische Hilfe aneignete: Sport, Vereine, Sozialkontakte, Waldspaziergänge, Kollegenkreis, Ablenkung usw.
Na, und ob (!) mich das beeinflusst. Und da bin ich absolut nicht die Einzige. Ich lese derzeit viele Artikel über Einsamkeit. Sogar an sich gesunde, geerdete und verwurzelte Menschen leiden unter der Corona-bedingten Isolation. In entsprechenden Kreisen DAS Thema schlechthin. Wie soll es da erst denjenigen gehen, die vorbelastet sind?!
Ich sag's mal so: ich fühle mich ein wenig seitens des psychotherapeutischen System (VT) vergageiert. Jahrelang habe ich all diese Strategien aufgebaut. Erfolgreich. Und auf einmal sind sie... nutzlos. UFF. Das muss man erst mal verdauen.
Den ersten Lockdown habe ich gut überstanden, es war sogar ein bisschen so was wie eine Atmenpause vom meinem ständigen Kampf gegen das schwarze Loch. Was zwar damals gelang, aber manchmal auch unglaublich anstrengend war, ständig gegen den Sog ankämpfen zu müssen. Aber vor einem zweitem Lockdown hab ich echt Angst. Meine Reserven sind aufgebraucht.
natürlich beeinflusst mich Corona in meiner psychischen Gesundheit. Das ist für mich so selbstverständlich geworden, dass ich fast... (aber nur fast)... ein wenig verärgert war, hier die eine oder andere abwinkende, relativierende Antwort zu lesen. Doch dann hielt ich nochmal inne. Ja, aus Sicht eines halbwegs NORMAL (im Sinne von psychisch gesunden) Menschen in einer NORMALEN Situation, da kann man das Ganze vielleicht aussitzen. Trifft allerdings hier wohl eher auf die Wenigstens zu.
Um für mich zu sprechen:
Ich bin aus verschiedenen Gründen ein Risiko-Patient für Depressionen. Kindheit. Traumatische Ehe bzw. Scheidung. Schilddrüsenproblematik.Und so weiter.Mal abgesehen davon, dass ich als Frau Ü40 mit Schilddrüsenproblemen eh ...nun ja... selbst ohne meine blöde Vergangenheit... DIE Risikopatienten für Depris schlechthin bin.
Aber da ich ja nicht dumm bin, und diese Rodeo nicht zum ersten Mal mitmache, habe ich mir natürlich wie aus dem Verhaltenstherapeutischen Bilderbuch im Laufe der Jahre eine gewisse Resilenz angeeignet, genauer gesagt: Verhaltensmuster, die mir helfen, eben NICHT in Depressionen abzurutschen.
Dieses Jahr habe ich akut mit einer Trennung zu kämpfen, also eh schon sehr gefährdet. Und was soll ich sagen? Dank Corona fielen v.a. im Lockdown, teilweise immer noch, sämtliche Strategien weg, die ich mir in jahrelanger Arbeit mit und ohne therapeutische Hilfe aneignete: Sport, Vereine, Sozialkontakte, Waldspaziergänge, Kollegenkreis, Ablenkung usw.
Na, und ob (!) mich das beeinflusst. Und da bin ich absolut nicht die Einzige. Ich lese derzeit viele Artikel über Einsamkeit. Sogar an sich gesunde, geerdete und verwurzelte Menschen leiden unter der Corona-bedingten Isolation. In entsprechenden Kreisen DAS Thema schlechthin. Wie soll es da erst denjenigen gehen, die vorbelastet sind?!
Ich sag's mal so: ich fühle mich ein wenig seitens des psychotherapeutischen System (VT) vergageiert. Jahrelang habe ich all diese Strategien aufgebaut. Erfolgreich. Und auf einmal sind sie... nutzlos. UFF. Das muss man erst mal verdauen.
Den ersten Lockdown habe ich gut überstanden, es war sogar ein bisschen so was wie eine Atmenpause vom meinem ständigen Kampf gegen das schwarze Loch. Was zwar damals gelang, aber manchmal auch unglaublich anstrengend war, ständig gegen den Sog ankämpfen zu müssen. Aber vor einem zweitem Lockdown hab ich echt Angst. Meine Reserven sind aufgebraucht.
"Auch andere Wege haben schöne Steine. "
Was den Lockdown angeht, so gibt es bestimmt genug, die daran zu knabbern haben. Besonders natürlich, wenn Depressionen im Spiel sind. Es gibt aber auch das genaue Gegenteil - Menschen, die ohnehin sehr zurückgezogen leben und für die sich kaum was verändert hat. Mich macht es eher depri raus zu müssen. So ist das halt eine individuelle Sache.
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Ich bin nicht sicher, ob ich dich richtig verstehe.
