Innere Stabilität

Haben Sie bereits Erfahrungen mit Psychotherapie (von der es ja eine Vielzahl von Methoden gibt) gesammelt? Dieses Forum dient zum Austausch über die diversen Psychotherapieformen sowie Ihre Erfahrungen und Erlebnisse in der Therapie.
Benutzeravatar

Thread-EröffnerIn
Arakakadu
[nicht mehr wegzudenken]
[nicht mehr wegzudenken]
anderes/other, 33
Beiträge: 1579

Beitrag So., 16.03.2025, 16:32

Hallo,

@ Cars: puh das mit der Lebensfreude ist schwierig. Als ich Nachwuchs bekam war ich sehr glücklich, es war wie in einer Blase. Gleichzeitig bekam ich aber auch die ESS. Schwierig zu sagen. Ich bin nicht sicher ob ich gerade eine Depression habe. Ich funktioniere für alle rundherum und lege gerade ein paar Prüfungen ab. Ich bin sehr eingedeckt aber ich mache kaum lustige Sachen- ziehe mich am liebsten zurück und bin alleine. Weil ich eben in Aktivitäten die Spaß machen wenig Sinn sehe.
Skifahren lernen? Für was... Brot backen? Wozu... Schule gehen um später zu studieren und einen Beruf auszuüben...? Für was...Wir sterben ja sowieso alle irgendwann und alle Menschen gehen einen Kreislauf durch. Das klingt vielleicht erschreckend..vielleicht ist es auch nur ein Prozess. Was ist der Sinn des Lebens? :-D
Ich arbeite gerade beruflich auf ein großes Ziel hin und hoffe dass es klappt. Ich weis nicht ich glaube das würde mich unglaublich glücklich machen und ich sehe darin sehr viel Sinn trotzdem ist alles von so einem Schleier bedeckt.

Freundeskreis ist trotz allem sehr stabil bei mir. Kann mich wirklich darauf verlassen dass jemand da ist wenn akut was ist und auch umgekehrt. Partnerschaft ist so lala. Aber im Moment kann ich daran nicht viel ändern ich glaube das ist sehr klassisch bei uns.

@lisbeth ja das mit der Angst und der ESS wurde mir auch so mitgeteilt von therapeutischer Seite. Aber angeblich ändere ich zu wenig und mache alles wie bisher und mein Rucksack wird immer schwerer und schwerer. Ich sehe das nicht so. Es fühlt sich an wie ein harter Kampf aus der ESS raus und auch mich in unsicheren situation zurück auf den Boden der Tatsachen zu holen. Im Moment geht es schon ich merke nur dass ich wenn ich keine psychische Krise habe, alles am halbwegs ruhig ist- ich es mir "mir geht es gut" verwechsel. Ich bin in der Therapie erst jetzt drauf gekommen dass ich mich eigentlich gar nicht gut spüren kann. Das erschreckt mich, es hat sehr lange gedauert und das löst starke Zweifel an nein Vertrauen zu mir selbst aus.

Werbung

Benutzeravatar

Scars
[nicht mehr wegzudenken]
[nicht mehr wegzudenken]
anderes/other, 27
Beiträge: 1615

Beitrag So., 16.03.2025, 20:36

Arakakadu hat geschrieben: So., 16.03.2025, 16:32 Was ist der Sinn des Lebens? :-D
Glaube Freud hat gesagt, dass diese Frage ein Indiz für einen kranken Geist sei oder so :-D (was man von Freud hält ist eine andere Frage). Ich habe die Befürchtung, dass die Wenigsten von uns mit einer Art Berufung geboren wurden. Alle Anderen sind einfach erstmal und können mehr oder weniger aus unterschiedlichen Lebensentwürfen wählen. Manchmal lohnt es sich auch zu schauen, welche Werte man hat und wo man diese schon lebt, wenn überhaupt, und wo nicht. Aber viel wichtiger ist denke ich, dass du zu deiner Gefühlswelt findest und Selbstwirksamkeit entwickelst. Weil dann erlebst du das überhaupt erst (und man macht spaßige Dinge einfach weil sie spaßig sind) und wenn du das Gefühl hast, was zu der Welt beizutragen und im Leben stehst, erübrigt sich die Frage nach dem tieferen Sinn vielleicht oder es entwickelt sich.

