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ExtraordinaryGirl
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Beitrag Di., 04.03.2025, 11:00

candle. hat geschrieben: Mo., 03.03.2025, 16:42 Nichts gegen dich EOG, dafür kenne ich dich hier zu lange und will da auch nicht ungerecht sein, aber das ist doch das Problem, dass keiner mehr über sich reden will. Das sehe ich ja laufend hier im Forum und finde es absolut schade. Nun drückt "man" seine Aggressivität und Wut dann über diese Meldungen aus, sehr schade! Aber wie gesagt, das ist allgemein gesagt und nicht speziell gegen dich, sondern für mich augenfällig hier im Forum und teilweise auch in der realen Welt.
:) Kein Problem. Das mit dem "Nicht über mich reden." habe ich geschrieben, weil ich lieber an die Opfer denken würde, statt mich um mich selbst zu drehen. Grundsätzlich finde ich es aber gut, dass du fragst und versuchst, etwas zu verstehen.
Und über was informierst du dich da? Ich versuche das auch manchmal, komme aber in Bezug zu meiner Familie einfach nicht dahinter. Vielleicht vererbt sich "das Böse" doch auch genetisch? Zur Zeit wird das ja noch abgelehnt. Aber OT.
Ja, OT. Aber: Was deine Familie angeht ... Ich weiss gerade nicht, was sie getan haben, aber was es auch immer ist - sexuelle Übergriffe, körperliche Gewalt, emotionale Gewalt oder Vernachlässigung ... Dazu gibt es Fachliteratur, zu Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten. Oder du fragst deine Therapeutin oder deinen Therapeuten, falls du gerade in Therapie bist (die sind ja "vom Fach"). Ich würde das tun, es dient der Weiterentwicklung.

Das klingt vielleicht seltsam und vielleicht bin ich ein Einzelfall, aber bei meiner Familie war es ja so, dass mir Emotionen oder Schuldzuweisungen nicht weitergeholfen haben. Aus dem einfachen Grund, dass die Täter stärker waren und oft selbst eine Impulskontrollstörung haben. Und weil's an die Substanz ging, hatte ich auch keine Zeit darauf, zu warten, dass die Gesellschaft mich rettet. Also habe ich mich informiert. Das hat mir auch geholfen, für meine Rechte einzustehen. Als Kind fühlt man sich manchmal abhängig von den Eltern und glaubt, ohne sie verloren zu sein. Und manche Täter wenden anderen gegenüber Gewalt an usw., um sich selbst zu erhöhen. Die rechnen nicht damit, dass sich das Opfer wehrt (was für Opfer auch ein Vorteil sein kann, jemand, der sich nicht bedroht fühlt, wird unachtsam. Aber das gilt wohl nur, wenn man langfristiger Gewalt ausgesetzt ist ...).
Ich sehe aber auch einen Unterschied zwischen notwendiger Recherche oder Dingen wie "True Crime", bei denen man aus dem Leid anderer einen Kick zieht (ist nicht als Angriff gemeint, falls das hier jemand mag).
Man kann wohl aus beiden einen Kick ziehen.
Ja, vielleicht. Also, mir gibt es keinen Kick. In der Realität ist es für die Opfer schrecklich und die Täter sind krank (und nicht mächtig oder so).
Was ist, wenn es um Empathie für die Opfer geht?
Beide fragen werde ich mal getrennt betrachten.
Nun, ehrlich gesagt, da will ich dir auch nicht zu nahe treten, denke ich nicht, dass es sich ausschließlich um Empathie dreht. Und wenn ja: Was haben denn die Opfer jetzt davon?
Die Toten? Die haben nichts mehr davon. Den Überlebenden kann es sehr helfen, wenn sie mit einem belastenden Erlebnis nicht alleine gelassen werden, sondern die Gesellschaft eingreift und hilft. Das kann den Unterschied zwischen schneller Genesung und jahrelangen psychischen Problemen machen. Vielleicht, weil es wichtig ist, dass auf etwas Belastendes wieder etwas Positives folgt.
Würden die an meiner Tür klingeln und mich trösten dann wäre das für mich eher empathisch, aber auch ich mußte mittlerweile lernen, dass man in der ersten Notfallsituation einfach eine Schlagzeile bleibt und es klingelt eben GAR KEINER. Und da frage ich mich auch, ob so mancher gerne den Kick mitnimmt und einen weiter alleine im Dreck sitzen läßt? Denn die Menschen leiden eben länger als nur diesen einen Tag.
Okay. Das verstehe ich. Aber es muss ja nicht bei der Schlagzeile bleiben. Man kann auch Aufmerksamkeit generieren, damit man zusammen als Gesellschaft etwas verbessern kann. Oder schließt du das für dich aus?