Zwar kann ich mir sehr gut vorstellen, dass es für einen gewissen Schlag an Menschen sehr anstrengend, unangenehm bis beänstigend ist, hinaus zu gehen, aber nicht was dies mit einer Depression zu tun hat.
Mir ist natürlich bewusst, dass sich die Grenzen zwischen verschiedenen Störungen überschneiden, aber ich neige dazu, dies sehr differenziert zu sehen.
So kranke ich zB unter einer inneren Leere und Einsamkeit (nicht zu verwechseln mit dem Allein-Sein!) und dem Gefühl der Sinnlosigkeit. Wenn ich mich davon nicht ablenken kann, wenn ich nichts "Sinnvolles" zu tun habe bzw. wie in diesem Jahr 2020 - egal was ich mir vornahm und anfing, nichts funktioniert!- , dann gerate ich eine entsprechende Abwärtzsspirale und frage mich nur noch: "Wozu, das hat doch alles gar keinen Sinn!"...
Ich bin mir gerade echt nicht sicher... (lass mich aber gerne belehren)... ob das vergleichbar ist, mit der Anstrengung, die Introvertierte oder Angstkranke erleben, wenn sie außer Haus müssen.
Zwar kann ich mir sehr gut vorstellen, dass es für einen gewissen Schlag an Menschen sehr anstrengend, unangenehm bis beänstigend ist, hinaus zu gehen, aber nicht was dies mit einer Depression zu tun hat.
Mir ist natürlich bewusst, dass sich die Grenzen zwischen verschiedenen Störungen überschneiden, aber ich neige dazu, dies sehr differenziert zu sehen.
So kranke ich zB unter einer inneren Leere und Einsamkeit (nicht zu verwechseln mit dem Allein-Sein!) und dem Gefühl der Sinnlosigkeit. Wenn ich mich davon nicht ablenken kann, wenn ich nichts "Sinnvolles" zu tun habe bzw. wie in diesem Jahr 2020 - egal was ich mir vornahm und anfing, nichts funktioniert!- , dann gerate ich eine entsprechende Abwärtzsspirale und frage mich nur noch: "Wozu, das hat doch alles gar keinen Sinn!"...
Ich bin mir gerade echt nicht sicher... (lass mich aber gerne belehren)... ob das vergleichbar ist, mit der Anstrengung, die Introvertierte oder Angstkranke erleben, wenn sie außer Haus müssen.
"Auch andere Wege haben schöne Steine. "
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Hmm, es kann bei einer Depression aber auch das Gegenteil das Symptom sein, nämlich nicht mehr raus wollen, bzw. können, weil zbsp. keine Kraft.
Und dann kommt es dem Patienten fast entgegen wenn er eine Legitimation in Form von Corona hat, um eben nicht raus zu müssen / wolllen
Und dann kommt es dem Patienten fast entgegen wenn er eine Legitimation in Form von Corona hat, um eben nicht raus zu müssen / wolllen
Träume nicht Dein Leben, lebe Deinen Traum
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Das will ich überhaupt nicht leugnen.
Bei mir war es so, dass ich vor dem Lockdown große Angst hatte, aber als er kam, ich völlig überraschend erstmal ERLEICHTERT war. Das gab mir damals sehr zu denken.
Ja, man könnte behaupten: weil ich endlich aufhören durfte, gegen meine Rückzugsdrang und Depressionen anzukämpfen. Die Entscheidungen waren mir abgenommen. Ich war plötzlich nicht mehr in der Pflicht, all diese "verhaltenstherapeutisch" guten Aspekte 24/7 umsetzen zu müssen.
Kann ich von daher sehr gut nachvollziehen.
Langfristig überwiegen mMn aber die negativen Effekte der Isolation. Kurzfristige Erleichterung, langfristige Verschlimmerung der depressivogenen Umstände.
Ein evlt. hinkendes Beispiel:
Eine anstrengende Sporteinheit fällt aus, der Schweinehund freut sich, man ist erst mal erleichert. Aber wenn man den Körper zu lange vernachlässigt, ist es ungesund.
Worauf ich hinaus möchte:
Als "Risikopatient" für Depressionen ist es ein lebenslanger Kampf gegen das schwarze Loch. Es kann kurzfristig erleichtern, einfach mal alle 5 Gerade sein zu lassen, weil es gerade der ganzen Nation so angeht, ja, sogar angeordnet ist. Aber es hilft ja nichts: früher oder später musst du den Kampf wieder aufnehmen oder du gehst du unter.
Andere Herangehensweise:
Der erste Lockdown war auch insofern eine Erleichterung, weil ich mir über die "Einsamkeit" kaum Gedanken machen musste, weil ALLE mehr oder weniger staatlich angeordnet in Isolation waren, und es weder "meine Verantwortung" noch "meine Schuld" war.