Ich glaube also tatsächlich, dass diese Sinnfrage ein Zeichen von Depression ist. Allerdings habe ich inzwischen das Gefühl, dass man Depressionen mal unterscheiden müsste. Bei mir hat es erst angefangen wirklich besser zu werden, als ich aufgehört habe das zu machen, was bei Depressionen empfohlen wird und jetzt halt langsam mache, was Lisbeth auch geschrieben hatte, mit Emotionsregulation, Nervensystemarbeit… viel schlafen böse böse^^ ich bin nicht gesund aber summasumarum verbessert sich alles stetig. Wenn du in deiner Therapie nicht voran kommst und den berüchtigten „Widerstand“ pflegst, darfst du auch mal anzweifeln, ob der Weg denn überhaupt der Richtige ist. Es ist ja nicht Sinn der Sache, dass dein Rucksack immer schwerer wird.
Remember to leave pawprints on hearts.

Benutzeravatar

Solage
[nicht mehr wegzudenken]
[nicht mehr wegzudenken]
weiblich/female, 48
Beiträge: 2927

Beitrag So., 16.03.2025, 21:53

In meiner Therapie habe ich vom Analytiker folgenden Satz gehört: Depression ist verschluckte Wut!
Auf Nachfrage und in Bezug auf meine Lebensgeschichte, ist diese Wut verbunden mit Schuldgefühlen. Heißt, die Schuldgefühle verhindern die Wut dahin zu richten, wo sie hingehört!
Das macht krank!
Krank ist, die Wut gegen sich selbst zu richten, anstatt dahin, wo sie hingehört!

Benutzeravatar

Thread-EröffnerIn
Arakakadu
[nicht mehr wegzudenken]
[nicht mehr wegzudenken]
anderes/other, 33
Beiträge: 1579

Beitrag So., 16.03.2025, 23:11

Danke scars, da hast du so Recht...
Ich denke auch dass ich leicht depressiv bin, aber es ist wie gesagt einfach kein Vergleich mehr zu früher.
Was ich von Freud halte weiß ich gerade nicht habe aber zumindest lachen müssen 😁

Solage ja das stimmt wohl. Ich richte die Wut auch eher gehen mich, sollte ja irgendwie wütend auf Person xy sein die mir das und das angetan hat, aber ich spüre die Wut gegen die Person nicht, eher dass ich sie schützen muss, aber das ist die verkehrte Rollenumkehr. Solage wie geht es dir ohne Therapie? Hatten ja so ähnliche Therapieerfahrung.

Im allgemeinen denke ich, dass ich theoretisch viel verstanden habe aber das emotionale verarbeiten klappt eher schlecht. Vielleicht muss es auch gar nicht sein und ich brauche Mal eher überhaupt nichts. Ich hatte jetzt immer Therapie und merke, sie ist kein Allheilmittel.

Werbung

Benutzeravatar

Thread-EröffnerIn
Arakakadu
[nicht mehr wegzudenken]
[nicht mehr wegzudenken]
anderes/other, 33
Beiträge: 1579

Beitrag Sa., 29.03.2025, 12:56

Nochmal ne Frage an alle die Bulimie oder eine andere Form der Essstörung oder SVV hatten: seit ihr jemals in die Akzeptanz gekommen mit eurem Körper, so dass man sich dafür nicht schämt oder ohne deformiert wahrnimmt? Ich weiß ich habe laut Statistik eine völlig normale Figur, aber ich sehe es nicht. Ich gehe so in die Ablehnung. In der letzten Einheit wurde ich gefragt wie ich denke diese Glaubenssätze aus mir raus zu bekommen oder zu verändern die eben nicht der Realität entsprechen. Mir ist leider bis heute nichts eingefallen