...

Der Täter von Mannheim ist Deutscher ohne Migrationshintergrund. Angeblich psychisch krank (und hat eine rechte Vergangenheit). Mittlerweile frage ich mich manchmal, ob psychisch krank hier nicht eine Ausrede dafür ist, dass die Täter keine Verantwortung übernehmen müssen und fröhlich weitermachen können ... Aber vermutlich fühle ich mich nur ohnmächtig.
"Charakter zeigt sich in der Krise."

(Helmut Schmidt)

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Beitrag Di., 04.03.2025, 11:31

Ich frage mich, welche Täter, Amokläufer, Mörder, usw. also das ganze Paket, nicht psychisch krank ist. Irgendwas ist ja immer, das macht doch niemand - einfach so, der keinen festen Knacks in der Birne hat.

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candle.
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Beitrag Di., 04.03.2025, 11:32

ExtraordinaryGirl hat geschrieben: Di., 04.03.2025, 11:00 Dazu gibt es Fachliteratur, zu Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten. Oder du fragst deine Therapeutin oder deinen Therapeuten, falls du gerade in Therapie bist (die sind ja "vom Fach"). Ich würde das tun, es dient der Weiterentwicklung.
Bei mir scheint es tatsächlich so "anders" zu sein, dass ich noch rein gar nichts gefunden habe, auch Therapeuten können mir dazu nichts sagen, deshalb denke ich ja, dass es Familien gibt wo das unreflektiert weitergegeben wird. Wo soll ich die Ursache suchen. Mittlerweile schleppt sich das Drama in die 4.Generation. Ich denke manchmal, dass es einfach böse Menschen gibt und ich habe Mühe mich nicht so zu sehen. Weiterentwicklung passiert, denke ich, zumindest bei mir schon, aber das muß nicht ausschließlich mit Therapie zu tun haben. Das ist ja eh nur eine Hilfskrücke und dann muß man da draußen zurechtkommen.
Das klingt vielleicht seltsam und vielleicht bin ich ein Einzelfall, aber bei meiner Familie war es ja so, dass mir Emotionen oder Schuldzuweisungen nicht weitergeholfen haben.
So bin ich ja auch drauf, glaube aber, dass das eher mein Charakter ist und kein Kalkül.
Als Kind fühlt man sich manchmal abhängig von den Eltern und glaubt, ohne sie verloren zu sein.
Bedeutet das, dass du früh von Zuhause abgehauen bist?
Den Überlebenden kann es sehr helfen, wenn sie mit einem belastenden Erlebnis nicht alleine gelassen werden, sondern die Gesellschaft eingreift und hilft.
Die Realität ist aber, dass diese Menschen allein gelassen werden. Brauchst du nur mal die diversen Dokus schauen wie diese Menschen um Therapieplätze, finanzielle Unterstützung und Anerkennung kämpfen müssen. Ein paar warme Worte im Internet helfen da wenig.
damit man zusammen als Gesellschaft etwas verbessern kann. Oder schließt du das für dich aus?
Wie denn? Mir ist es damals nicht mal gelungen beim Wei..en R...g Gehör zu finden. Ein einzelner Mensch kann da wenig ausrichten, weil es schlichtweg niemanden interessiert. Ich gehöre nicht zu denen, die von Institutionen "mißhandelt" wurde. Die haben ja nun ihre Aufmerksamkeit, da kann ich gar nicht hinkommen.
Mittlerweile frage ich mich manchmal, ob psychisch krank hier nicht eine Ausrede dafür ist, dass die Täter keine Verantwortung übernehmen müssen und fröhlich weitermachen können ... Aber vermutlich fühle ich mich nur ohnmächtig.
Ohnmächtig, wieso? Ich habe mich gestern gerade gewundert, weil vor Jahren wäre wohl von einem erweiterten Suizid gesprochen worden. Das Wort "Suizid" wird ja nun auch nicht mehr in den Mund genommen. Nun sind das immer Anschläge und Amoktaten. Vielleicht sehe ich das auch falsch mit den Begrifflichkeiten.