Der psychische Einbruch kam für mich erst später, als alle wieder ihren gewohnten Weg gingen, aber ich IMMER NOCH einsam war. Na ja, Pech für mich, dass ich mich kurz vor Corona getrennt habe. Eine echt blöde Zeit für Trennungen bzw. Neuanfänge. Mein Prob.
Wie dem auch sei. Was mich nachhaltig beschäftigt: da erarbeitet man z.T. jahrzehntlange Gegenstrategien gegen die Depressionen, und auf einen Schlag sind sie fast alle hinfällig. Und um dem Ganzen die Krönung aufzusetzen: ich hatte ja wenige Wochen zuvor Therapie begonnen, aber das fiel ja auch erst mal weg!!!!! Gerade, wenn man es am Nötigstens brauchte!
Ich bleibe dabei: als psychisch gesunder, sog. normaler Mensch mag man mit so einem Lockdown und/oder den Einschränkungen vorrübergehend klar kommen, aber all die, die die psychisch akut vorbelastet sind, da wird es dann schon sehr eng.
Bei mir war es so, dass ich vor dem Lockdown große Angst hatte, aber als er kam, ich völlig überraschend erstmal ERLEICHTERT war. Das gab mir damals sehr zu denken.
Ja, man könnte behaupten: weil ich endlich aufhören durfte, gegen meine Rückzugsdrang und Depressionen anzukämpfen. Die Entscheidungen waren mir abgenommen. Ich war plötzlich nicht mehr in der Pflicht, all diese "verhaltenstherapeutisch" guten Aspekte 24/7 umsetzen zu müssen.
Kann ich von daher sehr gut nachvollziehen.
Langfristig überwiegen mMn aber die negativen Effekte der Isolation. Kurzfristige Erleichterung, langfristige Verschlimmerung der depressivogenen Umstände.
Ein evlt. hinkendes Beispiel:
Eine anstrengende Sporteinheit fällt aus, der Schweinehund freut sich, man ist erst mal erleichert. Aber wenn man den Körper zu lange vernachlässigt, ist es ungesund.
Worauf ich hinaus möchte:
Als "Risikopatient" für Depressionen ist es ein lebenslanger Kampf gegen das schwarze Loch. Es kann kurzfristig erleichtern, einfach mal alle 5 Gerade sein zu lassen, weil es gerade der ganzen Nation so angeht, ja, sogar angeordnet ist. Aber es hilft ja nichts: früher oder später musst du den Kampf wieder aufnehmen oder du gehst du unter.
Andere Herangehensweise:
Der erste Lockdown war auch insofern eine Erleichterung, weil ich mir über die "Einsamkeit" kaum Gedanken machen musste, weil ALLE mehr oder weniger staatlich angeordnet in Isolation waren, und es weder "meine Verantwortung" noch "meine Schuld" war.
Der psychische Einbruch kam für mich erst später, als alle wieder ihren gewohnten Weg gingen, aber ich IMMER NOCH einsam war. Na ja, Pech für mich, dass ich mich kurz vor Corona getrennt habe. Eine echt blöde Zeit für Trennungen bzw. Neuanfänge. Mein Prob.
Wie dem auch sei. Was mich nachhaltig beschäftigt: da erarbeitet man z.T. jahrzehntlange Gegenstrategien gegen die Depressionen, und auf einen Schlag sind sie fast alle hinfällig. Und um dem Ganzen die Krönung aufzusetzen: ich hatte ja wenige Wochen zuvor Therapie begonnen, aber das fiel ja auch erst mal weg!!!!! Gerade, wenn man es am Nötigstens brauchte!
Ich bleibe dabei: als psychisch gesunder, sog. normaler Mensch mag man mit so einem Lockdown und/oder den Einschränkungen vorrübergehend klar kommen, aber all die, die die psychisch akut vorbelastet sind, da wird es dann schon sehr eng.
"Auch andere Wege haben schöne Steine. "
Bei mir wirkt sich Corona ganz klar auf meine Verfassung aus.
Was mich besonders belastet, ist das ich nicht weiß, wie sich das entwickeln wird. Was geht oder geht nicht in den nächsten Wochen und Monaten.
Mir fehlt Nähe, auch wenn ich nur ganz wenig davon aushalten kann. Mir fehlt die Sicherheit, dass mein Unterstützungsnetzwerk mir hilft. Ich bin Single und fürchte ein langes „Eingesperrtsein“
Dazu gehöre ich klar zur Risikogruppe, weil stark immunsupprimiert.
Aber ich habe auch Hoffnung, dass wir genug Zusammenhalt und Kreativität finden um da halbwegs durchzukommen.
Was mich besonders belastet, ist das ich nicht weiß, wie sich das entwickeln wird. Was geht oder geht nicht in den nächsten Wochen und Monaten.