Benutzeravatar

Louna
Forums-Gruftie
Forums-Gruftie
weiblich/female, 42
Beiträge: 887

Beitrag Sa., 29.03.2025, 13:14

Ja, mit den SVV Narben bin ich im Reinen, dafür schäme ich mich nicht mehr. Es gehört halt zu mir und ich lasse mir da auch nicht rein reden.
Ich habe einfach das angezogen was mir Freude bereitet worin ich mich wohl fühle. Da gibt es schonmal Blicke die ich nicht als nett empfinde, aber ob die von meinem vielen Glitzer im Gesicht kommen oder den Narben weiß ich nicht. :->
Auch im Schwimmbad ist es mir egal, manchmal etwas unsicher aber wenn ich in meinem Element Wasser bin, ist alles vergessen und ich genieße das sehr.

Da fällt mir ein, neulich beim Einkaufen sah ich einen Mann der keinen zweiten Arm mehr hatte und alle haben den angestarrt. Das war mir für die Anderen unheimlich unangenehm. Furchtbar. Ich habe ihm geholfen seine Brötchen aus dem Dingsda zu holen und er bedankte sich, aber ich habe ihn erst angesprochen als ich merkte, er hat Probleme. Ich bekam ein warmherzliches Lächeln und ein Dankeschön.

Es gibt immer Menschen die doof gucken, egal wie man aussieht. Nur Mut, ich laufe so rum wie ich mich wohl fühle.

Benutzeravatar

chrysokoll
[nicht mehr wegzudenken]
[nicht mehr wegzudenken]
weiblich/female, 45
Beiträge: 4211

Beitrag Sa., 29.03.2025, 17:17

Arakakadu hat geschrieben: Sa., 29.03.2025, 12:56 Nochmal ne Frage an alle die Bulimie oder eine andere Form der Essstörung oder SVV hatten: seit ihr jemals in die Akzeptanz gekommen mit eurem Körper, so dass man sich dafür nicht schämt oder ohne deformiert wahrnimmt?
Ja, das bin ich, aber das hat länger gedauert.
Und das geht nicht nur über den Kopf. Du kannst nicht immer nur drüber reden, versuchen Glaubenssätze aufzulösen etc. Es muss auch etwas mit und über den Körper geschehen. Das ist nicht leicht! Es geht darum Bereiche zu finden, in denen der Körper dabei sein kann, man mit und über ihn Freude hat. Das muss nicht Körperarbeit oder so sein, das kann Schwimmen sein oder Tanzen oder ganz sanfte Bewegungen oder oder. Aber die reine Theorie versöhnt dich nicht mit dem Körper.

Benutzeravatar

Scars
[nicht mehr wegzudenken]
[nicht mehr wegzudenken]
anderes/other, 27
Beiträge: 1615

Beitrag Sa., 29.03.2025, 17:26

Ich schäme mich überhaupt nicht für meinen Körper, solange niemand dumme Kommentare dazu abgibt. Dann tue ich es schon. Das Wichtigste war für mich aus diesen Oberflächlichkeiten auszusteigen. Unsere Gesellschaft hat sich irgendwann mal Schönheitsideale ausgedacht, das ist eine rein menschengemachte Phantasie, mehr nicht. Mein Körper ist für mich, für dieses Leben da und hat eine zufällige Erscheinung und mir ist es wichtiger, dass ich damit möglichst viel erleben darf. Für mich war es nie ein Ziel, alle Selbstzweifel abzulegen, weil ich keine Frau kenne, die frei davon wäre aber in meinem Alltag spielt es keine Rolle mehr, wie ich aussehe. Ich glaube nicht, dass mein Selbstbewusstsein ausreichend wäre, wenn ich keinen annähernd „normschönen“ Körper hätte. Aber darüber mache ich mir dann Gedanken, wenn ich irgendwann mal aus der Form geraten sollte.
Remember to leave pawprints on hearts.