Und was ist mit all den anderen Taten? Die sind doch vergessen. Lange habe ich nichts mehr gehört von dem psychisch kranken Piloten, der sehr viele Menschen umgebracht hat.

Ich denke, dass das Problem auch in uns als Gesellschaft liegt und das war leider auch schon immer so. Wir müßten alle insgesamt weicher und wärmer werden, aber der Trend geht tatsächlich dahin dass sich jeder selber der nächste ist.

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Beitrag Di., 04.03.2025, 11:36

Eskalation hat geschrieben: Di., 04.03.2025, 11:31 Ich frage mich, welche Täter, Amokläufer, Mörder, usw. also das ganze Paket, nicht psychisch krank ist. Irgendwas ist ja immer, das macht doch niemand - einfach so, der keinen festen Knacks in der Birne hat.
An sich sehe ich das ja auch so. Aber die Frage ist, wie man damit umgeht bzw. ob wir als Gesellschaft ein Interesse daran haben, solche Täter zukünftig zu stoppen. Wenn nicht, kann man "psychisch krank" durchaus als Ausrede verstehen.

Als jemand, der ja nun selbst Gewaltopfer war und daher auch weiss, wie schlimm das ist, würde ich solche Taten gerne verhindern. Dafür müssen (potenzielle) Täter aber auch an sich selbst arbeiten wollen.
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Beitrag Di., 04.03.2025, 11:54

Es sollte so sein, dass auch Männern zig Hilfsangebote zur Verfügung stünden. Prävention, es gibt allerlei Hilfe für Gewaltopfer, was natürlich wichtig ist, diese sind jedoch mehrheitlich auf Frauen ausgerichtet. Wenn man etwas ändern will, muss man auch den Männern Wege aufzeigen, allgemein mehr Hilfe stellen und beweisen, dass auch sie gesehen werden und Änderungen angestrebt würden. Opfern wie auch vielleicht baldigen Tätern.

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Beitrag Di., 04.03.2025, 12:07

candle. hat geschrieben: Di., 04.03.2025, 11:32 Bei mir scheint es tatsächlich so "anders" zu sein, dass ich noch rein gar nichts gefunden habe, auch Therapeuten können mir dazu nichts sagen, deshalb denke ich ja, dass es Familien gibt wo das unreflektiert weitergegeben wird. Wo soll ich die Ursache suchen. Mittlerweile schleppt sich das Drama in die 4.Generation. Ich denke manchmal, dass es einfach böse Menschen gibt und ich habe Mühe mich nicht so zu sehen. Weiterentwicklung passiert, denke ich, zumindest bei mir schon, aber das muß nicht ausschließlich mit Therapie zu tun haben. Das ist ja eh nur eine Hilfskrücke und dann muß man da draußen zurechtkommen.
Also siehst du dich in einer Reihe mit deiner Familie? Mir persönlich geht es darum, wie man Täter bekämpfen kann, nicht darum, Täter zu sein (das ist auch ein Thema, das mich beschäftigt, aber das ist nicht das Gleiche. Ich finde es sehr verständlich, dass einem negative Ereignisse in der Entwicklungsphase der Kindheit/Jugend langfristig prägen. Aber es gibt Menschen, die sich weiterentwickeln, die dienen mir als Vorbild).

Zu psychisch kranken Straftätern/Gewalttätern gibt es einen ganzen Bereich in der Psychiatrie, nämlich die forensische Psychiatrie.