Mir fehlt Nähe, auch wenn ich nur ganz wenig davon aushalten kann. Mir fehlt die Sicherheit, dass mein Unterstützungsnetzwerk mir hilft. Ich bin Single und fürchte ein langes „Eingesperrtsein“
Dazu gehöre ich klar zur Risikogruppe, weil stark immunsupprimiert.
Aber ich habe auch Hoffnung, dass wir genug Zusammenhalt und Kreativität finden um da halbwegs durchzukommen.
Ich kann keine Maske tragen (auch sonst nichts als Ersatz), und ich leide darunter, dass ich überall in Geschäften auffalle (ich hasse es, aufzufallen), und mir wahrscheinlich auch viele negative Gefühle entgegenschlagen, auch wenn sie nicht geäußert werden. Deshalb reduziere ich alles, wofür man Maske tragen müsste, auf das Notwendigste.
Da ich seit Kindheit unter dem Gefühl leide, abgelehnt zu werden, ist das für mich besonders schlimm, und ich kann weder etwas dafür noch kann ich etwas daran ändern, dass ich keine Maske tragen kann. Verstehen tut das aber keiner, allenfalls diejenigen, denen es genauso geht. Da bin ich wieder mal genauso Alien wie im Rest meines Lebens.
Von Zusammenhalt spüre ich in der Gesellschaft gerade nichts, vielmehr geht es nur noch gegeneinander. Andere werden nur noch als Gesundheitsrisiko wahrgenommen, nicht mehr als Menschen.
Mit dem Lockdown an sich hatte ich weniger Schwierigkeiten. Beruflich hat mir das einige Erleichterungen verschafft. Ein erneuter Lockdown wäre daher für mich persönlich sogar gut, aber mir würden die vielen Menschen leid tun, die dann ihre Lebensgrundlage verlieren, und ich möchte mir nicht ausrechnen, wieviele Menschen dadurch dann depressiv werden. Wenn man sich im Leben etwas aufgebaut hat, und dann geht es kaputt wegen sowas, dann ist das vermutlich nicht für jeden leicht wegzustecken.
Vor einer Ansteckung habe ich weniger Angst, die meisten Verläufe sind harmlos. Wer zur Risikogruppe gehört, geht natürlich anders damit um, aber ich denke, man tut sich selbst keinen Gefallen, wenn man in Panik verfällt. Leider wird die Angst täglich in den Medien neu geschürt. Ich denke, da wäre auch ein anderer Umgang möglich.
Da ich seit Kindheit unter dem Gefühl leide, abgelehnt zu werden, ist das für mich besonders schlimm, und ich kann weder etwas dafür noch kann ich etwas daran ändern, dass ich keine Maske tragen kann. Verstehen tut das aber keiner, allenfalls diejenigen, denen es genauso geht. Da bin ich wieder mal genauso Alien wie im Rest meines Lebens.
Von Zusammenhalt spüre ich in der Gesellschaft gerade nichts, vielmehr geht es nur noch gegeneinander. Andere werden nur noch als Gesundheitsrisiko wahrgenommen, nicht mehr als Menschen.
Mit dem Lockdown an sich hatte ich weniger Schwierigkeiten. Beruflich hat mir das einige Erleichterungen verschafft. Ein erneuter Lockdown wäre daher für mich persönlich sogar gut, aber mir würden die vielen Menschen leid tun, die dann ihre Lebensgrundlage verlieren, und ich möchte mir nicht ausrechnen, wieviele Menschen dadurch dann depressiv werden. Wenn man sich im Leben etwas aufgebaut hat, und dann geht es kaputt wegen sowas, dann ist das vermutlich nicht für jeden leicht wegzustecken.
Vor einer Ansteckung habe ich weniger Angst, die meisten Verläufe sind harmlos. Wer zur Risikogruppe gehört, geht natürlich anders damit um, aber ich denke, man tut sich selbst keinen Gefallen, wenn man in Panik verfällt. Leider wird die Angst täglich in den Medien neu geschürt. Ich denke, da wäre auch ein anderer Umgang möglich.
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Genau so ist es auch bei mirCandykills hat geschrieben: Fr., 16.10.2020, 14:54 Ich dachte auch lange Zeit, dass Corona (bis auf die paar Einschränkungen und die Sorge um Angehörige) total an mir vorbei geht.
Ich muss aber sagen, dass jetzt, wo die Zahlen so nach oben schnellen und mein Landkreis zum Risikogebiet erklärt wurde, mich das durchaus mitnimmt. [...]
Mein Landkreis ist plötzlich auch über 35 und das macht genauso plötzlich mehr mit mir als ich noch vor monaten dachte.
Eine diffuse Angst, die mir aufs gemüt schlägt.
..:..
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