Benutzeravatar

Scars
[nicht mehr wegzudenken]
[nicht mehr wegzudenken]
anderes/other, 27
Beiträge: 1615

Beitrag Sa., 29.03.2025, 17:31

Bei mir war es allerdings auch so, dass ich selbst gar nicht so die riesigen Probleme mit meinem Körper gehabt habe, wir mochten uns eigentlich immer und ich fand mich auch nie hässlich, bis auf Kleinigkeiten. Allerdings wurde in meiner Familie intensiv bodyshaming betrieben und es war wichtig, das zu erkennen. Bist du wirklich für dich selbst nicht genug? Dann ändere was. Bist du für andere nicht genug? Wird niemand gezwungen zu bleiben… ich habe eine sehr biestige Tante, die alle weiblichen Verwandten mobbt und solchen Leuten darf man auch einfach mal eine Ansage machen.
Remember to leave pawprints on hearts.

Benutzeravatar

Thread-EröffnerIn
Arakakadu
[nicht mehr wegzudenken]
[nicht mehr wegzudenken]
anderes/other, 33
Beiträge: 1579

Beitrag Di., 01.04.2025, 11:13

Danke für eure Antworten. Ich habe die leider nicht angezeigt bekommen.

Scars hattest du eine ESS?

Also ich werte leider so ziemlich alles an meinem Körper ab, aber in den letzten zwei Wochen ist plötzlich im therapeutischen Rahmen so viel passiert, dass ich 2 sehr unterschiedliche neue Gefühle in mir trage..ein Gefühl und Gedanke ist, dass ich gerade beginne mich zu mögen. Und ich neue Sachen ausprobiere und sich generell viel verändert. Ich konnte so lange keine Veränderung feststellen und war immer nur bei meinem Gegenüber. Jetzt schaffe ich es immer mehr bei mir zu bleiben oder misstrauische Gedanken ziehen zu lassen. Ich finde das gerade so schön und das erste Mal fühlt es sich wie ein belohnt werden an. Und ja es ist jahrelange harte Arbeit und war verbinden mit so vielen Ängsten.
Das was noch eine Herausforderung wird ist das nicht K***** aus Dauer. Ich kann mir das kaum vorstellen dass ich dieses Verhaltensmuster einfach gar nicht mehr habe. Ich muss mich leider tagsüber sehr häufig abwiegen um Sicherheit zu erlangen und vermeide abends essen zu gehen oder in sozialen Situationen. Ein bisschen fühlt es sich sehr leer an und ich merke auch dass ich Probleme habe zu erkennen welcher Teil von mir ich denn nun wirklich bin. Die da im geschützten Raum, die da draußen die funktioniert. Das ist alles total schräg gerade.

Benutzeravatar

Scars
[nicht mehr wegzudenken]
[nicht mehr wegzudenken]
anderes/other, 27
Beiträge: 1615

Beitrag Di., 01.04.2025, 11:40

Ja, schon auch so >10 Jahre von der Jugend bis ins junge Erwachsenenalter. Ironischerweise wurde das in keiner meiner Therapien jemals behandelt, obwohl es für mich selbst das Hauptsymptom war und ich lange kritisches Untergewicht hatte. Allerdings wäre ich vermutlich in jedem dieser Essstörungsprogramm eingegangen, genau weil‘s mir zu viel Angst gemacht hätte (lol vielleicht wurde auch deshalb nichts behandelt weil ich eh immer alles ablehne :hammer: ). Wenn du diese Zwänge noch brauchst, dann brauchst du sie halt gerade noch ich finde das voll ok. Du darfst dich ja auch in deinem Tempo entwickeln.
Remember to leave pawprints on hearts.

Benutzeravatar

Thread-EröffnerIn
Arakakadu
[nicht mehr wegzudenken]
[nicht mehr wegzudenken]
anderes/other, 33
Beiträge: 1579

Beitrag Di., 01.04.2025, 14:11

Ja da hast du Recht. Ah spannend dass das bei dir nicht direkt behandelt wurde.. bei mir auch nicht, also man redet über die Rückfälle und co aber es ging eigentlich immer nur um Beziehung.

Werbung

Antworten
  • Vergleichbare Themen
    Antworten
    Zugriffe
    Letzter Beitrag