Als Mittel zum Wehren gegen Gewalttäter finde ich Hintergrundwissen hilfreich, Gewalttäter behandeln zu können ist etwas anderes. Meine Ex-Therapeutin (ich habe sie gefragt) hat sich z. B. bewusst dagegen entschieden, weil man manchen Menschen nur schwer helfen kann, sie einem selbst aber wiederum schwer schaden können.
Das klingt vielleicht seltsam und vielleicht bin ich ein Einzelfall, aber bei meiner Familie war es ja so, dass mir Emotionen oder Schuldzuweisungen nicht weitergeholfen haben.
So bin ich ja auch drauf, glaube aber, dass das eher mein Charakter ist und kein Kalkül.
Das ist okay. Ich musste mich bewusst dafür entscheiden und den Preis bezahlen (Probleme mit dem Zugang zu Emotionen).
Bedeutet das, dass du früh von Zuhause abgehauen bist?
Nein. Aber ich wusste als Kind z. B. nicht, dass ich zur Polizei gehen kann bzw. habe ich das nicht für möglich gehalten, weil meine Familie sehr dominant und machtausübend war. Ich musste innerlich wachsen, bevor ich sagen konnte "Wenn du das nochmal machst, gehe ich zur Polizei und zeige dich an."
Den Überlebenden kann es sehr helfen, wenn sie mit einem belastenden Erlebnis nicht alleine gelassen werden, sondern die Gesellschaft eingreift und hilft.
Die Realität ist aber, dass diese Menschen allein gelassen werden. Brauchst du nur mal die diversen Dokus schauen wie diese Menschen um Therapieplätze, finanzielle Unterstützung und Anerkennung kämpfen müssen. Ein paar warme Worte im Internet helfen da wenig.
Sicher. Allerdings ... Ich bin Optimistin aus Prinzip. Ich kann nicht einfach sagen "Ich werde allein gelassen und das bleibt jetzt auch so.". Weil es manchmal um substanzielle Belastungen wie den Tod geht, und da meldet sich bei mir der Überlebensinstinkt.

Nein ... Ich bin davon überzeugt, dass die Gesellschaft wenigstens in Teilen gut ist (nur nicht immer das direkte Umfeld) und wir zusammen viel erreichen können, wenn wir eben auch wollen und es versuchen.

Aber vielleicht irre ich mich auch.
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Beitrag Di., 04.03.2025, 12:17

Eskalation hat geschrieben: Di., 04.03.2025, 11:54 Es sollte so sein, dass auch Männern zig Hilfsangebote zur Verfügung stünden. Prävention, es gibt allerlei Hilfe für Gewaltopfer, was natürlich wichtig ist, diese sind jedoch mehrheitlich auf Frauen ausgerichtet. Wenn man etwas ändern will, muss man auch den Männern Wege aufzeigen, allgemein mehr Hilfe stellen und beweisen, dass auch sie gesehen werden und Änderungen angestrebt würden. Opfern wie auch vielleicht baldigen Tätern.
Auch dafür bin ich und das gibt es zum Teil auch schon. Aber auch hier wieder: Das muss man wollen. Wie viele Männer sagen "Ja, ICH habe ein Problem." und gehen in Therapie? Und wie viele hetzen stattdessen gegen andere? Ausländer, Frauen usw.?

Ich war schon immer dafür, dass auch Männern Hilfsangebote zur Verfügung stellen. Aber nochmal: Das muss man auch wollen, man muss sich selbst reflektieren und an sich arbeiten. Das tun enttäuschend wenige Menschen.
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Beitrag Di., 04.03.2025, 12:59

