stern hat geschrieben: So., 09.02.2020, 09:16
Nur würde ich eine gesunde Emotionalität keinesfalls auf eine Stufe mit kalkulierten manipulativen AfD-Provokationen stellen wollen.
Ich glaube dass jemand der sich so leicht provozieren lässt eben KEINE gesunde Emotionalität hat und deshalb funktioniert diese Strategie auch so gut: Weil ZU emotional reagiert wird.
Du beklagst die Werbung? Ja, sie ist Teil des Problems, sie funktioniert nämlich genauso.
Ich versuche ein Bedürfnis zu identifizieren (zB. nach einer harmonischen Familie, einem schönen Zuhause oder oder oder), dann koppele ich mein Produkt mit einer Situation die genau das zeigt und schwups verlieren die Leute ihren gesunden Menschenverstand und glauben wenn sie das Produkt kaufen dann kaufen sie auch die es bewerbende Situation. Natürlich nicht bewusst, dass passiert unbewusst, eben auf der emotionalen Ebene.
Das glückliche Huhn auf der Packung soll doch auch ein "gutes Gewissen" suggerieren und es funktioniert, obwohl das Bild rein gar nichts aussagt über die Realität.
Mit dem selben Phänomen arbeitet die AfD, aber auch FfF.
Nun kann man natürlich anmerken: Ja aber vom Klimaschutz profitieren wir doch! Richtig, das hätten wir aber schon vor Greta getan und es hat sich keiner dafür groß interessiert. Warum also interessiert es jetzt so viele (angeblich)? Weil jemand einen "Reiz" gesetzt hat der auf ein Bedürfnis abzielt und der Reiz ist nicht die Botschaft, der Reiz ist die "Verpackung", also Greta als Person. Ein trauriges 16jähriges Mädchen dass ganz allein vor einem Parlament sitzt und ein Schild in die Luft hält, das berührt einen doch sozusagen automatisch. Besser hätte es sich kein Werbestratege der Welt ausdenken können. Und das hat jemand erkannt, fragt sich nur: WER? Really the good guy? Or was it the bad guy?
Und da kommen wir zu der Frage wer profitiert wovon oder glaubt davon zu profitieren? Von der Aufmerksamkeit für das Thema profitiert der Umweltschutz, von der Art wie die Debatte geführt wird profitiert die AfD aufgrund besagter gesellschaftlicher Spaltung.
Das Problem sind nicht die Leute die auf das Thema aufmerksam werden und wirklich einfach nur entsprechend ihr Handeln überdenken und andere Menschen sachlich informieren, das Problem sind die Leute die in Panik verfallen und aus lauter Panik anfangen jene Mitmenschen anzugehen die in ihren Augen nicht "schnell genug" oder "gut genug" verstehen.
Das Problem ist auch nicht der Rentner mit dem SUV der sich ein hohes Auto wünscht in das er leichter einsteigen kann, der hat erst mal nur ein normales Bedürfnis. Das Problem sind die Hersteller die diese Kisten so bauen wie sie sie bauen: Verbrauchsintensiv und umweltfeindlich. Der Rentner hat ja nix von der Umweltfeindlichkeit seines Autos, der hat auch nix von dem hohen Verbrauch, der will nur leichter einsteigen können und lässt sich das halt entsprechend was kosten. Das würde er aber auch tun wenn die Kiste umweltfreundlich wäre solange sie sein Bedürfnis befriedigt.
Das Problem sind nicht die Bedürfnisse der Menschen sondern das was mit ihnen gemacht wird und dass der Mensch so reflexhaft auf etwas anspringt sobald seine Bedürfnisse angesprochen werden.
Die Argumentation "Aber Mitgefühl ist doch etwas gesundes!" greift also nicht wirklich wenn dieses Mitgefühl mehr Mitleid als ein Verstehen des Anderen meint, also Einfühlungsvermögen, denn das würde auch beinhalten dass man bereit und fähig wäre sich auch mit der Position desjenigen auseinanderzusetzen der etwas anderes möchte als man selbst für richtig hält. Dann entstünde echte Kommunikation, dieses übertriebene Mitleid oder diese übertriebene Angst sorgt hingegen nur für Monologe und so letztlich für Streitgespräche und Spaltung. Und nur weil viele das gleiche sagen wird aus dem Monolog auch kein Dialog, weil ein Dialog eben mehrere Positionen (inhaltlicher Natur) gelten lässt und sich sachlich mit ihnen auseinandersetzt.