ExtraordinaryGirl hat geschrieben: Di., 04.03.2025, 12:07 Also siehst du dich in einer Reihe mit deiner Familie?
Ich verstehe die Frage nicht? Wie meinst du das?
Mir persönlich geht es darum, wie man Täter bekämpfen kann, nicht darum, Täter zu sein
Für mich persönlich ein etwas schräger Gedankengang. Wie hast du denn deine Erziehungsberechtigten bekämpft? (Das ist nicht mein Ansinnen in Realität, aber in mir drin will ich sie schon loswerden. :anonym: ) Und: Es wird ja auch nicht jedes "Kind" zum Täter, das wird ja auch im Moment mehrfach besprochen.
Ich musste mich bewusst dafür entscheiden und den Preis bezahlen (Probleme mit dem Zugang zu Emotionen).
Das habe ich auch nicht verstanden. Wir reden ja jetzt von der Kindheit? Inwieweit ist es da möglich sich bewußt zu entscheiden? Und war da nicht mal von Autismus die Rede?
"Wenn du das nochmal machst, gehe ich zur Polizei und zeige dich an."
Und das hat funktioniert? Das finde ich bemerkenswert!
Sicher. Allerdings ... Ich bin Optimistin aus Prinzip. Ich kann nicht einfach sagen "Ich werde allein gelassen und das bleibt jetzt auch so.". Weil es manchmal um substanzielle Belastungen wie den Tod geht, und da meldet sich bei mir der Überlebensinstinkt.
Das habe ich auch nicht verstanden. Aber du mußt jetzt auch nicht auf jeden Punkt eingehen, mich irritierte das nur gerade mit dem Tod.

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Beitrag Di., 04.03.2025, 17:23

candle. hat geschrieben: Di., 04.03.2025, 12:59
ExtraordinaryGirl hat geschrieben: Di., 04.03.2025, 12:07 Also siehst du dich in einer Reihe mit deiner Familie?
Ich verstehe die Frage nicht? Wie meinst du das?


Weil du geschrieben hast:
Mittlerweile schleppt sich das Drama in die 4.Generation. Ich denke manchmal, dass es einfach böse Menschen gibt und ich habe Mühe mich nicht so zu sehen. .
Ich versuche nur, das zu verstehen.
Mir persönlich geht es darum, wie man Täter bekämpfen kann, nicht darum, Täter zu sein
Für mich persönlich ein etwas schräger Gedankengang. Wie hast du denn deine Erziehungsberechtigten bekämpft? (Das ist nicht mein Ansinnen in Realität, aber in mir drin will ich sie schon loswerden. :anonym: ) Und: Es wird ja auch nicht jedes "Kind" zum Täter, das wird ja auch im Moment mehrfach besprochen.
So zum Beispiel:
"Wenn du das nochmal machst, gehe ich zur Polizei und zeige dich an."
Und das hat funktioniert? Das finde ich bemerkenswert!
Und ja, es hat geklappt. Es gibt nun einmal Täter, die gar nicht damit rechnen, dass ihre Opfer sich wehren, und das kann man nutzen.

Ich wurde angegriffen, habe das gesagt und bin danach aber aus dem Haus geflüchtet, weil ich wusste, dasss der Täter ausrasten würde. Die Gewalt hat danach aufgehört.
(Das ist nicht mein Ansinnen in Realität, aber in mir drin will ich sie schon loswerden. :anonym: )
Innen drin bedeutet Erinnerung? Oder hast du noch Umgang mit ihnen? Erinnerungen sind eine Sache, die belasten mich auch. Mir ging's darum, wie man sich gegen reale Gewalt wehrt.
Ich musste mich bewusst dafür entscheiden und den Preis bezahlen (Probleme mit dem Zugang zu Emotionen).
Ja, von einer einzigen Person habe ich die Diagnose erhalten. ;) In meinem Umfeld denkt niemand, dass ich das habe - weil ich sehr wohl kann, wenn ich will. Und manche Symptome können ebenso gut von einem psychischen Trauma herrührren wie von einer angeborenen Erkrankung ... Diagnostik ist kompliziert, deshalb überlasse ich das den Fachleuten.

Manchmal verstehe ich solche Fragen so, dass du mir nicht glaubst. Aber es sind nun einmal nicht alle Menschen gleich.
Sicher. Allerdings ... Ich bin Optimistin aus Prinzip. Ich kann nicht einfach sagen "Ich werde allein gelassen und das bleibt jetzt auch so.". Weil es manchmal um substanzielle Belastungen wie den Tod geht, und da meldet sich bei mir der Überlebensinstinkt.
Ja. Ich gehe nicht gerne darauf ein, weil es mir schwer fällt, darüber zu reden. Für Gewaltopfer absolut nichts Ungewöhnliches. Aber ich wäre ja fast umgebracht worden. In so einer Situation denke ich nicht: Ich leide jetzt mal eine Weile vor mich hin und sehe, wo das hinführt, weil: Überlebensinstinkt.

Und diese Mentalität ist mir geblieben, auch wenn ich mittlerweile keinen Kontakt mehr zu meiner Familie habe.
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Beitrag Di., 04.03.2025, 18:10

ExtraordinaryGirl hat geschrieben: Di., 04.03.2025, 17:23
candle. hat geschrieben: Di., 04.03.2025, 12:59 Ich verstehe die Frage nicht? Wie meinst du das?


Weil du geschrieben hast:
Mittlerweile schleppt sich das Drama in die 4.Generation. Ich denke manchmal, dass es einfach böse Menschen gibt und ich habe Mühe mich nicht so zu sehen. .
Ich versuche nur, das zu verstehen.
Ja, ich versuche auch dich zu verstehen. Und "Reihe" ist für mich abstrakt. Soll das bedeuten, dass ich wie sie bin? Nein, bin ich nicht. Oder wie man so schön sagt, dass ich das kranke System nicht weiterführe, der Rest der Familie schon. Falls das so gemeint ist?
Ich wurde angegriffen, habe das gesagt und bin danach aber aus dem Haus geflüchtet, weil ich wusste, dasss der Täter ausrasten würde. Die Gewalt hat danach aufgehört.
Ich denke, dass das was du erlebt hast extrem selten ist. Ich wurde ja vorher schon "geimpft", wenn ich Dies oder Das tue alles für mich noch schlimmer wird. Was sollte ich da tun?
Ich sah auch mal eine Doku wo ein Jugendlicher zum Jugendamt gegangen ist und ins Heim wollte. Und was passierte? Er wurde postwendend wieder nach Hause geschickt. ::?
Außerdem war es in meiner Zeit noch legitim so mit seinen Kindern umzugehen.
Innen drin bedeutet Erinnerung? Oder hast du noch Umgang mit ihnen? Erinnerungen sind eine Sache, die belasten mich auch. Mir ging's darum, wie man sich gegen reale Gewalt wehrt.
Ja, in Erinnerung. Es war lange Zeit als hätte ich gefühlt ein drittes ICH in mir, dass wie die Eltern sprach.
Naja, reale Gewalt sind ja nicht diese Phänomene wie sie hier gepostet werden, sondern eher Mobbing in Schulen oder Gewalt in der Familie oder so. Allgemein ist es ja doch deutlich runtergegangen mit Fremdtätern. Ich fand es immer schon erstaunlich, dass ich außerhalb meines Wohnraumes sicherer war als innerhalb.
Ja, von einer einzigen Person habe ich die Diagnose erhalten. ;) In meinem Umfeld denkt niemand, dass ich das habe - weil ich sehr wohl kann, wenn ich will. Und manche Symptome können ebenso gut von einem psychischen Trauma herrührren wie von einer angeborenen Erkrankung ... Diagnostik ist kompliziert, deshalb überlasse ich das den Fachleuten.
Na gut, aber das bleibt bei mir ein Buch mit sieben Siegeln. Ich weiß, dass ich eine Zeit hatte da habe ich Krimis geschaut, die wirklich nicht schön waren, weil ich dachte, dass mich das heilt, wenn ich mich da schlimmeren Dingen "aussetze". Es tat mir aber sichtlich nicht gut und bin auf nette Familienserien umgestiegen. Das ist eben die Frage: Macht "man" das um zu heilen mit dem Posten oder liegt es an Autismus wo man vielleicht so einen Hang hat zu bestimmten Dingen, so eine Art Fixierung, denn zum Krieg postest du ja z. B. gar nichts?
Helfen tut das Betroffenen jedenfalls nicht. Mir auch nicht, wenn ich darüber nachdenke. Im Gegenteil halte ich mich auch einfach von schlechten Nachrichten fern, die habe ich eh schon zu Hauf in meinen Leben.
Manchmal verstehe ich solche Fragen so, dass du mir nicht glaubst. Aber es sind nun einmal nicht alle Menschen gleich.
Doch, ich glaube dir. Ich interessiere mich aber schon immer sehr für Menschen, besonders innerfamiliäre Interaktionen bzw. dysfunktionale Familiensysteme. Nun könnte ich mich oder du fragen wieso? Vielleicht suche ich auch nur nach dem Warum? Du hast ja gesehen, dass es geklappt hat mit Androhung der Polizei, bei mir hätte das nicht funktioniert. Das ist doch schon mal sehr interessant und spannend. Hat auch was, dass deine Familie sich ändern konnte.
Ja. Ich gehe nicht gerne darauf ein, weil es mir schwer fällt, darüber zu reden. Für Gewaltopfer absolut nichts Ungewöhnliches. Aber ich wäre ja fast umgebracht worden. In so einer Situation denke ich nicht: Ich leide jetzt mal eine Weile vor mich hin und sehe, wo das hinführt, weil: Überlebensinstinkt.
Naja, bis man nicht weiß was los ist, leidet man. Ich habe auch erst Mitte 30 meinen ersten Therapiekontakt gehabt. Ich wußte das nicht besser. Therapeuten haben das entweder als starke Resilienz gesehen oder sogar, dass ich gar nichts habe, weil ich viel früher hätte "krank" sein müssen. War nicht hilfreich.

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Beitrag Di., 04.03.2025, 21:01

candle. hat geschrieben: Di., 04.03.2025, 18:10 Ja, ich versuche auch dich zu verstehen. Und "Reihe" ist für mich abstrakt. Soll das bedeuten, dass ich wie sie bin? Nein, bin ich nicht. Oder wie man so schön sagt, dass ich das kranke System nicht weiterführe, der Rest der Familie schon. Falls das so gemeint ist?
Na ja, du hast eben geschrieben:
Ich denke manchmal, dass es einfach böse Menschen gibt und ich habe Mühe mich nicht so zu sehen. .
Also siehst du dich auch als böse? Gibt ja auch transgenerationales Trauma.
Ich denke, dass das was du erlebt hast extrem selten ist. Ich wurde ja vorher schon "geimpft", wenn ich Dies oder Das tue alles für mich noch schlimmer wird. Was sollte ich da tun?
Ich sah auch mal eine Doku wo ein Jugendlicher zum Jugendamt gegangen ist und ins Heim wollte. Und was passierte? Er wurde postwendend wieder nach Hause geschickt. ::?
Außerdem war es in meiner Zeit noch legitim so mit seinen Kindern umzugehen.
Ja, vielleicht ist es selten. Ich tausche mich trotzdem gerne mit anderen aus, es ist nicht schön, alles alleine machen zu müssen, gerade, wenn man eigentlich zu jung ist und die Ressourcen nicht hat. Gut, ich wurde auch so geimpft. Und auch wenn wir wohl nicht gleich alt sind: Zu meiner Zeit war das auch legitim, oder zumindest durfen Lehrer usw. von außen nicht eingreifen (ich habe mich nämlich mal an einen gewandt). Aber man entwickelt sich ja auch weiter in seiner Kindheit/Jugend. Oder es lag daran, dass es zuhause so schlimm geworden ist, dass "... wenn ich Dies oder Das tue alles für mich noch schlimmer wird." zur leeren Drohung für mich wurde. Wenn sowieso schon das eigene Leben bedroht ist und einem nicht geholfen wird - wie viel schlimmer kann es denn noch kommen? Aber ich verstehe, dass sowas wie in der Doku entmutigend sein kann.
Naja, reale Gewalt sind ja nicht diese Phänomene wie sie hier gepostet werden, sondern eher Mobbing in Schulen oder Gewalt in der Familie oder so. Allgemein ist es ja doch deutlich runtergegangen mit Fremdtätern. Ich fand es immer schon erstaunlich, dass ich außerhalb meines Wohnraumes sicherer war als innerhalb.
Wenn jemand Menschen überfährt, ist das gewalttätig. Aber du meinst wohl eher, dass das, was hier gepostet wird, Einzelfälle sind, verglichen mit Mobbing in Schulen oder Gewalt in der Familie?
Na gut, aber das bleibt bei mir ein Buch mit sieben Siegeln. Ich weiß, dass ich eine Zeit hatte da habe ich Krimis geschaut, die wirklich nicht schön waren, weil ich dachte, dass mich das heilt, wenn ich mich da schlimmeren Dingen "aussetze". Es tat mir aber sichtlich nicht gut und bin auf nette Familienserien umgestiegen. Das ist eben die Frage: Macht "man" das um zu heilen mit dem Posten oder liegt es an Autismus wo man vielleicht so einen Hang hat zu bestimmten Dingen, so eine Art Fixierung, denn zum Krieg postest du ja z. B. gar nichts?
Helfen tut das Betroffenen jedenfalls nicht. Mir auch nicht, wenn ich darüber nachdenke. Im Gegenteil halte ich mich auch einfach von schlechten Nachrichten fern, die habe ich eh schon zu Hauf in meinen Leben.
Vielleicht bin ich auch nur noch nicht so weit wie du. Und man muss kein Autist (wenn, dann sowieso nur Asperger) sein, um krankhaft von etwas besessen zu sein. ;-)
Ich weiß, dass ich eine Zeit hatte da habe ich Krimis geschaut, die wirklich nicht schön waren, weil ich dachte, dass mich das heilt, wenn ich mich da schlimmeren Dingen "aussetze".
Ich auch. Und halt, weil ich die Welt gerne besser machen würde. Kannst du das schlecht finden, wenn du dir selber Hilfe gewünscht hättest? Ich mag diese Autismus-Aussage nicht. Selbst wenn sie wahr wäre (und nochmal, niemand in meinem Umfeld außer das eine Mal in der Therapie hält sie für wahr. Aktuellstes Beispiel: Die Frau aus der Beratungsstelle, zu der ich gehe und die bereits mit einigen Autisten zu tun hatte), fände ich es nicht gut, wenn das in Diskussionen als Argument gegen mich benutzt würde. Ich könnte auch sagen, es ist nicht normal, dass du nicht weisst, dass alle Menschen unterschiedlich ticken und sich nicht alle gleichzeitig entwickeln, ich also z. B. etwas noch lernen muss, was du schon kannst.
Hat auch was, dass deine Familie sich ändern konnte.
Ja. Wobei sie mir ja nicht nur körperliche Gewalt angetan haben, der Rest ist so geblieben. Aber klar hat sich was verbessert.
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Beitrag Di., 04.03.2025, 21:08

Naja, bis man nicht weiß was los ist, leidet man. Ich habe auch erst Mitte 30 meinen ersten Therapiekontakt gehabt. Ich wußte das nicht besser. Therapeuten haben das entweder als starke Resilienz gesehen oder sogar, dass ich gar nichts habe, weil ich viel früher hätte "krank" sein müssen. War nicht hilfreich.
Ja, das verstehe ich gut. Ich erlebe Dinge aber sehr bewusst. Ich weiss z. B., dass ein Teil von mir auch gar nicht krank sein will (deshalb ist es schwer, Hilfe anzunehmen). Und dass ich von der Familie darauf getrimmt wurde, zu funktionieren.
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Beitrag Di., 04.03.2025, 21:59

Kurze Zwischenfrage an dich EOG: Wollen wir "umziehen"? Ich könnte einen Blog aufmachen und dort weiter schreiben. Wir sprengen hier wohl den Rahmen.

candle
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Beitrag Mi., 05.03.2025, 06:26

Von mir aus gerne. :-) Das ist eine gute Idee. Ja, wir sprengen den Rahmen.
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Beitrag So., 16.03.2025, 18:21

Eier! Trump braucht Eier. :lol:
Die Eierknappheit im eigenen Land machen die USA unter Präsident Trump zum Bittsteller in Europa. Das hat eine gewisse Ironie.
https://www1.wdr.de/nachrichten/eier-kn ... k-100.html
Liebe Grüße
stern 🌈💫
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